Paul Martin (80) beansprucht die ehemalige Synagoge in Epe für sich

mlzWeltenbummler in Epe

Bis vor wenigen Tagen wusste Paul Martin nicht einmal, dass es in Epe eine ehemalige Synagoge gibt. Jetzt kennt der ehemalige Weltenbummler das Haus –und beansprucht es für sich.

von Bernd Schäfer

Epe

, 02.11.2020, 13:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 80-jährige Weltenbummler Paul Martin stammt nach eigenen Angaben aus Wales, habe jüdische Vorfahren (sein Vater sei ein im Krieg aus Rumänien geflohener Rabbiner), wuchs in Australien auf und lebte bis vor wenigen Wochen in Hongkong, wo er als freiberuflicher Korrespondent für Zeitungen und TV-Sender tätig war.

Weil ihm dort die Lage zu unsicher wurde, reiste er gemeinsam mit seinem Sohn zunächst in die Niederlande und dann weiter nach Gronau, wo die beiden zurzeit in einem Wohnmobil leben.

„Ich bin der einzige Jude hier, ich habe ein Recht auf das Haus“

„Ich bin Jude, ich habe keinen Wohnsitz. Aber ein großer Teil der Stadt gehört meinen Leuten“, sagt er. Von der Existenz des Hauses am Dakelsberg erfuhr Martin, als er im Rathaus einen Gronauer Wohnsitz anmelden wollte. Das ist ohne feste Adresse nicht möglich, also erhob er einfach Anspruch auf die ehemalige Synagoge und wollte deren Anschrift als Meldeadresse eintragen lassen – natürlich ohne Erfolg.

„Ich bin der einzige Jude hier, niemand würde bestreiten, dass ich ein ethisches und moralisches Recht auf das Haus habe. Ich kann legal sagen: Das ist meine Anschrift“, meint er selbstbewusst. Sogar Pläne, was mit dem Haus, in das er auch selbst einziehen will, weiter geschehen soll, hat er schon: Es soll eine Art Begegnungszentrum für Juden aus der Umgebung und ein Ort der Erinnerung an die Verbrechen der Nazi-Herrschaft werden.

Paul Martin wischt Projekte des Förderkreises beiseite

Dass es mit dem Förderkreis Alte Synagoge Epe eine Gruppe gibt, die etwas ähnliches vorhat und mit ihren Plänen schon ein ganzes Stück weit fortgeschritten ist, stört ihn dabei nicht. „Drei katholische Lehrer können das nicht richtig machen“, wischt er das bisher vom Förderkreis erreichte beiseite – ohne sich überhaupt mit deren Ideen beschäftigt zu haben. „Die Stadt soll mir das Haus geben. Die Juden von damals würden das auch wollen“, ist er überzeugt.

Obwohl er zugibt, kein strenggläubiger Anhänger des jüdischen Glaubens zu sein, fühlt er sich berufen, in und rund um Gronau eine jüdische Gemeinde zu reaktivieren.

Suche nach einem Rechtsanwalt

Momentan sei er auf der Suche nach einem Rechtsanwalt, der ihm dabei hilft, seinen Anspruch durchzusetzen. „Wenn ich einen finde, will ich das gerichtlich klären. Welcher Jude hat das jemals in einer deutschen Stadt gemacht? Das kann nur jemand tun, der so verrückt ist wie ich.“

Ob er wirklich damit rechnet, Erfolg zu haben und eines Tages in das Haus einziehen zu können, lässt er offen.

Aktion soll auch eine Provokation sein

Hin und wieder scheint es, als wisse er genau, dass seine Aktion eher eine symbolische ist. „Ich will die Stadt herausfordern. Es soll auch eine Provokation sein um zu sehen, wie die Leute reagieren.“

Egal, wie die Sache ausgeht – in Deutschland wollen Martin und sein Sohn erst einmal bleiben. „In den USA, Australien und England gibt es mehr Antisemitismus als in Deutschland. Wir fühlen uns hier sicherer als in irgendeinem anderen Land.“

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