Brand in Bordell: Sechs Jahre Haft für den 43-jährigen Angeklagten

mlzTod im Saunaklub

Im Prozess um den tödlichen Brand in dem Saunaklub Gallardo in Hamminkeln ist der 43-jährige Angeklagte wegen Brandstiftung mit Todesfolge zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.

von Stefan Pingel

Hamminklen

, 07.07.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In dem Prozess um den tödlichen Brand im Saunaklub Gallardo wurde am Montag am Landgericht Duisburg das Urteil gesprochen. Wegen Brandstiftung mit Todesfolge wurde der Angeklagte zu sechs Jahren Haft verurteilt. Allerdings soll er auch eine Therapie gegen seine Alkoholsucht in einer geschlossenen Entzugsanstalt machen. Ist diese Therapie erfolgreich, könnte seine Haft zur Bewährung ausgesetzt werden.

64-jähriger Mann war in dem brennenden Gebäude gestorben

Der Vorsitzende Richter Joachim Schwartz ließ die Tatnacht vom 13. auf den 14. Juli noch einmal Revue passieren, bei der ein 64-jähriger Mann in dem brennenden Gebäude gestorben war. Einige Teilnehmer des Junggesellenabschiedes landeten gegen 22 Uhr im Saunaklub Gallardo im Hamminkelner Industriegebiet.

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Der Angeklagte Marius B. (43) aus Voerde fiel dabei durch starken Alkoholkonsum auf. Mehrere Biere und einen Longdrink habe er zu sich genommen. Das belegten die Überwachungskameras des FKK-Klubs: „Die Erinnerung an die Nacht setzte aus, dafür hat die Kameraüberwachung eingesetzt“, so der Richter. So ließen sich auch die darauf folgenden Ereignisse gut nachvollziehen.

Angeklagte ging mit drei Prostituierten aufs Zimmer

Der Richter beschrieb „das strahlende Gesicht“, als der Angeklagte mit drei Prostituierten aufs Zimmer ging. Er beschrieb den Streit mit dem Betriebsleiter, als B. nur eine der drei Frauen bezahlen wollte. Und er beschrieb die drei Minuten, die der Angeklagte vor dem Fenster von Zimmer 16 stand. Nach einer Minute sei er eingestiegen, sei dann wieder herausgekommen, habe aber kontrollierend ins Zimmer zurückgeblickt. Dann sei er noch mal eingestiegen. Als er wieder draußen war, habe er noch einmal zurückgeblickt. Erst dann sei er gegangen.

Steuerungsfähigkeit und sein Unrechtsbewusstsein eingeschränkt

Dieses „auf Erfolgskontrolle orientierte Verhalten“ bestätigte die Kammer darin, dass der Brand vorsätzlich gelegt worden war. Allerdings schob der Vorsitzende Richter den Mordvorwurf beiseite. Der Angeklagte habe nicht wirklich den Tod von Menschen billigend in Kauf nehmen wollen. Zudem seien durch den Alkoholkonsum seine Steuerungsfähigkeit und sein Unrechtsbewusstsein eingeschränkt gewesen. Allerdings auch wieder nicht vollständig. Denn er habe sich koordiniert bewegt und auch gut artikulieren können.

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Auch zuvor war B. schon wegen seines Alkoholkonsums aufgefallen, der zum Teil zu einem „bizarren Verhalten“ geführt hatte, sagte der Richter mit Blick auf die Aussagen des Angeklagten selbst und dessen Frau. Er ordnete die Unterbringung in einer geschlossenen Entzugsklinik für zwei Jahre an. Zuvor muss der Angeklagte aber ein Jahr der Haft absitzen, was allerdings durch die U-Haft schon fast abgelaufen ist.

Platz für Therapie in der Entzugsanstalt finden

Wenn das Urteil rechtskräftig wird, wird der Angeklagte wohl relativ zügig einen Platz in einer solchen Klinik bekommen. Sollte die Therapie in der Entzugsanstalt erfolgreich sein, könnte die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Andernfalls müsste er doch noch weiter ins Gefängnis.

Richter Schwartz lastete dem Angeklagten auch den nichtigen Anlass der Tat und die hohe Gefährlichkeit an. Zudem habe er einen hohen wirtschaftlichen Schaden verursacht. Zugute hielt er ihm, dass er nicht vorbestraft und sozial gut eingebunden sei.

Verteidiger: „kein mildes Urteil“

Verteidiger Frank Zindler stellte nach der Urteilsverkündung fest, dass sechs Jahre Haft „kein mildes Urteil“ sei. Er freute sich aber für seinen Mandanten, dass der Vorwurf des Mordes und damit die Stigmatisierung, die auch die Familie erdulden musste, vom Tisch sei. Insofern nannte er das Ergebnis „sinnvoll“.

Die Aufräumarbeiten im abgebrannten Saunaklub Gallardo in Hamminkeln haben begonnen. Bei einem Brand war dort ein Gast ums Leben gekommen. Ein 43-Jähriger wurde jetzt wegen Brandstiftung mit Todesfolge verurteilt.

Die Aufräumarbeiten im abgebrannten Saunaklub Gallardo in Hamminkeln haben begonnen. Bei einem Brand war dort ein Gast ums Leben gekommen. Ein 43-Jähriger wurde jetzt wegen Brandstiftung mit Todesfolge verurteilt. © Stefan Pingel

Eine Woche Zeit hat die Verteidigung, um gegen das Urteil Revision einzulegen, sagte Anwalt Frank Zindler nach der Urteilsverkündung. Das schriftliche Urteil werde aber voraussichtlich erst in fünf Wochen zugestellt. Vorsorglich werde er Revision einlegen, die er aber, wenn er das Urteil gelesen hat, wieder zurückziehen könne.

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