Bandenchef soll 150.000 Euro als Kopfgeld ausgesetzt haben

mlzSchießerei in Gronau

Brandanschläge und Attentate auf mehrere Menschen wurden im Jahr 2017 in Enschede, Almelo und Gronau verübt. Vor Gericht in Almelo werden jetzt die Schießereien und Mordversuche verhandelt.

von Martin Borck

Gronau

, 06.09.2019, 18:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehrerer Mordversuche schreckten in den ersten Monaten des Jahres 2017 die Region auf. Brandanschläge und Attentate auf mehrere Menschen wurden in Enschede, Almelo und Gronau verübt. Das eigentliche Ziel aber soll ein Mann aus Almelo gewesen sein. Dieser Mann hat am Mittwoch eine lange Aussage bei der niederländischen Polizei gemacht.

Drohende Gesten von der Publikumsbühne aus

Am Dienstag war er als Zuschauer bei einer Sitzung im Almeloer Gericht anwesend. Es wurde gegen zwei Männer verhandelt, die an den Schießereien beteiligt gewesen sein sollen. Der Almeloer machte von der Publikumstribüne aus drohende Gesten. Daraufhin wurde er von der Tribüne geholt. Er gab an, Informationen zu den Vorfällen zu haben und wurde für Mittwoch vorgeladen. Auf der Wache sagte er aus, dass er selbst das eigentliche Ziel der Anschläge sei. Ihm zufolge hatten die Killer ihn aber bislang nicht gefunden – und daher Opfer aus seinem Umkreis gesucht. Das berichtet der Twentsche Courant Tubantia.

Zeuge erkennt ein Muster bei den Taten

Die Aussagen des neuen Zeugen decken sich zumindest teilweise mit Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft . So gab der Almeloer an, dass auch ein Brandanschlag auf das Haus seiner Mutter verübt worden sei und in die Reihe der Attentate gehöre. Er machte die Polizei auf ein Muster der Taten aufmerksam, in das der Anschlag passe.

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt den derzeit in Haft sitzenden Simo D. , hinter den Anschlägen zu stecken. Seine Bande führe einen Krieg gegen Leute aus dem Umfeld des mittlerweile verbotenen Motorradclubs Satudarah.

Kopfgeld von 150 000 Euro ausgesetzt

Der Zeuge sagte aus, dass die meisten Mordanschläge eigentlich ihm gegolten hätte. Auf ihn als Mitglied einer konkurrierender Drogenbande habe Simo D. ein Kopfgeld von 150 000 Euro ausgesetzt. „Mich konnten sie aber nicht kriegen, darum hielten sie sich an meine Familie.“

Er sagte, dass er das Leben, das er jetzt führe, leid sei. Er fühle sich permanent bedroht und trage deshalb eine Waffe. Er möchte sich aber endlich um seinen Sohn kümmern. Jahrelang habe er das nicht tun können, aus Angst, dass das Kind zur Zielscheibe der Attentäter werden könnte.

Für die Brandstiftungen in Almelo sind drei Männer bereits zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Gegen weitere Angeklagte laufen derzeit Prozesse.

Lesen Sie jetzt