Extreme Nachfrage nach Schutzmasken bei Klever Grossisten

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Der Klever Großhändler Reuschenbach erlebt wegen der Corona-Krise derzeit bei Masken und Desinfektionsmitteln eine extreme Nachfrage. Doch viele Lieferketten sind abgerissen.

von Niklas Preuten

Kleve

, 30.03.2020, 19:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine extreme Nachfrage erlebt der Klever Großhändler Reuschenbach aktuell bei Masken und Desinfektionsmitteln. Das Problem: Viele Lieferketten sind abgerissen. „Das Ende der Fahnenstange“ sei erreicht, sagt der Prokurist.

Ende Januar wird bekannt, dass sich im bayerischen Landkreis Starnberg bundesweit erstmals ein Mensch mit dem Coronavirus infiziert. Diese Neuigkeit lässt zwar aufhorchen, dominiert aber nicht die Nachrichtenlage. Das neuartige Virus scheint vor allem ein chinesisches Problem zu sein.

Erste Großbestellungen im Januar

In dieser Zeit stutzt Albert Dominick, Prokurist des Klever Großhändlers Reuschenbach, als er die eingegangenen Bestellungen überprüft: Am 28. Januar ordert eine Klinik aus Bonn Tausende Atemschutzmasken. Drei Tage später bekommt Dominick eine zweite ähnliche Großbestellung zu Gesicht. „Da habe ich gemerkt, dass offenbar Vorbereitungen getroffen werden“, sagt Dominick heute, zwei Monate später.

In dem mittelständischen Unternehmen, dem plötzlich eine wichtige Rolle bei der Versorgung des Gesundheitssystems zugefallen ist, hat die Ausbreitung des Coronavirus die Arbeit vollständig verändert.

Warnschutzjacken über Straßenbesen bis zur Textilveredelung

Reuschenbach ist eigentlich kein spezialisierter Medizin-Großhandel, sondern setzt auf ein breites Sortiment: Von Warnschutzjacken über Straßenbesen bis zur Textilveredelung mit eigener Stickerei handelt das Unternehmen mit unzähligen Produkten aus den Bereichen Arbeitsschutz, Berufsbekleidung, Industriebedarf und Werkzeugen.

Zu den Kunden gehören große Lebensmittelbetriebe ebenso wie öffentliche Verwaltungen, Landschaftsverbände, wichtige Industriearbeitgeber aus der Region und Werkstätten für Menschen mit Behinderung.

Unternehmen verzeichnet extreme Nachfrage nach Masken

Für die allermeisten Produktgruppen, die normalerweise einen Teil des Geschäfts ausmachen, gibt es jedoch keinerlei Bestellungen mehr. Dafür ziele nahezu jeder Auftrag auf den Desinfektions- und Hygienebereich ab, berichtet Albert Dominick. „Wir erleben eine extremst erhöhte Nachfrage.“ Immer wieder klingeln auch Ärzte und Apotheker bei dem Händler durch.

Desinfektionsmittel, Einwegkleidung, Handschuhe, OP-Kleidung, Flüssigseifen: Alles wurde Dominick und den 16 Mitarbeitern in den vergangenen Wochen buchstäblich aus den Händen gerissen. „Nach den ersten Großbestellungen hatten wir viel Ware vorgeordert“, erklärt der Prokurist. Reuschenbach selbst importiert nur aus den europäischen Nachbarstaaten und arbeitet sonst mit langjährigen Partnern zusammen, die vor Ort für den Klever Betrieb Ware importieren.

Dabei zusehen, wie die Lieferketten abreißen

Je stärker sich das Coronavirus in den vergangenen Wochen ausbreitete, desto schwieriger wurde es allerdings auch für den Großhändler, die nachgefragten Produkte aus Deutschland und dem Ausland zu bekommen. Vor gut drei Wochen erreichte etwa die vorerst letzte Ware aus dem vom Virus gebeutelten Italien die Handelsprofis am Niederrhein. Dabei mussten sie zusehen, wie die Lieferketten abrissen.

„Jetzt ist das Ende der Fahnenstange erreicht“, sagt Dominick. „Wir kriegen nirgendwo mehr etwas. Die Importeure und Hersteller kommen nicht mehr nach und haben ihre Telefonanlagen abgestellt.“ Wenn überraschend doch wieder ein wenig Ware auf dem Markt auftaucht, ist sie teilweise um fast 70 Prozent teurer als zuvor – oder lässt lange auf sich warten, wie etwa das bestellte Handtuchpapier, das nun in zweieinhalb Wochen in Kleve eintreffen soll.

Rücklage für die kommenden Krisenmonate bilden

„Wir arbeiten jetzt die offenen Aufträge ab“, berichtet Dominick. „Für die nächsten Wochen gibt uns das Arbeit.“ Und dann? „Hoffe ich, dass wir wieder etwas Ware erhalten.“ Was das Unternehmen jetzt durch die riesige Nachfrage nach Produkten für den Gesundheitsbereich zusätzlich verdiene, müsse die Rücklage für die kommenden Krisenmonate bilden, stellt der Prokurist fest. Er fügt an: „Wir wissen nicht, was in drei, vier Wochen ist.“

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