Landhaus Keller wird versteigert / Mindestgebot überraschend niedrig

mlzLandhaus Keller

Das ehemalige Hotel und derzeitige Altenheim Landhaus Keller soll am 4. September in der Essener Philharmonie versteigert werden. Das Mindestgebot ist dabei überraschend niedrig.

Raesfeld

, 04.08.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sei „keine Zwangsversteigerung“: Das betonen Klaus-Peter Großmann und Gordon Brandt vom Auktionshaus Grundstücksbörse Rhein-Ruhr AG (www.agb-rr.de) mehrfach. Vor gut einem Jahr ging die Keller Dienstleistungen und Sozialimmobilien GmbH sowie die Alten- und Pflegeheime Familie Keller GmbH ins Insolvenzverfahren. Einstimmig hatte die Raesfelder Politik daraufhin beschlossen, dass das Landhaus Keller, das teilweise als Altenheim genutzt wurde, in Zukunft ausschließlich als Hotel- und Gastronomie-Standort weitergeführt werden soll.

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Das Essener Auktionshaus sei nun beauftragt, die Immobilie zu versteigern, so Aufsichtsratsvorsitzender Klaus-Peter Großmann. Erste Interessenten gebe es bereits, sagt Vorstand Gordon Brandt: Es seien auch schon einige Besichtigungstermine vereinbart worden.

Klaus-Peter Großmann (l.) und Gordon Brandt vom Auktionshaus Grundstücksbörse Rhein-Ruhr haben bereits Interessenten für das Landhaus Keller.

Klaus-Peter Großmann (l.) und Gordon Brandt vom Auktionshaus Grundstücksbörse Rhein-Ruhr haben bereits Interessenten für das Landhaus Keller. © Berthold Fehmer

Das Aus für das Altenheim

Für die verbliebenen Bewohner und Angestellten des Altenheims bedeutet dies das endgültige Aus am Standort. Laut eines Mitarbeiters seien von einst 20 noch 11 Bewohner im Haus. Gegen die Beschlüsse der Politik und die Haltung der Gemeinde zum Thema hatten die Mitarbeiter und Bewohner sogar vor dem Rathaus demonstriert. Sogar bei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatten sich Mitarbeiter über die Verwaltung und Politiker beschwert.

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Wenn am 4. September um 11 Uhr die Auktion beginnt, dürfte es spannend werden. Denn das Objekt, Baujahr 1988, mit einer Grundstücksgröße von 11.151 Quadratmeterne, 31 Hotelzimmern und einer Nettogrundfläche von 2998 Quadratmetern in direkter Nähe zum Schloss, ist mit einem Mindestgebot von „nur“ 790.000 Euro belegt - zum Vergleich: Für ein Wohnhaus in Mülheim werden bei der selben Versteigerung mindestens 980.000 Euro aufgerufen!

„Ausgesprochen angemessen“

„Ausgesprochen angemessen“ sei der Preis, so Großmann zum Landhaus Keller: „Mehrere Gutachten kamen zu einem höheren Preis.“ Brandt geht davon aus, dass die 790.000 Euro am Ende nicht das letzte Gebot sein werden. Allerdings trifft die Versteigerung derzeit auf ein durch das Coronavirus geschütteltes Gastgewerbe. Großmann könnte sich vorstellen, dass eine Tandem-Lösung greifen könnte. „Ein Investor und einer, der es betreibt.“

Umbauten und eine Konzeptänderung halten die Verantwortlichen für notwendig, um den Hotel- und Gastronomiebetrieb im Landhaus Keller wieder aufzunehmen. Hier ein Blick in die Eingangshalle.

Umbauten und eine Konzeptänderung halten die Verantwortlichen für notwendig, um den Hotel- und Gastronomiebetrieb im Landhaus Keller wieder aufzunehmen. Hier ein Blick in die Eingangshalle. © agb-rr.de

Wer an der Auktion teilnehmen möchte, kann dies persönlich, per Telefon oder per Vorgebotsabgabe (schriftliches Gebot und Vollmacht) tun. In der Regel werde vor dem Auktionstag die Bonität der Interessenten geprüft, so Großmann. Wenn tatsächlich erst zum Stichtag jemand auftauche, müsse dieser eine „Bietungssicherheit“ von 10 Prozent des Höchstgebots vorweisen.

Kaufvertrag wird am selben Tag unterzeichnet

Vorgesehen sei, dass am Tag der Auktion der Meistbietende auch direkt den Kaufvertrag unterzeichne, so Großmann. Und was wäre Plan B, falls sich kein Bieter findet? Dann, so Großmann und Brandt, habe man den Auftrag, weiterhin die Immobilie zu vermarkten. Wobei die 790.000 Euro als Mindestsumme stehen bleiben soll. Großmann: „Billiger wird’s nicht.“

Käufer sollten einplanen, dass das Auktionshaus 6,96 Prozent des Höchstgebots als Courtage zusätzlich verlangt. Hinzu kommen Notarkosten, Gebühren beim Amtsgericht sowie die Grunderwerbssteuer (6,5 Prozent).

Mögliches Spekulationsobjekt

Steht zu befürchten, dass ein Investor die Immobilie kauft und daraus ein Spekulationsobjekt macht? Und dabei erneut Jahre ins Land gehen? „Eher unwahrscheinlich“ nennt Großmann diesen Gedanken. Zum 31. Dezember 2020 soll das Objekt samt Inventar übergeben werden. Ein Umbau sei dann direkt möglich, weil kein laufender Betrieb zu berücksichtigen sei.

Mit vier Sternen war das Hotel vor der Schließung vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband ausgezeichnet. In der Objektbeschreibung wird darauf hingewiesen, dass „Umbauten und gegebenenfalls auch neue Konzepte erforderlich“ seien für eine Reaktivierung.

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