Sparern in Bocholt drohen ab November Negativzins

mlzStrafzinsen für Sparer

Die beiden größten Bocholter Kreditinstitute werden, zum Teil schon ab November, Negativzinsen einführen. Das bestätigten jetzt die Vorstände der Banken.

von Stefan Prinz

Bocholt

, 21.10.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diese Entscheidung sei nicht miteinander abgesprochen, betonen Stadtsparkassen-Chef Karl-Heinz Bollmann und Volksbank-Vorstand Franz-Josef Heidermann auf Nachfrage des Bocholter Borkener Volksblatts.

Demnach wolle die Volksbank bereits ab dem 1. November diesen Schritt gehen. Betroffen sind Anleger mit sehr hohen Guthaben.

Gilt für Guthaben ab 500.000 Euro

Bei der Volksbank gilt das grundsätzlich für Guthaben ab mindestens 500.000 Euro. Dafür werde künftig ein Negativzins, ein sogenanntes Verwahrentgelt, von 0,5 Prozent pro Jahr verlangt.

„Wir beschäftigten uns schon länger mit dem Thema“, erklärte Volksbank-Vorstand Heidermann. Zahlreiche andere Banken in Deutschland erheben bereits Verwahrentgelte. Die Volksbank habe aufgrund dessen in letzter Zeit verstärkt bemerkt, dass Kunden hohe Guthaben von anderen Banken zur Bocholter Volksbank umschichten, um diesen Negativzinsen zu entgehen.

Eigentlich habe man sich das Einführen von Negativzinsen erst für das nächste Jahr vorgenommen. Aber durch Kundenanfragen sei man darauf aufmerksam geworden, dass auch die Stadtsparkasse in Kürze Negativzinsen erheben wolle.

Vorstand Heidermann: Bank musste schnell regieren

Deshalb sei eine schnelle Reaktion erforderlich, so Franz-Josef Heidermann. Denn erhebe der unmittelbare Wettbewerber Verwahrentgelte, dann sei mit einer unmittelbaren Kundenreaktion zu rechnen. Das bedeutet: Es sei zu befürchten, dass sehr hohen Guthaben von der Stadtsparkasse auf die Volksbank umgeschichtet würden, um so Negativzinsen zu entgehen.

Auch Stadtsparkassen-Chef Karl-Heinz Bollmann bestätigt, dass sein Kreditinstitut Negativzinsen in Höhe von 0,5 Prozent pro Jahr auf Sparkonten einführen werde. Termin soll dafür der 1. Januar 2021 sein, so Bollmann.

„Es wird allerdings einen Freibetrag geben.“ Derzeit sei allerdings noch nicht klar, wie hoch dieser Freibetrag ausfallen wird. Also ab wann Strafzinsen fällig werden. Das werde in Kürze in einer Vorstandssitzung beschlossen. Betroffen seien aber in jedem Fall nur besonders hohe Guthaben sein, so Bollmann.

Seite einigen Monaten beobachtet das Kreditinstitut, dass besonders hohe Guthaben von anderen Banken zur Stadtsparkasse umgeschichtet würden. Das Problem für das Kreditinstitut: Die Banken müssen das Geld weiter an die Europäische Zentralbank (EZB) leiten und dort ihrerseits 0,5 Prozent Negativzinsen zahlen. Bei Regionalbanken kann sich das leicht auf mehrere Hunderttausend Euro pro Jahr summieren.

Stadtsparkasse und Volksbank betonen jedoch, dass man mit langjährigen Kunden im Gespräch sei, um eine für beide Seiten akzeptable Lösungen für das Problem zu finden. Vorrangig soll vermieden werden, dass Neukunden von anderen Banken große Vermögen nach Bocholt umschichten.

Die ebenfalls in Bocholt ansässige Sparkasse Westmünsterland hat bereits vor vier Jahren Negativzinsen für bestimmte Geschäftskunden eingeführt.

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