Sieger-Entwurf zum neuen Pfarrheim überrascht mit pfiffigen Details

mlzPfarrheim Raesfeld

Acht Architekturbüros haben sich Gedanken zum neuen Pfarrheim der St.-Martin-Gemeinde gemacht. In einem Wettbewerb wurden nun die besten drei Entwürfe gekürt.

Raesfeld

, 16.09.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einen Architektenwettbewerb hatte die St.-Martin-Gemeinde ausgelobt, um viele Anregungen für die Gestaltung des geplanten Pfarrheims zu erhalten, das direkt neben der Kirche auf der Fläche des ehemaligen Niewerther Hofs entstehen soll. 2017 kaufte die Kirchengemeinde die Immobilie. Am 8. September, wegen Corona fast ein halbes Jahr später als geplant, tagte nun das Preisgericht.

Sandra Trelle vom Büro „compar“ erklärte am Mittwoch zunächst, wie so ein Wettbewerb abläuft. Alle Büros hätten die gleiche Aufgabenstellung erhalten - insbesondere das Raumprogramm, das auf der kleinen zur Verfügung stehenden Fläche nicht einfach umzusetzen gewesen sei. Acht Büros beteiligten sich mit Einsendungen am Wettbewerb, die für das Preisgericht anonymisiert wurden.

Kontakt zur Kirchengemeinde oder politischen Gemeinde durften die Teilnehmer des Wettbewerbs vorher nicht aufnehmen, sondern sollten „ihrer Fantasie freien Lauf lassen“, so Trelle. Die Wirtschaftlichkeit war allerdings ebenfalls ein wesentlicher Faktor und der Denkmalschutz musste aufgrund der exponierten Lage ebenfalls durch eine Architektur berücksichtigt werden, die sich in die Umgebung einpasst.

Saal für maximal 199 Personen

Ein Saal für maximal 199 Personen mit flexibler Aufteilung, eine Küche und ein Foyer, ein Pfarrsekretariat und weitere Büros sowie Gruppenräume mussten untergebracht werden. Dabei durfte die vorhandene Fläche des Kellers genutzt werden. „Der Keller ist die teuerste Etage, die Sie bauen können“, sagte Trelle - und nur der Siegerentwurf habe sich an die Vorgabe gehalten, die Kellerfläche nicht größer zu machen.

Zur Hälfte mit Architekten, zur anderen Hälfte mit Vertretern aus der katholischen und politischen Gemeinde war das Preisgericht besetzt. Bürgermeister Andreas Grotendorst sagte, er habe an diesem Tag viel gelernt, da es eben nicht nur um optische, sondern vor allem auch um funktionale Dinge gegangen sei.

„Schöner Eingangsbereich“

Architekt Christoph Ellermann aus Lüdinghausen stellte die drei Gewinner-Entwürfe vor: Auf dem dritten Platz landete der Entwurf von Sabine und Manuel Thesing vom Büro Thesing & Thesing Architekten aus Heiden. „Sympathisch“ sei der Entwurf, so Ellermann, der den „schönen Eingangsbereich“ lobte. Doch habe der Entwurf eine zweigeschossige Wand zum Kirchplatz erzeugt.

Der dritte Platz ging an das Büro "Thesing & Thesing Architekten" aus Heiden.

Der dritte Platz ging an das Büro „Thesing & Thesing Architekten" aus Heiden. © Berthold Fehmer

Auf dem zweiten Platz landete der Entwurf von Uli Winkelmann und Jens Matzken vom Büro Winkelmann Matzken Architekten aus Bocholt. Funktional sauber gelöst worden sei die Aufgabenstellung, sagte Ellermann, aber die Architektursprache des Entwurfs sei, auch wegen des Flachdachs, „zu streng“ und füge sich nicht in die Umgebung ein. Das Foyer sei auch sehr klein geplant.

Der Entwurf von Uli Winkelmann und Jens Matzken vom Büro Winkelmann Matzken Architekten aus Bocholt wurde als sehr funktional gelobt, doch die Architektur-Sprache sei für die Umgebung zu "streng".

Der Entwurf von Uli Winkelmann und Jens Matzken vom Büro Winkelmann Matzken Architekten aus Bocholt wurde als sehr funktional gelobt, doch die Architektur-Sprache sei für die Umgebung zu „streng". © Berthold Fehmer

Ein Büro, das laut Ellermann bereits viele Wettbewerbe gewonnen hat, machte am Ende das Rennen: Ralf Wömpner vom Büro „Hartig/Meyer/Wömpner“ schaffte es, mit einem Team von zehn Mitarbeitern beim Preisgericht die höchste Zustimmung zu erhalten.

So soll das neue Pfarrheim aus südlicher Richtung aussehen.

So soll das neue Pfarrheim aus südlicher Richtung aussehen. © Berthold Fehmer

Das Foyer gehe bei diesem Entwurf in den Flur über, so Ellermann, im Erdgeschoss befinde sich das Pfarrbüro mit üppigem Wartebereich, von wo man Besucher in die Büros im Obergeschoss verweisen könne. Im Obergeschoss finden sich Gruppenräume, auch die beiden für Jugendliche, die sogar einen eigenen Treppenaufgang von außen erhalten. Alle Gruppenräume bekommen zudem eine eigene Terrasse. Ein Aufzug gewährleistet die Barrierefreiheit.

„Es sieht aus wie ein Pfarrheim“

Wichtig war Ellermann auch die Feststellung bei diesem Entwurf: „Das ist ein Pfarrheim - es sieht aus wie ein Pfarrheim.“ Den Unterschied erläuterte er an einem anderen Entwurf: „Das könnten auch drei Reihenhäuser nebeneinander sein.“

Ein Querschnitt durch das neue Pfarrheim aus dem Entwurf, der vom Preisgericht bevorzugt wurde.

Ein Querschnitt durch das neue Pfarrheim aus dem Entwurf, der vom Preisgericht bevorzugt wurde. © Berthold Fehmer

In einer Ausstellung sollen der Öffentlichkeit im derzeitigen Pfarrheim am Hohen Weg die Entwürfe vorgestellt werden. Die Kirchengemeinde will nun nach der Kirchenvorstandssitzung mit dem Architekturbüro Hartig/Meyer/Wömpner ins Gespräch kommen, um die Detailplanung weiter voranzutreiben. Ob man etwa Steine des Niewerther Hofs oder ähnliche Klinkersteine verwenden könne, müsse man dann sehen, sagte Trelle. Warmtöniger Backstein und warmrote Tondachziegel sind im Entwurf vorgesehen.

Finanzierung muss noch geklärt werden

Ebenfalls geklärt werden muss mit dem Bistum noch die Finanzierung des Vorhabens, an dem sich die politische Gemeinde Raesfeld beteiligt und im Umkehrschluss ein Nutzungsrecht für den Saal erhält.

  • Geöffnet ist die Ausstellung „Neues Pfarrheim Raesfeld“ in den kommenden zwei Wochen: 17. September von 16 bis 18 Uhr, 18.9. von 18 bis 20 Uhr, 19.9. von 14 bis 16 Uhr, 20.9. von 10.30 bis 12 und 17 bis 19 Uhr, am 21.9. und 22.9. von 16 bis 18 Uhr, am 23.9. von 15 bis 17 Uhr, am 24.9. von 15.30 bis 17 Uhr, am 25.9. von 16 bis 18 Uhr, am 26.9. von 15 bis 17 Uhr, am 27.9. von 16 bis 17.30 Uhr, am 28.9. von 16 bis 18 Uhr sowie am 29.9. von 14 bis 16 Uhr.
  • Anmeldung im Pfarrbüro unter Tel. (02865) 609890 oder per Mail an Sonntag-b@bistum-muenster.de . Besucher werden gebeten, Masken zu tragen.
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