CDU Bocholt denkt über Konkurrenz für Johannes Röring nach

mlzBundestagswahl 2021

Nach der Borkener CDU wollen nun auch die Bocholter Christdemokraten eventuell einen eigenen Bundestagskandidaten aufstellen. Stadtverbandschef Lukas Kiatkowski hält das für „nicht ausgeschlossen“.

von Stefan Prinz

Bocholt

, 15.11.2020, 12:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unter den Christdemokraten im Westmünsterland macht sich Unruhe breit. Dazu tragen auch die Bocholter Christdemokraten bei. Der Grund: Weniger als elf Monate vor der Bundestagswahl muss der langjährige Abgeordnete Johannes Röring um seinen Platz in Berlin zittern. Fast zeitgleich zur Ankündigung seiner erneuten Kandidatur vor wenigen Tagen, hatte – wie berichtet – der CDU-Stadtverband Borken bekannt gegeben, dass dieser nicht Röring, sondern die 35-jährige Lehrerin Anne König unterstützen wird.

Jetzt könnten auch die Bocholter Christdemokraten als Unterstützer von Röring ausfallen. Denn die Bocholter diskutieren derzeit parteiintern, einen eigenen Kandidaten für das Berliner Parlament aufzustellen. Das bestätigte Stadtverbandschef Lukas Kiatkowski auf Nachfrage: „Ja. Es ist nicht ausgeschlossen. Wir stehen aber noch ganz am Anfang.“

Diese Ansage könnte für den langjährigen Abgeordneten Röring gefährlich werden. Denn mit ihren rund 630 Parteimitgliedern ist die Bocholter CDU nach Ahaus der zweitstärkste Verband im CDU-Kreisverband Borken und damit bei dem anstehenden Nominierungsparteitag ein mächtiger Stimmfaktor.

Bocholt ist nach Ahaus der größte Stadtverband

Seit 2005 ist Röring Mitglied des Deutschen Bundestages. Seither holte er stets das Direktmandat im Bundestagswahlkreis Borken II. Zuletzt verteidigte er seinen Sitz im Bundestag bei der Wahl 2017 deutlich mit 52 Prozent der Stimmen. Innerhalb des Kreisverbandes wurde bisher keine Kritik an dem 61-jährigen Abgeordneten öffentlich. Dennoch ist Röring nicht unumstritten. Er wurde regelmäßig unter den Bundestagspolitikern mit den höchsten Nebeneinkünften genannt. Dafür musste er oft Kritik einstecken.

Mitgliederstarker Verband ärgert sich über fehlenden Einfluss

Ein eigener Kandidat würde in der Bocholter CDU eine Wunde schließen: Der Stadtverband konnte zwar nach 16 Jahren Peter Nebelo (SPD) mit Thomas Kerkhoff einen Bürgermeister mit CDU-Mitgliedschaft durchsetzen. Aber: Darüber hinaus fehlt es dem mitgliederstarken Verband an Einfluss. Der politische Arm der Bocholter reicht über den Kreistag nicht hinaus. Fünf Bocholter Christdemokraten sitzen im Kreistag – aber niemand sitzt im Landtag, niemand sitzt im Bundestag oder gar im Europaparlament. Die wichtigen Posten in der Politik besetzt im Kreis Borken mit NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst die wesentlich kleinere CDU Rhede –– oder eben Rörings Heimatverband Vreden.

Jetzt lesen

Das wurmt auch eine Reihe von Bocholter Parteimitgliedern. Nach der erfolgreichen Bürgermeisterwahl wollen die Christdemokraten jetzt offensichtlich das Kapitel Bundestagsbewerber angehen. Die CDU Bocholt hat allerdings ein Problem: Es ist derzeit schlichtweg niemand in Sicht, der Röring herausfordern könnte.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt