Busfahrer werden auch im Kreis Borken händeringend gesucht

mlzFachkräftemangel

Viele Firmen auch im Kreis Borken suchen Mitarbeiter, die sich hinters Steuer setzen. Oft fehlt es an Nachwuchs. Zuzeit fallen aber keine Fahrten aus. Noch nicht.

von Josef Barnekamp

Kreis Borken

, 23.08.2019, 10:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie fahren frühmorgens, spätabends und manchmal auch mitten in der Nacht – und das für einen Tariflohn von etwas mehr als 13 Euro brutto die Stunde. Ohne Busfahrer würden viele Menschen nicht zur Arbeit kommen, nicht von der Feier nach Hause oder nicht zum Arzt im Nachbarort. Busfahrer zu finden, wird für die Verkehrsbetriebe aber immer schwieriger: Allein im Kreis Borken gibt es im Schnitt stets etwa 20 offene Stellen für solche Fachkräfte. Fahrtausfälle wegen Personalmangels – wie etwa in der Vergangenheit auf den Zugstrecken Borken-Essen oder Coesfeld-Dorsten – gibt es im Busverkehr aber so gut wie nicht. Gerade eine wegen Fahrermangels ausgefallen Busfahrt ist dem Kreis Borken bislang gemeldet worden.

Erst eine Fahrt wegen Personalmangels ausgefallen

„Es ist auch für uns als kommunales Verkehrsunternehmen zunehmend schwieriger geworden, geeignetes, motiviertes und qualifiziertes Personal zu gewinnen als noch vor zehn Jahren. Dennoch bekommen wir derzeit die Stellen noch besetzt“, teilt Dr. Christoph Hagebeucker von der Regionalverkehr Münsterland (RVM) auf Anfrage mit. Das Unternehmen, das viele Busverbindungen im Münsterland und auch im Kreis Borken bedient, hat derzeit 193 Mitarbeiter im Fahrdienst beschäftigt.

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Um an dringend benötigte Fahrer zu kommen, bietet die RVM eine sogenannte FiF-Ausbildung an. FiF steht für Fachkraft im Fahrbetrieb und bereitet junge Leute für den Einsatz in einem Verkehrsunternehmen aus. Neben dem Dienst hinterm Steuer umfasst das auch die Arbeit in der Leitstelle. Zudem gibt es Einblicke in Werkstatt und Verwaltung. Die Ausbildung wird mit einer Prüfung vor der IHK abgeschlossen. Vier solcher FiF-Kräfte hat die RVM derzeit. Älteren Interessierten bietet die RVM zudem die Möglichkeit, den in der Regel mehrere tausend Euro teuren Busführerschein in der hauseigenen Fahrschule zu machen, so dass die Bewerber nicht in Vorleistung treten müssten.

Wie der RVM, so fehlt auch vielen anderen Busunternehmern und Speditionen mittlerweile eine Gruppe, aus der man früher viele Busfahrer rekrutiert hat – die (ehemaligen) Bundeswehrangestellten. Früher verließen viele Zeitsoldaten und Wehrpflichtige „den Bund“ mit dem Lkw-Führerschein in der Tasche – und verdienten sich Geld als Busfahrer hinzu.

Zur Not setzt sich der Chef selbst hinters Steuer

„Die fehlen schon“, sagt Frank Wuzikowski, für die Busdisposition bei dem Borkener Unternehmen Menchen zuständig. Menchen ist mit mehr als 70 Fahrern eines der größten Bus-Unternehmen der Region. Wer heutzutage seinen Busführerschein selbst bezahle, müsse einen bis zu fünfstelligen Euro-Betrag einrechnen. „Ich kenne kein Unternehmen, das nicht Fahrer sucht“, sagt Wuzikowski.

Gleichwohl sei bei Menchen noch keine Fahrt wegen Fahrermangels ausgefallen. Auch sei man bei dem Unternehmen relativ gut aufgestellt, weil man auf eigentlich schon pensionierte Kräfte zurückgreifen könne. Ohne ältere Fahrer könnten viele Busunternehmen zumachen, sagt der Menchen-Mitarbeiter. Im Übrigen setze er sich selbst auch ans Steuer, wenn die Personallage mal eng wird, sagt Wuzikowski. Das tue sogar der Geschäftsführer des Bus-Unternehmens.

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