Landwirte zur Ernte 2019: „Mit blauem Auge davongekommen“

mlzErntebilanz

Die Landwirte im Kreis Borken haben am Mittwoch eine Bilanz zur Ernte gezogen. Unterm Strich sei man „mit einem blauem Auge davongekommen“.

von Horst Andresen

Kreis/Weseke

, 12.09.2019, 10:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Die Wetterextreme der vergangenen zwei Sommer finden in der Erntebilanz natürlich ihren Niederschlag. Eigentlich können wir nur Wasserstandsmeldungen verbreiten“, sagte am Mittwoch Ludger Schulze Beiering, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, in seinem Wohnzimmer in Borken-Weseke. Mais-, Kartoffel- und Zuckerrübenernte stehen unmittelbar an.

Maisernte wohl etwas besser

Insgesamt seien die Bauern dennoch „mit einem blauen Auge davongekommen“, fasst Kreislandwirt Heinrich Emming zusammen. Es hätte schlimmer kommen können.

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Dem Mais fehlten 30 bis 50 Prozent Niederschlagsmengen. Die Qualität der Maisernte hänge besonders von Niederschlägen ab. Emming: „Sie ist extrem gut oder schlecht. Das Ergebnis ist noch extremer als im Vorjahr.“ Die aktuell einsetzende Ernte werde wohl „etwas besser“ als im Vorjahr ausfallen. Gleichwohl gebe es im Mittel der vergangenen zehn Jahre eine Erlösminderung von rund 20 Prozent.

Zuckerrüben hatten Blattläusen

Die Landwirte reagieren mehr und mehr mit Diversifizierung, um das Risiko von Missernten zu verteilen. Es werden mehr Gerste, Triticale und Roggen angebaut, sogar Zuckerrüben. „Acht Tonnen Roggen sind besser als sechs Tonnen Weizen“, sagt Vorstandsmitglied Heinz-Josef Elpers, Ortsverbands-Vorsitzender in Wessum.

Landwirte zur Ernte 2019: „Mit blauem Auge davongekommen“

Durchwachsene Silphie: eine wiederkehrende Pflanze, die vielleicht auch mal im Westmünsterland Abwechselung in die Maiskulturen bringen könnte – in Weseke präsentiert von den Landwirten (von links): Ludger Schulze Beiering, Heinrich Emming und Heinz-Josef Elpers. © Horst Andresen

Wintergerste und Weizen brachten „gute Erträge“, zwischen 70 und 80 Doppeltonnen pro Hektar. Roggen und Triticale lagen knapp unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Beim Grünland (Ackergras) fielen zwei Schnitte im Frühjahr gut aus, der dritte und vierte fehlte wegen Trockenheit, der fünfte war unbefriedigend. Ertragsausfall: bis zu 50 Prozent. Zuckerrüben hätten wegen Blattläusen im April einen „schweren Start“ gehabt. Der Verband rechnet mit Mindererträgen von zehn bis 30 Prozent.

„Nasse Winter wären gut“

Bei der Kartoffel wirke sich die heiße Sommerphase negativ aus. Vermutlich könne dennoch „minimal“ mehr geerntet werden.

Das Klima wandelt sich augenscheinlich. Deshalb rechnen auch die Landwirte nicht mit besseren Bedingungen. Die Trockenheit macht zu schaffen. Heinrich Emming rechnet vor: „Es fehlen aktuell auf jedem Quadratmeter 1000 Liter Wasser. Es müsste dafür jeden Tag 25 Liter regnen, zwei Monate lang ohne Unterbrechung. Dann hätten wir die Menge, die fehlt.“

An so viel Niederschlag glaube keiner. Emming: „Nasse Winter wären gut.“

Energiepflanze Silphie

  • Ludger Schulze Beiering betreibt Ackerbau, Schweinemast (2000 Tiere), eine Biogasanlage, setzt auf erneuerbare Energien, und zum Hof mit 100 Hektar eigener Fläche gehören 40 Hektar Wald –auch mit immer weniger Fichten, wie im gesamten Kreis: „Der Borkenkäfer hat zugeschlagen.“ Dabei sei der Höchststand der überbordenden Population erst 2022 zu erwarten – im Fünf-Jahres-Rhythmus. Ein Stück des Waldes bleibt „selbstüberlassen“, natürlich: „Und er wächst besser als gedacht“, sagt Schulze Beiering.
  • Ein Versuch, der Hoffnung macht, wächst neben dem Bauernhof: die Durchwachsene Silphie, eine in Nordamerika beheimatete Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler, eine ausdauernde und mehrjährige Pflanze, die aufgrund ihrer großen Biomasseproduktion als Energiepflanze angebaut werden kann.
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