Borkener hat sich zwei Wochen lang in Nordkorea umgesehen

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Walter Lissel wollte sich ein eigenes Bild machen. Deshalb ist der Borkener nach Nordkorea gereist, in das Land des Diktators Kim Jong-un. Zwei Wochen hat der 65-Jährige dort verbracht.

von Jaqueline Beckschulte

Borken

, 01.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gemeinsam mit 14 anderen Reisenden aus unterschiedlichen Ländern sah er sich dort um – und drückte darüber hinaus noch die Schulbank.

Im westlich orientieren Südkorea ist Lissel schon häufig gewesen. Seine Frau stammt von dort. Außerdem hat der Borkener eine Schwäche für koreanisches Essen. „Ich wollte mir das andere Korea ansehen“, berichtet er. Auch interessiert ihn Koreas Schicksal: die Spaltung des Landes, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Aufteilung in eine US-amerikanische und eine sowjetische Besatzungszone begann, 1948 in die Teilung mündete und im Koreakrieg (1950 bis 1953) besiegelt wurde.

Eine jahrzehntelange Teilung hat auch Deutschland erlebt. Lissels Hoffnung vor seiner Reise: „Ich dachte, vielleicht kann ich durch meinen Besuch als Deutscher einen Beitrag zur Wiedervereinigung leisten.“ Aus Gesprächen weiß er, dass sich dies sowohl Süd- als auch Nordkoreaner wünschen.

Bei einer chinesischen Reiseorganisation, die auch ein Büro in Berlin hat, buchte der Borkener eine Gruppenreise inklusive Sprachkurs an der Kim Hyong Jik University in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang. „Als Einzelperson kommt man nur schwer ins Land“, erklärt der 65-Jährige. In der chinesischen Hauptstadt Peking trafen sich die Reisenden zum ersten Mal. Dort gab es für sie eine Einführung über „Benimmregeln“ in Nordkorea. Lissel nennt ein Beispiel: „Man darf überall fotografieren, nur nicht das Militär.“

Unterschied zwischen Stadt und Land

Von China aus ging es 24 Stunden mit dem Zug nach Pjöngjang. Die Landschaft sei geprägt von Reisfeldern, Bergen und hier und da kleinen Dörfern, sagt Lissel – „ich habe keinen Unterschied zu Südkorea festgestellt“. Und auch das Bild, das ihn in der Hauptstadt erwartete, war anders, als er es sich vorgestellt hatte: „Pjöngjang ist eine moderne, sich im Fortschritt bewegende Stadt“, beschreibt Lissel seinen persönlichen Eindruck. Auf dem Land habe es anders ausgesehen: „Dort ist das Leben eine größere Herausforderung.“

Angst oder Bedenken wegen Kim Jong-uns Diktatur hatte der Borkener nach eigenem Bekunden nicht. „Wir haben uns alle sehr sicher gefühlt und konnten uns freier bewegen, als wir gedacht hätten“, berichtet der 65-Jährige. Auch der neuseeländische Reiseleiter, der bereits öfter in Nordkorea gewesen war, habe der Gruppe berichtet, dass es den Menschen im Land besser gehe, seit Kim Jong-un an der Macht sei.

Zertifikat von der Universität

Am Wochenende unternahm die Gruppe Reisen, in der Woche drückte sie die Schulbank. Lissel blickt zurück: „Nach den zwei Wochen konnten wir alle Koreanisch schreiben und lesen.“ Stolz zeigt er sein Zertifikat von der Universität. Ein paar Vorkenntnisse habe er allerdings schon gehabt, räumt der 65-Jährige ein.

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