Luftbetankungen: Riskante Flugmanöver über Geldern

mlzKampfflugzeuge

Normalerweise gehört der Luftraum über Geldern großen Passagierflugzeugen, die leise und gemächlich am Himmel ziehen. An manchen Tagen jedoch liegt lang gezogenes Donnergrollen in der Luft. Unüberhörbar kündigt es hochmoderne Kampfjets an.

von Christoph Wegener

Geldern

, 16.10.2020, 18:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch vergangene Woche flogen in den Abendstunden Kampfflugzeuge über den Niederrhein. Diesmal waren es sechs belgische F-16- Maschinen, die ein Großraum-Tankflugzeug der US-Armee begleiteten. Der Grund für den internationalen Besuch war ein anspruchsvolles und nicht ungefährliches Manöver.

Luftbetankung in 8850 Metern Höhe

In 8850 Metern Höhe übten die Flugzeuge knapp zwei Stunden lang eine Luftbetankung. Das 50 Tonnen schwere Tankflugzeug war dafür von einer britischen Militärbasis gestartet und über 650 Kilometer bis nach Geldern geflogen.

Internationale Übungen dieser Art spielen sich immer wieder hoch über den Dächern der Stadt ab, weil das Luft-Luft-Betankungsoval „JOJO“ genau über dem Niederrhein liegt. „Es gibt insgesamt 13 Luftbetankungsstrecken, die über das gesamte Luftgebiet der Bundesrepublik Deutschland verteilt sind“, erklärt Kai Stobbe, Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr. „Eine davon verläuft über Geldern.“

Das Manöver in luftigen Höhen muss regelmäßig geübt werden, denn es verlangt den beteiligten Piloten viel Fingerspitzengefühl, Konzentrationsfähigkeit und Teamgeist ab. Alles muss ineinandergreifen, damit der etwa fünfminütige Betankungsvorgang reibungslos verläuft.

„Natürlich fliegt immer ein gewisses Risiko mit“

„Natürlich fliegt immer ein gewisses Risiko mit, wenn man mit 500 bis 600 Kilometern pro Stunde einen Jet in der Luft betankt“, sagt der Pilot eines A400M-Transportflugzeugs der Luftwaffe, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er und sein Co-Pilot müssen ihre Maschine auf Kurs halten, damit die Jets vorsichtig an den Korb des Tankschlauchs andocken können. Zum anderen müssen sie das Manöver koordinieren.

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Der Luftwaffen-Pilot erklärt: „Die größte Schwierigkeit besteht darin, den Überblick zu behalten. Der Pilot, der für das Betanken zuständig ist, ist auch gleichzeitig für alle Jets in der näheren Umgebung verantwortlich.“ Während einer Betankung könnten sich sechs oder auch mehr Jets in der Nähe des Tankers aufhalten. Der transportiert bis zu 40 Tonnen Kerosin und betankt bei einem Flug in mehreren Gebieten bis zu 20 Jets.

Durch „Luft-zu-Luft-Betankung“ vergrößerten sich deren Reichweite und Einsatzradius „erheblich“, erklärt Kai Stobbe.

Bei solchen Übungen ist der Luftraum für Zivilmaschinen gesperrt, den Betrieb am Flughafen Weeze schränken sie aber nicht ein. Dafür sorgt die Deutsche Flugsicherung (DFS), die in der Welt der Luftfahrt eine ungewöhnliche Rolle einnimmt: „In anderen Ländern ist die Überwachung der militärischen und zivilen Luftfahrt klar getrennt. Wir kümmern uns in Friedenszeiten um beides“, berichtet Kristina Kelek von der Pressestelle der DFS. „Das ermöglicht eine schnelle und flexible Abstimmung bei der Nutzung des Luftraums.“

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