Immer mehr Einsätze wegen Lappalien

mlzRettungsdienst

Sobald der Notruf kommt, tickt die Uhr. Nur zwei Minuten dürfen vergehen, bis die Rettungskräfte im Einsatzwagen sitzen und auf dem Weg zum Patienten sind - immer öfter für Lapalien.

von Jessica Demmer

Coesfeld

, 15.07.2019, 00:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon während die Mitarbeiter vom DRK sich anziehen und zum Wagen laufen, hat die Kreisleitstelle ihnen die Adresse des Einsatzortes aufs Navi geschickt. Es kann sofort losgehen. „Der Notarzt wird alarmiert, parallel wird der Rettungswagen losgeschickt“, beschreibt DRK-Rettungsdienstleiter Michael Hofmann die Abläufe.

„Letzterer ist eine rollende Intensivstation. Wenn Atmung, Kreislauf oder Bewusstsein bedroht sind, können wir in dem Fahrzeug alles Nötige in die Wege leiten, um den Patienten bis zur Aufnahme im Krankenhaus zu versorgen.“

4200 Einsätze 2018

Fast 4200 Mal waren die beiden RTWs in Coesfeld 2018 im Einsatz. „Allerdings nicht nur wegen lebensbedrohlicher Situationen“, so Hofmann. „Viele rufen den Rettungswagen auch wegen Lappalien. Manche, weil sie es einfach nicht besser wissen, andere, weil sie keine Lust haben, im Krankenhaus in der Notaufnahme lange zu warten.“

Ein echtes Dilemma. „Im Zweifel sollte auf jeden Fall immer der Rettungsdienst alarmiert werden, keine Frage, aber eine Grippe gehört nicht zwingend dazu“, versucht Hofmann vorsichtig zu sensibilisieren. Denn: „Wenn wir vor Ort bei den Patienten auch mal anmerken, dass eine Alarmierung jetzt nicht unbedingt hätte sein müssen, stoßen wir oft auf Unverständnis. Das Anspruchsdenken ist bei manchen doch schon sehr hoch.“

Deshalb sei Fingerspitzengefühl gefragt. „Solche Einsätze blockieren Kapazitäten für wirklich lebensbedrohliche Situationen.“ Insgesamt, so Hofmann, seien die Einsätze, bei denen es nicht um Leben und Tod ging, in den letzten fünf bis zehn Jahren enorm gestiegen.

Wann ruft man denn nun den Rettungswagen? Und wann den ärztlichen Notdienst unter 116 117? „Der Rettungsdienst ist wirklich dafür da, wenn Atmung, Kreislauf und/oder Bewusstsein bedroht sind, zum Beispiel bei einem schweren Asthmaanfall, starker Blutung oder Unterzuckerung, sowie bei wirklich starken Schmerzen oder auch infektiösen Krankheiten“, so Hofmann.

Oft könnte der Hausarzt helfen

Alles andere ließe sich meist über den Hausarzt, und wenn dieser nicht zu erreichen sei, zum Beispiel abends oder an den Wochenenden, über den ärztlichen Notdienst unter Tel. 116 117 regeln. „Dass wir hierbei nicht mehr auf einer lokalen, sondern auf einer zentralen Ebene sind, erzeugt bei manchen vielleicht das Gefühl, dass die Hilfe sehr weit weg ist“, bringt Hofmann Verständnis auf.

„Die Mitarbeiter an dieser Hotline geben Tipps, was zu tun ist, wo sich im Härtefall die nächste Notaufnahme befindet oder schicken, wenn nötig, einen Arzt raus. Bis dieser kommt, können auch mal zwei Stunden vergehen, aber bei nicht lebensbedrohlichen Lagen ist das immer noch in Ordnung.“ Zum Beispiel bei Erkältung mit Fieber, höher als 39 Grad, oder anhaltendem Brechdurchfall bei mangelnder Flüssigkeitsaufnahme.

Zwei Dinge könnten Hofmann und seinen Kollegen die Arbeit erleichtern. „Unsere Rettungsassistenten und Notfallsanitäter dürfen keine eigenen Diagnosen stellen, sondern müssen die Patienten immer zu einem Arzt bringen.

Wenn wir hier etwas mehr Entscheidungskompetenzen zugesprochen bekämen, würde das viel helfen. Dann müssten nicht immer alle ins Krankenhaus gebracht, sondern könnten auch vor Ort behandelt werden.“ Zum anderen wünscht sich Michael Hofmann eine engere Verzahnung mit dem ärztlichen Notdienst. „Zurzeit sind das zwei völlig verschiedene paar Schuhe.

Wenn der Notdienst zum Beispiel in unserer Kreisleitstelle angesiedelt wäre, könnten wir auch auf den Arzt vom Notdienst zugreifen und so Kapazitäten noch besser bündeln.“

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