Kurzarbeit: Textilunternehmen Bierbaum und Wülfing warten noch ab

mlzCoronavirus

Bei den beiden Borkener Textilunternehmen Bierbaum und Wülfing ist Kurzarbeit vor dem Hintergrund der Corona-Krise bislang erst bedingt ein Thema.

von Peter Berger

Borken

, 27.03.2020, 15:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beide Firmen äußern sich auf Anfrage der Borkener Zeitung aber skeptisch über die weitere Entwicklung. Geschäftsführer Dr. Frank Bierbaum erklärt: „Wir werden in einem geringen Umfang Kurzarbeit anmelden müssen für die Abteilungen, die für die geschlossenen Geschäfte arbeiten. Wir können nicht ausschließen, durch Unterbrechungen in größerem Umfang Kurzarbeit anmelden zu müssen.“ Bislang könne man nur an die nach wie vor geöffneten Discounter liefern.

Lieferketten funktionieren noch

Die wie Bierbaum vor allem auf Bettwäsche spezialisierte Firma Wülfing teilte am Donnerstag mit, dass man bislang weder für den Stammsitz in Borken noch den Standort Steinfurt Kurzarbeit angemeldet habe. Die Produktionsabteilungen seien sehr stark beschäftigt, so dass man sich keinen Ausfall leisten könne.

„Zurzeit bauen wir dort, wo möglich, Überstunden ab und bitten die Mitarbeiter, soviel Urlaub wie möglich abzubauen, um hoffentlich beim Bedarf ab Sommer voll funktionsfähig zu sein.“ Es sei aber nicht sicher, „wie lange wir das für das gesamte Unternehmen aufrecht erhalten können“, so die Wülfing-Geschäftsführer Johannes Dowe und Josef Kölker.

Aktuell würden die Lieferketten noch funktionieren. Als sich abzeichnete, dass es zu Versorgungs- oder Logistikproblemen kommen könnte, habe man sich sehr stark mit Garnen und Hilfsmitteln wie Farbstoffen bevorratet. „Damit sind wir bis weit ins zweite Halbjahr abgesichert.

Bei einigen Spezialgarnen können sich durch Werksschließungen in Italien oder Spanien Verzögerungen ergeben. Daher haben wir Aufträge gesplittet zur Risikominimierung“, teilt das Unternehmen mit.

Planungssicherheit

Die Belieferung beispielsweise der Fach- und Möbelgeschäfte ist laut Wülfing völlig zum Erliegen gekommen. Das Geschäft mit den noch immer geöffneten Discountern laufe aber.

„Dort liefern wir nach wie vor Aktionsware aus und haben durch Zusagen für die Herbstaktionen für einen Großteil der Produktion Planungssicherheit bis weit ins Jahr hinein. Onlinehandel und Versandhandel laufen ebenfalls, genauso wie der Absatz von Afrika-Damast. Wir hoffen, dass es bei größeren Aufträgen nicht noch zu Stornierungen kommt“, fassen Dowe und Kölker in ihrer gemeinsamen Stellungnahme die Lage zusammen.

Auch Dr. Frank Bierbaum berichtet von derzeit noch funktionierenden Lieferketten. „Wir arbeiten aus Sicherheitsgründen schon vor der Krise mit ordentlichen Beständen. Shutdowns von Zulieferfirmen in einer Größenordnung von zwei Wochen können wir abfedern.“

Darüber hinaus werde es schwierig. Einige Länder, aus denen man Rohstoffe beziehe, hätten bereits einen solchen Stillstand. Beispiele seien Pakistan und Indien.

„Wir können unsere Produktion nicht umstellen“

Die Umstellung der Produktion etwa auf Schutzmasken oder -anzüge ist weder bei Wülfing noch bei Bierbaum ein Thema: „Schutzanzüge und Masken sind sehr wichtige Produkte, die zu Recht hohe Qualitätsanforderungen und Zertifizierungen erfüllen müssen. Wir können unsere Produktion nicht umstellen“, erklärt Bierbaum.

Wülfing hat in seinem Zweigwerk in Tschechien Schutzmasken genäht, die man lokal gespendet habe. „Für uns ist das kein Geschäftsmodell“, heißt es auch bei Wülfing.

Bierbaum denkt an die Bewältigung der Corona-Krise: „Wir sind breit aufgestellt, gesund finanziert und gut positioniert, um die gestellten Herausforderungen zusammen mit unseren Mitarbeitern zu meistern.“

Auch Dowe und Kölker blicken auf die Belegschaft: „Ihr Einsatz unter diesen erschwerten Bedingungen ist vorbildlich.“ Man spiele „alle erdenklichen Szenarien durch“ und hoffe, auf alle Antworten zu finden, die das Unternehmen und die Arbeitsplätze sichern. „Dabei ist vorsichtiger Optimismus hilfreich und angebracht“, so die Wülfing-Geschäftsführer.

Lesen Sie jetzt