Mammut-Milchzahn in Sandgrube in Lette entdeckt

Fund in Coesfeld

In einer Sandgrube in Lette sind prähistorische Funde zutage getreten, die einen Hauch von „Ice Age“ versprühen. Grottenlöwen, Mammuts und Neandertaler haben in Lette gelebt.

Coesfeld-Lette

von Florian Schütte

, 29.08.2019, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mammut-Milchzahn in Sandgrube in Lette entdeckt

LWL-Museum für Naturkunde Mammut-Milchzahn neu © Christoph Steinweg

In einer Sandgrube in Lette an der Grenze zu Flamschen sind erstaunliche Funde zutage getreten. „Lette war damals schon interessant“, sagt Gerold Wilken, Vorsitzender des Heimatvereins Lette, und lacht. Die Funde belegen, dass prähistorische Säugetiere wie Grottenlöwen und Mammuts, ja sogar Neandertaler in Lette gelebt haben.

Die für die Wissenschaft wichtigen und seltenen Funde sind ab Dienstag (3. 9.), 19 Uhr im Heimatmuseum als Leihgabe ausgestellt. Dick Schlüter aus Enschede hat 20 Jahre gesammelt und ist froh, die Funde jetzt endlich präsentieren zu können. „Für mich ist es auch ein kleines Jubiläum und für die Wissenschaft so wichtige Funde gehören nicht in meine private Vitrine“, sagt der Historiker und Hobby-Archäologe, der zusammen mit dem Paläontologen Dr. Achim Schwermann vom LWL-Museum für Naturkunde die Artefakte und Knochenfunde aus dieser Zeit vorstellen wird.

Die Knochen und Artefakte sind bei der Quarzsandgewinnung des Unternehmens Tecklenborg nach Grabungen in mindestens zwölf Metern Tiefe an die Oberfläche gelangt und im Auswurf der Siebanlage gelandet – so wie der Milchstoßzahn eines Mammuts, von dem im Heimathaus als einziges nur eine Replik gezeigt wird.

Der erste Milchstoßzahn, der jemals in Westfalen gefunden wurde

Und das hat einen besonderen Grund. „Es war der erste Milchstoßzahn, der jemals in Westfalen gefunden wurde, und ist so selten, dass das Original im LWL-Museum in Münster verbleibt“, erläutert Schlüter. Der Abguss sei jedoch vom Original nicht zu unterscheiden. Alle andere Fundstücke, die im Heimathaus in Lette ausgestellt werden, seien jedoch ausnahmslos echt. Dabei handelt es sich um Knochen von Mammuts, Hyänen, Wollhaarnashörnern, Rentieren oder auch Grottenlöwen aus dem Eiszeitalter.

Erstaunliche Spuren von Neandertalern

Erstaunlich seien vor allem aber die Spuren des Neandertalers, die Schlüter nachgewiesen hat, was die rund 6000 Artefakte, darunter verschiedenste Werkzeuge wie Faustkeile oder Schaber, belegen. „Dabei handelt es sich um die ältesten kulturhistorischen Funde im Kreis Coesfeld“, sagt Schlüter. Mindestens 40.000 Jahre seien sie alt. „Denn zu dieser Zeit ist der Neandertaler ausgestorben“, begründet Schlüter seine Datierung. „Vermutlich sind sind sie sogar zwischen 50.000 und 60.000 Jahre alt. Ganz genau kann man das jetzt noch nicht sagen, weil die Sandschichten durcheinandergehen“, führt der Experte weiter aus. „Das wird in Zukunft aber sicherlich noch näher untersucht werden.“

Auswahl der Funde bekommt der Heimatverein Lette als Leihgabe

Zwar seien Funde dieser Art auch in anderen Sandgruben schon gemacht worden, „doch die Anzahl der Neandertaler-Artefakte macht die Fundstelle bei Lette ganz besonders“, schwärmt Schlüter. „Stellen dieser Art gibt es nur ganz wenige in Norddeutschland.“ Eine Auswahl dieser Funde stellt Schlüter dem Heimatverein Lette ebenfalls als Leihgabe zur Verfügung. Nach der Präsentation ist es für die Besucher möglich, sich die Artefakte in den Vitrinen anzuschauen.

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