250 Menschen gegen Rechts: Beatrix von Storch kritisiert Stefan Jürgens

mlzAfD in Borken

Rund 250 Menschen haben sich am Dienstag in Borken versammelt, um „Flagge gegen rechts“ zu zeigen. Anlass dafür war eine AfD-Wahlkampf-Veranstaltung mit Gastrednerin Beatrix von Storch.

von Sven Kauffelt; Peter Berger

Borken

, 02.09.2020, 13:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Aufwand, der in der Stadt betrieben wurde, um ein mögliches Aufeinandertreffen der Gruppen zu verhindern, war immens. Die Polizei war in der Innenstadt mit Kräften aus dem Kreis und Teilen einer Hundertschaft präsent. Mitarbeiter des Ordnungsamtes hatten die Goldstraße als direkte Verbindung zwischen Markt und Vennehof gesperrt. Die Bilanz: „Alles ruhig“, erklärte Polizeisprecher Thorsten Ohm nach dem Ende der Gegendemos.

Denn nach der Kundgebung auf dem Marktplatz zogen viele der dortigen Teilnehmer noch zum Rathaus, um sich von dort dem vom Stadtrat initiierten Marsch zur St.-Remigius-Kirche anzuschließen.

Bewegte Bürgermeisterin enthüllt Tafel gegen Rassismus

Vor dem Rathaus enthüllte Bürgermeisterin Mechtild Schulze Hessing eine Tafel neben dem Haupteingang: „Kein Rassismus, keine Diskriminierung, keine Respektlosigkeit in Borken“ steht darauf. Die Enthüllung sei eigentlich im Frühjahr geplant gewesen, sagte die emotional sichtlich angefasste Bürgermeisterin, „jetzt ist aber ein passender Moment“.

Vertreter aller Ratsparteien und aus dem Kreistag waren bei beiden Veranstaltungen. Auf dem Marktplatz sprachen unter anderem die Landratskandidatinnen Nadine Heselhaus (SPD) und Susanne Trautwein-Köhler (Die Grünen). „Wir lassen uns unsere Demokratie nicht kaputtmachen“, rief Heselhaus der applaudierenden Menge zu. Und vor dem Rathaus mahnte Mechtild Schulze Hessing dazu, „unsere Werte schon beim kleinsten Anzeichen einer Gefährdung zu verteidigen.“ Auch CDU-Landrat Kai Zwicker sowie Sprecher der Ratsfraktionen positionierten sich gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Maja Becker (Grüne) nutzte ein geflügeltes Wort: „Lebe so, dass es der AfD nicht gefällt.“

Zwei parallele AfD-Veranstaltungen in der Stadt

Die AfD hatte für Dienstagabend eine Kundgebung vor der Stadthalle angemeldet. Sie sollte parallel zur Veranstaltung mit Beatrix von Storch stattfinden. Sechs Mann trafen ein, um kurz vor 19 Uhr waren auch sie verschwunden. Mit der Zeitung reden, wollten die meisten von ihnen lieber nicht.

Sinn und Zweck der Aktion schien zu sein, den Vorplatz vom Vennehof für sich zu haben, Gegner auf Distanz zu halten. Da sein, damit die Anderen nicht genau dort sein dürfen. Die sechs Männer standen lose beieinander, viel Worte machten sie nicht. Einige wurden offenbar kurzfristig aus dem Saal nach unten beordert, wohl damit es nach ein bisschen mehr aussieht. Als ein WDR-Team, das vorsichtshalber zwei Security-Leute mitgenommen hat, Richtung Eingang geht, ruft ihm ein Teilnehmer „Ihr mit euren Lügen...“ hinterher. Die Medien würden alles verdrehen. Zum Beispiel über die Demo am Wochenende in Berlin. Er kenne nämlich die Wahrheit, behauptet der Mann. Er sei dabei gewesen.

Die Coronaschutzbestimmungen hielten sie ein, aber deren Sinn bezweifelte so gut wie jeder Redner bei der AfD-Veranstaltung im Borkener Vennehof.

Kritik an Corona-Vorschriften und Aussagen von Pfarrer Stefan Jürgens

Beatrix von Storch, stellvertretende Bundessprecherin ihrer Partei, kritisierte bei ihrer gut halbstündigen Rede die, wie sie es nannte, „Verlogenheit“ und fehlende Verhältnismäßigkeit der Corona-Schutzvorschriften. „Wir schießen mit Kanonen auf Spatzen“, sagte sie über die Pandemie, der im Kreis Borken bislang 38 Menschen zum Opfer gefallen sind. Auch ihr Vorredner, der AfD-Landessprecher Rüdiger Lucassen, sprach von der „sogenannten Corona-Epidemie“.

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Ansonsten wandte sich von Storch gegen die Gender-Diskussion, forderte „Muezzin-Rufe wollen wir bei uns nicht hören“ und nannte die AfD einen „Anwalt der Familie“. Gleich mehrfach gab es Seitenhiebe auf den Ahauser Pfarrer Stefan Jürgens. Der hatte vor einigen Tagen gesagt, es sei mit dem christlichen Glauben unvereinbar, für die AfD zu kandidieren – oder auch sie zu wählen.

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