Motte des Eichenprozessionsspinners oft schon tot – Brennhaare bleiben

Eichenprozessionsspinner

Sie hängen an den Bäumen wie von Spinnenweben überzogene Lumpensäcke. Die Nester des Eichenprozessionsspinners sind verlassen. Aber: die Härchen können noch Monate durch die Luft schwirren.

Coesfeld

von Florian Schütte

, 21.08.2019, 10:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Motte des Eichenprozessionsspinners oft schon tot – Brennhaare bleiben

Der Eichenprozessionsspinner lebt als Falter - hier ein Männchen nach der Metamorphose nur wenige Tage - Zeit genug jedoch für die Weibchen die Eier fürs nächste Jahr in den Bäumen abzulegen. © Nabu Coesfeld

„Die Härchen können noch Monate, je nach Witterung sogar mehrere Jahre durch die Luft schwirren“, sagt Christoph Steinhoff von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Coesfeld. Sie hängen an den Bäumen wie von Spinnenweben überzogene Lumpensäcke.

Dass die Nester des Eichenprozessionsspinners nun zumeist verlassen sind, ist jedoch kein Grund zur Entwarnung. „Die Härchen können noch Monate, je nach Witterung sogar mehrere Jahre durch die Luft schwirren“, sagt Christoph Steinhoff von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Coesfeld.

5400 Eichen hat die Stadt Coesfeld in ihrem Baumkataster. „Wir gehen davon aus, dass in diesem Jahr jede zweite Eiche befallen ist“, informiert Andrea Zirkel, Pressesprecherin der Stadt. Der Baumkontrolleur Franz-Josef Bertling habe bislang circa 200 Nester entfernt. „Im vergangenen Jahr waren es rund 150 Nester“, zieht Zirkel einen Vergleich.

„Wir entfernen die Nester nur an Kinderspielplätzen, Schulen und Kindergärten und an besonders stark frequentierten Standorten im öffentlichen Raum, wenn sich die Nester in greifbarer Höhe befinden“, sagt Zirkel. Im Großen und Ganzen habe der Befall in den vergangenen Jahren zugenommen.

Die Kosten für die Entfernung der Nester seien bei der Stadt nicht separat nachgehalten worden. Pro Nest falle jedoch ein Arbeitsaufwand von etwa zehn Minuten (plus Anfahrt und Vorbereitung) an. Die Nester werden per Brenner abgeflämmt, nachdem sie zuvor verklebt wurden, damit keine Härchen verwirbeln.

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Aus biologischer Sicht ließe sich der Lebenszyklus auf den ersten Blick so zusammenfassen: Außer Spesen nichts gewesen. Denn die Motte ist in vielen Fällen mittlerweile schon tot. „Der einzige Daseinszweck ist die Reproduktion“, erklärt Christoph Steinhoff.

Während die Raupe nach dem Schlüpfen zwischen April und Anfang Mai rund drei Monate braucht, um sich zu verpuppen, lebt der Falter anschließend nur wenige Tage – jedoch Zeit genug für die Ablage der Eier in den Kronen der Eichen, wo sie den Winter überdauern. „Die Jungraupe kann im Ei sogar tiefe Wintertemperaturen bis minus 29 Grad Celsius überstehen“, weiß Dr. Detlev Kröger, Vorsitzender des Naturschutzbunds (Nabu) Kreisverband Coesfeld.

Erwärmung und gute Lebensbedingungen

Dass der Eichenprozessionsspinner sich dieses Jahr so stark ausbreiten konnte, liegt laut Kröger an mehreren Faktoren. „Wir hatten eine starke Erwärmung, die zu guten Lebensbedingungen geführt hat“, sagt der Naturschutz-Experte. „Außerdem haben wir das Insektensterben als ständiges Hintergrundrauschen und damit verbunden auch ein Vogelsterben“, erläutert Kröger. Von den Vögeln trauen sich nur wenige Arten wie der Kuckuck und der Pirol an die Raupen.

„Diese Vögel sind allerdings durch Lebensraumverlust bei uns kaum noch anzutreffen“, sagt Kröger. Auch Meisen können helfen, den Bestand der Raupen zu dezimieren, jedoch nur solange die Brennhaare noch nicht vollständig ausgebildet sind.

Präventiv ansetzen

Hier will die Untere Naturschutzbehörde nach guten Erfahrungen in den Niederlanden präventiv ansetzen. „Wir müssen an einer möglichst hohen Artenvielfalt arbeiten, um die natürlichen Fressfeinde zu stärken“, sagt Christoph Steinhoff. Dazu könne jeder beitragen: durch das Aufhängen von Meisen- oder auch Fledermauskästen. Denn letztere seien die Fressfeinde der Falter.

Das steigende Nahrungsangebot durch die Raupen sorge irgendwann auch für eine größere Population der Räuber. „Das ist ein ständiges Auf und Ab. Wahrscheinlich wird die Population des Eichenprozessionsspinners aber in den nächsten Jahren erst einmal nicht weniger wegen der vielen Falter in diesem Jahr“, prognostiziert Steinhoff.

Und die Eichen? „Einen ein- oder zweijährigen Befall verkraften die Bäume. Bei einem mehrjährigen wird es irgendwann kritisch – vor allem, wenn dann noch die Trockenheit dazukommt“, sagt Christoph Steinhoff.

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