Rund 100 Mitarbeiter des Real-Marktes in Coesfeld bangen um ihre Jobs

mlzReal Coesfeld

Die rund 100 Mitarbeiter in Coesfeld bangen um ihre Jobs. „Wir haben vom Metro-Chef einen Brief bekommen“, erzählt einer. „Aber zu unserer Zukunft hier in Coesfeld steht da nichts drin.“

von Detlef Scherle

Coesfeld

, 15.02.2020, 15:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Keiner weiß was. Wir fühlen uns hier völlig allein gelassen.“ Nur hinter vorgehaltener Hand äußern sich am Donnerstag Mitarbeiter des Real-Marktes an der Dülmener Straße zurzeit zur Situation vor dem Verkauf der Real-Märkte von der Metro AG an die Investorengruppe SCP und X-Bricks.

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Von den bundesweit 277 Filialen soll „ein Kern von mindestens 50“ für mindestens zwei Jahre weiterbetrieben werden, heißt es in dem Schreiben des Metro-Vorstandsvorsitzenden Olaf Koch. Die anderen sollen an Händler wie Edeka, Rewe oder Kaufland veräußert werden. Offiziell halten alle still. Auch Betriebsrat („Begeistert ist hier keiner.“) und Filialleitung („Kein Kommentar!“) können und wollen nichts zu den Folgen des Verkaufs der Real-Märkte sagen – sie verweisen auf die Metro- und Real-Konzernzentralen in Düsseldorf.

Zentrale kann nichts zu einzelnen Standorten sagen

Eine Sprecherin der Metro-AG erklärt auf Nachfrage der Allgemeinen Zeitung, dass man zu einzelnen Standorten noch nichts sagen könne. Auch nach Vertragsabschluss noch nicht. Denn nach dem „Signing“ (Unterschreiben der Verträge) stehe zunächst noch das sogenannte „Closing“ an – eine Überprüfung des Geschäfts durch die Brüsseler Wettbewerbsaufsicht. „Und das kann Monate dauern“, sagt sie. Erst wenn die EU grünes Licht gebe, wollen die neuen Besitzer sich zur Zukunft der einzelnen Häuser erklären. Vorher gebe es nichts zu spekulieren, so die Metro-Sprecherin. „Und dann sind wir auch raus.“

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In Coesfeld machen sich die Mitarbeiter besondere Sorgen. Aufgrund der örtlichen Konkurrenzlage – es gibt bekanntlich auch schon Kaufland- und Edekamärkte in der Stadt – wird eine Übernahme durch einen Mitbewerber mit Übernahme des Personals als unwahrscheinlich angesehen. Dafür käme nur ein Handelskonzern in Frage, der in der Stadt noch nicht vertreten ist, zum Beispiel Rewe. Gerade diese Kette konzentriert sich aber gerade eher auf kleinere Filialen in urbanen Gebieten, sogenannte To-Go-Shops, die sie neu eröffnet.

Wenn es nicht zu einer Übernahme kommt, könnte an der Dülmener Straße spätestens in zwei Jahren Schluss sein. „Das sind keine rosigen Aussichten“, so eine Verkäuferin, die Real schon fast ein Jahrzehnt die Treue hält. „Da fällt es schwer, optimistisch zu bleiben“, sagt sie. Auch von Kundenseite her würde eine Schließung des Real-Marktes bedauert.

Immobilie in Eigentum eines Coesfelder Geschäftsmanns

„Hier bekommt man einfach alles. Wie in einem kleinen Warenhaus“, meint ein älterer Herr an der Wursttheke. „Sowas gibt es sonst nicht in Coesfeld“, ergänzt seine Frau.

Die Immobilie an der Dülmener Straße würde im Falle eines Verkaufs der Kette übrigens nicht den Besitzer wechseln. Sie ist nur angemietet und gehört einem Coesfelder Geschäftsmann.

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