Ahauser konnte Amokfahrer nur knapp ausweichen - Prozess um dreifachen Mordversuch auf B67

mlzUnfall auf B67

Im Prozess um den dreifachen Mordversuch auf der B67 in Bocholt bestritt der 48-jährige Angeklagte, mit der Absicht auf das Auto eines Ahausers zugerast zu sein, um sich selbst zu töten.

von Ludwig van der Linde

Bocholt/Ahaus

, 21.11.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, dass er am 29. April mit seinem Auto auf der Bundesstraße in den Gegenverkehr gefahren sei, um sich zu töten, bestritt der 48-jährige Bocholter am Mittwoch vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Münster mehrfach: „Ich hatte vor dem Unfall nicht vor, mich umzubringen, und auch nicht hinterher“, sagte der Angeklagte.

Ahauser konnte im letzten Moment ausweichen

Laut Zeugenaussagen war der 48-Jährige an dem Montagabend gegen 19 Uhr auf der B67 auf der Gegenfahrbahn zunächst frontal auf den Wagen eines 64-jährigen Ahausers zugerast, der im letzten Moment einen Zusammenstoß verhindern konnte.

Anschließend fuhr der Bocholter die Auffahrt zur B67 in Biemenhorst hinunter. Ein 64-jähriger Mann aus Niederkassel bei Bonn, der mit seiner Ehefrau (57) Richtung Isselburg unterwegs war, konnte ebenfalls gerade noch ausweichen. Es kam aber zu einer Berührung der Fahrzeuge, sodass sich das Auto des Bocholters überschlug und der 48-Jährige schwer verletzt wurde.

2,42 Promille im Blut und kein Führerschein

Sein Fehlverhalten räumte der Angeklagte vor Gericht ein. Er gab auch zu, dass er alkoholisiert (2,42 Promille) war und keine Fahrerlaubnis besaß.

Der Bocholter entschuldigte sich bei den drei Opfern und bat sie um Verzeihung. Er habe nicht die Absicht gehabt, sie zu verletzten, versicherte der Angeklagte.

Er habe an die Fahrt und die beiden Unfälle aber auch keine Erinnerung mehr. Der viele Alkohol habe zu einem Vollrausch und einem „Filmriss“ geführt. „Meine Erinnerung setzt erst wieder ein, als ich in der Uniklinik Münster aufgewacht bin.“

Probleme in der Familie als Auslöser?

Als Grund für den starken Alkoholkonsum am Tattag gab er die Sorge um seinen Sohn an. Er habe morgens beim Bocholter Jugendamt erfahren, dass er nicht verhindern könne, dass seine von ihm getrennt lebende Ehefrau den gemeinsamen Sohn mit ihrem neuen Lebenspartner zusammenbringe.

Den habe seine Frau in der Drogen-Entziehungsklinik kennengelernt, in der sie seit Anfang 2018 saß. „Das war eine denkbar schlechte Nachricht für mich. Ich war frustriert und wütend“, sagte der Bocholter.

Gericht glaubte den Aussagen des Angeklagten nicht

Das wechselhafte Verhältnis zu seiner Frau sei schon seit September 2018 deutlich abgekühlt und seine Hoffnung gering gewesen, noch einmal mit ihr zusammenzukommen. „Das Thema war durch.“ Er sei nicht auf die Idee gekommen, sich wegen seiner Frau umzubringen, betonte der Angeklagte.

Doch das nahm ihm das Gericht nicht ab. Denn die Auswertung seines Handys belegte, dass er seine Frau am Tattag mit Liebesbekundungen in Form von Sprach- und Textnachrichten überhäuft hatte. Darin hieß es unter anderem: „Ohne dich macht das Leben keinen Sinn“ oder „Ich habe nur wegen deiner Liebe gelebt.“

Polizisten und Ärzten von Selbstmordabsicht berichtet

In ersten Gesprächen mit Polizisten und Ärzten nach den Unfällen hatte der Angeklagte auch eingeräumt, dass er Suizid habe begehen wollen. „Es gibt eine ganze Reihe von Hinweisen, dass Sie an dem Tag einen schwachen Moment hatten“, sagte die Vorsitzende Richterin. Der Unfallverlauf passe auch nicht zu einem Autofahrer, der am Steuer eingeschlafen sei.

Entlastet wurde der Bocholter allerdings durch einen Freund. Der konnte sich nicht vorstellen, dass der 48-Jährige sich habe umbringen wollen und schon gar nicht auf diese Art und Weise. „Dafür ist er nicht der Typ. Er würde eher in Kroatien von der Klippe springen.“

  • Der Prozess wird am Montag, 2. Dezember, um 9 Uhr im Landgericht Münster fortgesetzt.
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