Dutzende Angreifer überfallen Imbissbude in Klein Reken

mlzErmittlungen laufen

Dutzende Angreifer haben am Sonntag einen Imbiss in Klein Reken verwüstet. Ein 53-Jähriger erlitt eine Kopfverletzung. Die Hintergründe der Tat seien unklar, so die Staatsanwaltschaft.

von Tim Schulze

Klein Reken

, 11.08.2020, 15:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Stuhl hängt im Rahmen eines zerstörten Fensters. Vor dem Haus Scherben und ein völlig demolierter Wagen. Auf dem Gehweg liegt ein Tisch. Die Fotos, die nach einem Angriff auf das Grillstübchen an der Dorfstraße in Klein Reken entstanden sind, zeigen Spuren der Verwüstung.

Was sich am Sonntagabend im Dorfkern zugetragen hat, beschreiben Staatsanwaltschaft und Polizei in einer gemeinsamen Pressemitteilung, die am Montag veröffentlicht wurde. Demnach soll ein unbekannter Mann bereits gegen 19 Uhr den Imbiss betreten und von einem 26-jährigen Angestellten Geld gefordert haben.

Maskierte Angreifer

Gute zwei Stunden später sollen mehrere Fahrzeuge dort vorgefahren und knapp vier Dutzend Personen ausgestiegen sein. Die teils maskierten Männer sollen das Gebäude sowie das Inventar mit Schlagwerkzeugen und ausgehobenen Gullydeckeln beschädigt haben. Bei einer wechselseitigen Auseinandersetzung sollen sie einen 53-jährigen Familienangehörigen des 21-jährigen türkischen Imbiss-Betreibers verletzt haben. Der Mann kam mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus. Er schwebe nicht in Lebensgefahr.

Weiter heißt es, die Täter sollen „ihren Forderungen mit der Abgabe von Schüssen aus Schreckschusswaffen Nachdruck verliehen“ haben.

Jetzt lesen

Nach der Auseinandersetzung seien Täter, Zeugen und Geschädigte geflüchtet, schreiben Staatsanwaltschaft und Polizei. Drei Tatverdächtige haben die Beamten festgenommen. Eine Sprecherin der Polizei Münster berichtet auf Nachfrage, dass einer der Festgenommenen in einem Auto im Bereich Coesfeld aufgegriffen wurde. Zwei weitere Verdächtige hätten sich in Duisburg der Polizei gestellt. Bei den Männern handelt es sich um zwei russische und einen deutschen Staatsangehörigen. Ferner hat die Polizei bei der Fahndung Zeugen und Geschädigte in einem Auto angetroffen. Wo genau, sagt die Sprecherin nicht.

Patronenhülsen gefunden

Vor dem Imbiss hat die Polizei einen stark beschädigten BMW mit Duisburger Kennzeichen sowie Patronenhülsen, die wohl aus einer Schreckschusswaffe abgefeuert wurden, sichergestellt. Der beschädigte BMW sei „wahrscheinlich“ den Tätern zuzuordnen, so die Sprecherin.

„Die Hintergründe der Tat sind unklar“, wird Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt in der Pressemitteilung zitiert. Ob die geforderte Geldzahlung im Zusammenhang mit dem Betrieb des Imbisses steht, sei Gegenstand der Ermittlungen. Diese leitet das Polizeipräsidium Münster. Die Sprecherin kündigt an, dass man jetzt Beteiligte vernehme. Zur Höhe des Sachschadens macht sie noch keine Angaben, sagt aber, dass dieser wohl „immens“ sei.

Thema Nummer eins

In der Nacht auf Montag wurde vor dem Haus gründlich gefegt. Deshalb sind am Montagmorgen kaum noch Spuren zu erkennen von dem Angriff auf das Grillstübchen. Die Rollladen des Lokals sind heruntergelassen, verdecken die zerstörten Fensterscheiben.

Bei den Gesprächen im Dorfkern ist der Angriff Thema Nummer eins. Eine Frau spricht von einem mutmaßlichen Denkzettel, den die Angreifer dem Imbiss-Betreiber vielleicht verpassen wollten. Ein Mann, der sich auf Angaben von Augenzeugen beruft, sagt, die Täter hätten vor der Flucht angekündigt, wieder zu kommen. Von versuchter Schutzgelderpressung ist die Rede.

„persönlich schockiert“

Der Vermieter des Imbiss-Gebäudes sagt auf Nachfrage, dass der Angriff direkt dem Lokal gegolten habe. Der Vorfall habe ihn „persönlich schockiert“. Er sei – gemessen an den Geschehnissen – froh, dass nicht noch Schlimmeres passiert ist.

Bürgermeister Manuel Deitert hatte sich am Sonntagabend ein Bild von der Lage vor Ort gemacht. Er stehe seitdem im ständigen Austausch mit Nachbarn und Polizei, teilt Deitert mit. Er betont, dass Gerüchte im Dorf die Runde machten, die nicht zutreffend seien. „Ich sehe für die Bevölkerung keine Gefahr und bitte darum, die Polizei ihre Arbeit machen zu lassen“, so der Verwaltungschef.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt