Siemens will Flender abspalten und wieder zur AG machen

mlzWirtschaft

Rolle rückwärts: Aus der Flender GmbH soll wieder eine Flender AG werden. Der Siemens-Konzern will seine Bocholter Antriebstochter abspalten und an der Börse notieren.

von Ludwig van der Linde

Bocholt

, 12.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rolle rückwärts: Aus der Flender GmbH soll wieder eine Flender AG werden. Der Siemens-Konzern will seine Bocholter Antriebstochter abspalten und an der Börse notieren. Das teilte der Münchner Weltkonzern mit. Im Gespräch mit dem Bocholter Borkener Volksblatt sprach Flender-Chef Stefan Tenbrock von einem „entscheidenden Tag“ für Flender und von „dem Schritt“ in die Selbstständigkeit.

Allerdings, so betonte Tenbrock, lege zunächst nur die Genehmigung des Siemens-Aufsichtsrates vor, die Abspaltung, den „Spin-Off“ (siehe Infokasten), vorzubereiten. „Das ist ein ziemlich umfangreicher Akt“, betonte der scheidende Flender-Chef.

Jetzt lesen

Außerdem sei die Herauslösung der Flender GmbH aus dem Siemens-Konzern noch nicht zu 100 Prozent abgeschlossen. „Da müssen noch ein paar Restarbeiten erledigt werden.“ Der Siemens-Aufsichtsrat werde dann am 1. Dezember darüber entscheiden, ob dieser Schritt der Hauptversammlung vorgeschlagen wird. Die tagt im Februar 2021. Das letzte Wort über die „vollständige Abtrennung von Siemens“ haben also die Siemens-Aktionäre, so Tenbrock.

8.500 Mitarbeiter nach Neustrukturierung bei Flender

Der Plan sieht auch vor, dass Siemens den Bereich Wind Energy Generation in Flender integriert. Dazu gehören unter anderem deren Standorte im bayerischen Ruhstorf (der gehörte früher schon einmal zur Flender AG) und im serbischen Subotica (der wurde Anfang der 2000er-Jahre von der Flender AG gegründet).

Neben Getrieben würden dann zukünftig auch Generatoren und Komponenten für getriebelose Windkraftanlagen Teil des Produktangebots sein. Flender würde rund 2000 Mitarbeiter dazubekommen und käme dann weltweit auf rund 8500 Beschäftigte.

Starke Position im Markt

„Mit der Übernahme des Windgeneratorengeschäftes wären wir sehr gut positioniert“, sagte Tenbrock. Man könne den Kunden eine Hybrid-Lösung anbieten, in dem Getriebe und Generatoren in einem System integriert werden. Die Tendenz im Markt ginge in diese Richtung. „Das bringt uns in eine starke Position. Wir haben dann die mechanische und elektrische Komponente in einem Haus“, sagte Tenbrock. Das sei ein großer Wettbewerbsvorteil.

Ähnlich sieht es der Betriebsratsvorsitzende Andreas Wendland. „Die Integration des Generatorengeschäftes der Siemens AG in die Flender GmbH verstärkt unsere Wettbewerbssituation und bietet große Chancen, im Geschäftsfeld erneuerbare Energien weiter zu wachsen“, sagte Wendland auf Anfrage. Wendland erinnerte daran, dass viele Mitarbeiter und er selbst so eine neue strategische Ausrichtung auch schon öfter als nur einmal erlebt hätten.

„Diese Ausrichtung bietet wie immer Chancen und auch Risiken“, so der Betriebsratsvorsitzende. Vor dem Hintergrund dieser möglichen Risiken haben der Gesamtbetriebsrat der Siemens AG und die IG Metall zum Schutz der Arbeitnehmer „ein Eckpunktepapier verhandelt, in dem unter anderem auch Leitplanken zum Thema Standort- und Beschäftigungssicherung gesetzt worden sind“.

Siemens übernahm Flender 2005

Als Siemens 2005 den Bocholter Antriebsspezialisten übernahm, war der eine Aktiengesellschaft. Die Flender AG wurde erst Ende April 2010 im Rahmen des Verschmelzungsprozesses endgültig aufgelöst. Am 1. Oktober 2017 kehrte Flender zurück, nachdem Siemens Anfang Februar 2017 angekündigt hatte, dass aus der Geschäftseinheit Mechanical Drives (MD) ein eigenständiges Unternehmen unter dem Dach von Siemens werden soll.

Was passiert bei einem Spin-Off?

Bei einem sogenannten Spin-Off gliedert eine bestehende Firma (in diesem Fall Siemens) einen Teil des Unternehmens (die Flender GmbH) als eigenständige Firma aus. Im Klartext bedeutet das: Die Siemens-Aktionäre erhalten anteilsmäßig Flender-Aktien. Dazu wird als Grundlage der Wert der Flender GmbH in Relation zum Siemens-Konzern genommen. Im Rahmen dieses Verhältnisses erhält der Siemens-Aktionär Flender-Wertpapiere. Der Aktionär kann dann entscheiden, ob er die Flender-Aktien behalten, weitere hinzukaufen oder ob er sie an der Börse verkaufen will.
Lesen Sie jetzt