Schlüsseldienst wollte 1000 Euro von Bocholterin für Türöffnung

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1000 Euro musste die Bocholterin Christina Schnell zahlen, nachdem sie sich aus ihrer Wohnung ausgeschlossen hatte. Denn der vermeintlich seriöse Schlüsseldienst entpuppte sich als Betrug.

von Mark Pillmann

Bocholt

, 08.06.2020, 16:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eben nur kurz vor die Haustür gehen, um etwas zu erledigen – schon ist es passiert: Die Tür fällt zu, der Schlüssel steckt von innen und nur noch ein Schlüsseldienst kann helfen. Doch immer wieder geraten Menschen dabei nicht an kompetente Handwerker aus der Umgebung, sondern werden von Betrügern abgezockt und sollen teils vierstellige Rechnungen für kleinste Arbeiten bezahlen.

So ist es der Bocholterin Christina Schnell ergangen, als sie am Samstag gegen 22 Uhr drei Ameisen nach draußen bringen wollte, die sie versehentlich mit dem Salat in ihre Wohnung getragen hatte, sagt sie. Kaum stand sie vor ihrer Haustür, fiel die zu – mit dem Schlüssel von innen im Schloss.

Vermieter informierte Schlüsseldienst

Sie informierte ihren Vermieter, der einen Schlüsseldienst kontaktierte. Er wählte einen Dienst, der in der Google-Suche weit oben stand und noch dazu lokal zu sein schien. Wie sich jedoch später herausstellte, kam das angeblich lokale Unternehmen in Wirklichkeit aus Essen.

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Vor Ort präsentierte sich der Schlüsseldienst alles andere als kompetent: Zuerst wollte der Mitarbeiter die Tür mit einer EC-Karte öffnen, erinnert sich Schnell. Als das misslang, bohrte er das Schloss auf. „Das hat er jedoch so krumm und schief gemacht, dass er dabei auch noch die Stulpe beschädigt hat“, sagt Schnell. Auch der Einbau des neuen Schließzylinders gelingt dem angebliche Schlüsseldienstmitarbeiter nicht.

Trotz mehrmaligen Scheiterns präsentiert der Schlüsseldienst anschließend die Rechnung: 949,14 Euro soll Christina Schnell bezahlen, direkt vor Ort, in bar oder mit Karte. Von dem vorher vereinbarten Betrag von 189 Euro plus Wochenendzuschlag und Materialkosten ist auf einmal keine Rede mehr. Sie zahlt trotzdem.

Polizei: Wucher bei Schlüsseldiensten kein Einzelfall

Diese Art von Wucher ist kein Einzelfall, erklärt Frank Rentmeister, Pressesprecher der Kreispolizei. „Es ist aber auch nicht an der Tages- oder Wochenordnung.“ Einen ähnlichen Fall gab es beispielsweise im Mai letzten Jahres. Damals sollte das geschädigte Paar 1400 Euro für die Türöffnung zahlen.

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Um nicht selbst Opfer einer solchen Masche zu werden, raten Polizei und Verbraucherzentrale, bereits im Vorfeld entsprechende Notdienste rauszusuchen und die Nummern im Handy abzuspeichern. Außerdem hilft es, die Preise zu vergleichen. Nach einer Umfrage der Verbraucherzentrale müssen Kunden für die Öffnung einer ins Schloss gefallenen Tür in NRW rund 80 Euro, nachts, sonn- und feiertags rund 135 Euro zahlen. Auch an Ort und Stelle zahlen müssen Kunden nicht. Wer möchte, kann eine Rechnung verlangen und das Geld anschließend überweisen.

Schlüsseldienstmitarbeiter von Polizei gefasst

Bei Christina Schnell hat mittlerweile der Vermieter das Schloss in die Tür eingebaut. Und auch die vermeintlichen Schlüsseldienstmitarbeiter konnten von der Polizei gefasst werden. Denn am Tag darauf erzählte Schnell einem Freund bei der Polizei von dem Vorfall. Der sagte ihr, dass es am Besten wäre, wenn die angebliche Schlüsseldienstfirma noch einmal wiederkommen würde. Hoffnung darauf machte der ihr allerdings nicht. „Wenn der wirklich wiederkommt, dann ist das der dümmste Verbrecher aller Zeiten“, habe er ihr gesagt.

Doch Beharrlichkeit zahlt sich in diesem Fall aus. „Ich habe sie dann noch einmal angerufen und gefragt, wann sie denn vorbei kommen, um die Tür zu reparieren“, so Schnell weiter. Nach mehreren Anrufen standen die Mitarbeiter der angeblichen Schlüsseldienstfirma dann bei ihr vor der Tür – und wurden von drei Beamten im Empfang genommen. Ihr Geld hat sie allerdings noch nicht wiederbekommen. Dafür habe sie jetzt einen Anwalt eingeschaltet, erzählt Schnell.

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