Mehr Psychotherapeuten für den Kreis Borken

mlzPsychotherapeuten im Kreis Borken

Wer im Kreis Borken bislang bei einem Psychotherapeuten Hilfe finden wollte, musste lange warten. Das soll anders werden. Eine Neuregelung könnte Engpässe beheben und Wartezeiten verkürzen.

von Josef Barnekamp

Kreis Borken

, 11.12.2019, 11:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer im Kreis Borken bislang bei einem Psychotherapeuten Hilfe finden wollte, weil er verzweifelt, depressiv oder anderweitig seelisch in Not war, der musste sich oft auf lange Wartezeiten einstellen. „Unter einem halben Jahr ist da oft nichts zu machen“, sagt Annette Scherwinski, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit des Kreises Borken. Das soll sich jetzt ändern – zum Vorteil all jener, die bislang bei den rund 80 Psychotherapeuten der Region Schlange standen.

Jetzt lesen

Wie Scherwinski im jüngsten Ausschuss für Arbeit, Soziales und Gesundheit mitteilte, könnten sich voraussichtlich rund ein Dutzend zusätzlicher Psychotherapeuten im Kreis Borken niederlassen. Möglich geworden ist das durch eine komplette Überarbeitung der fachärztlichen Bedarfsplanung durch den zuständigen Bundesausschuss. Dieser teilt die Kreise und Städten bestimmten Versorgungszonen zu, die entsprechende Obergrenzen für Fachärzte mit sich bringen.

Für den Kreis Borken bedeutet die Einordnung in die Versorgungszone 5 („Eigenversorgung“), dass sich mehr Ärzte bestimmter Fachrichtungen pro 1000 Einwohner niederlassen dürfen als bisher. Bislang gehörte die Region zur Versorgungszone 4. Das bedeutete, dass der Kreis von anderen Kreisen und Städten mitversorgt wurde. Im Falle der Psychotherapeuten bedeutet die Neueinordnung ein Plus von zwölf Sitzen. Aber auch die Zahl der dem Kreis Borken zustehenden Kinderarztsitze (plus 3,5) und Nervenärzte (plus 0,5) steigt durch die Neubewertung.

Hinzu kommt, dass der Bundesausschuss die Verhältniszahlen Patienten pro Arzt deutlich nach unten korrigiert hat, was die Neu-Zulassung bestimmter Fachärzte möglich macht.

„Wir begrüßen das ausdrücklich“

„Wir begrüßen das ausdrücklich“, sagt Annette Scherwinski zu der Neuregelung. Die Leiterin des Fachbereichs Gesundheit ist auch zuversichtlich, dass sich Psychotherapeuten finden, die die Stellen besetzen. „Es gibt durchaus Interessenten.“

Auch ihre Kollegin Reinhild Wantia, zuständig für den Sozialpsychiatrischen Dienst des Kreises Borken, setzt darauf, dass die Wartelisten kürzer werden. Ihren Angaben zufolge wurden allein durch das Angebot des sozialpsychiatrischen Dienstes im Vorjahr rund 2770 Personen betreut. Zudem kümmerten sich die Sucht- und Drogenberatungsstellen um weitere 1500 Männer und Frauen.

„Damit haben 4300 Personen aktiv Hilfe bei uns gefunden“, so Wantia. Wie viele Personen letztlich zudem noch Hilfe bei Psychotherapeuten gefunden haben, darüber gibt es keine Statistiken.

Glaubt man allgemeinen Statistiken, dann dürfte die Zahl der möglichen Patienten deutlich höher liegen. Schließlich gehen Fachleute davon aus, dass jedes Jahr 27,8 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland von einer psychischen Erkrankung betroffen ist. Das wären rund 100.000 Menschen kreisweit.

Zulassung für Ärzte – die Voraussetzungen

Während man sich als Bäcker oder Klempner eigentlich überall niederlassen kann, wo man möchte, ist die Zahl der (Fach)-Ärzte pro Region gesetzlich geregelt.

Jetzt lesen

So muss man für eine Niederlassung zum einen fachliche Vorausstezungen mitbringen (ärztliche Approbation, abgeschlossene Facharztausbildung). Zum anderen muss man sich aber auch an die Bedarfsplanung halten: Um Überversorgung in Ballungsgebieten zu vermeiden, gibt es eine Obergrenze von Ärzten einzelner Fachrichtungen pro Einwohnerzahl.

So sind oft attraktive Großstädte (etwa Münster) für bestimmte Fachrichtungen gesperrt. Wer sich niederlassen will, muss in ein anderes Gebiet ausweichen.

Lesen Sie jetzt