Im Rahmen des Festivals „musik:landschaft westfalen“ präsentiert Ute Lemper am Samstag, 27. Juli, am Haus Pröbsting Leben und Werk der Legende Marlene Dietrich. Ein Interview.

von Peter Berger

Borken

, 26.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Mit Redakteur Peter Berger sparch Ute Lemper unter anderem über den atmosphärischen Wechsel von den Metropolen aufs Land.

Am Samstag, 27. Juli, in Borken

Am kommenden Samstag, 27. Juli, lädt sie zum „Rendezvous mit Marlene“ ein. Ute Lemper präsentiert im Rahmen des Festivals „musik:landschaft westfalen“ am Haus Pröbsting Leben und Werk der Legende Marlene Dietrich. Vorab sprach Redakteur Peter Berger mit dem Chanson-Star aus Münster mit Wahlheimat New York.

Wo sind Sie gerade?

Ich bin eben erst in meinem Hotel in Rom angekommen und habe noch nicht mal ausgepackt (lacht). Meine beiden Söhne sind auch dabei. Wir machen eine kleine Sommertour durch Europa. Hier in Rom trete ich bei einem Konzert in einem Park mitten in der Stadt auf.

New York, Rom, Münsterland – wie schaffen Sie diesen atmosphärischen Wechsel von den Metropolen aufs Land?

Das ist überhaupt kein Problem. Die Konzerte und das Repertoire bleiben ja unabhängig vom Ort des Auftritts gleich. Hier in Rom habe ich übrigens ein anderes Programm, bestehend aus Protestsongs, Avantgarde, Charles Bukowski. Ich ändere nicht das Repertoire oder das Format, nur weil es in der Provinz ist. Es bleibt genauso, wie es sein soll. Es ist so konzipiert, wie ich mir das vorstelle, und das muss in großen wie in kleinen Städten funktionieren.

Dem „Rendezvous mit Marlene“ liegt ein Gespräch zugrunde, dass Sie vor gut 30 Jahren mit ihr geführt haben. Wie kam es dazu?

Ich hatte ihr zunächst einen Brief geschrieben. Das war 1988, als ich den Molière, den französischen Theaterpreis, gewonnen habe. Es war sozusagen der Durchbruch in meiner Karriere. Die Zeitungen haben viel über mich geschrieben. Ich wurde von den Kritikern schon als die neue Marlene tituliert. Ich dachte, meine Güte, ist das nicht zu dick aufgetragen. Ich bin doch eine junge Anfängerin und sie eine Legende.

Und da wollten Sie ihr gegenüber etwas geraderücken?

Genau. Ich fand diesen Vergleich peinlich und habe mich in dem Brief fast dafür entschuldigt. Ich wusste, dass sie viel Zeitung las. Sie war 86, lebte zurückgezogen in Paris, ging nicht aus dem Haus, bekam aber stets mit, was in der Stadt vor sich ging.

Wie hat sie auf den Brief reagiert?

Sie rief mich im Hotel an. Einfach so. Ich war perplex. Ich glaube, sie fand meine Zeilen köstlich und respektvoll. In dem Brief habe ich natürlich noch viele andere Dinge zum Ausdruck gebracht. Wie sehr ich sie bewundere und wie viele Generationen von Frauen sie inspiriert hat mit ihren Taten und ihrem Mut, ihrem Stil, ihrer Mode. Sie war eine Ikone. Es war wohl so, dass sie sich geschmeichelt fühlte.

Wie lässt sich mit einer Legende telefonieren?

Ich merkte schnell, wie sehr sie es liebte zu telefonieren. Es war ihre einzige Verbindung zur Außenwelt. Sie war es so gewohnt und ich hatte Mühe dazwischenzukommen. Aber ihre Monologe waren hochinteressant. Nicht schnell schnell, sondern lustig mit vielen Anekdoten auch aus ihrer Zeit in Hollywood. Und es gab noch ein paar Themen mehr: Männer zum Beispiel. Ihre Vorliebe für Rilke-Gedichte. Das Telefonat dauerte drei Stunden, und wie sie so sprach, warf sie hier und da die Sprachen durcheinander: englisch, französisch, deutsch. Sie war eine Weltbürgerin.

Was hörten Sie zwischen den Zeilen?

Eine große Bitterkeit, Traurigkeit und Müdigkeit. Viel Sarkasmus auch. Ihre Bildung. Und dass sie litt.

Woran?

An Deutschland, ihrer verlorenen Heimat. Ich wusste damals gar nicht so viel davon, dass sie in Deutschland lange Zeit nicht respektiert wurde. Der Vorwurf der Vaterlandsverräterin nagte an ihr. Ich habe dann in den Jahrzehnten bis heute immer wieder recherchiert, um ihre Persönlichkeit für mein Marlenerepertoire zu erfassen.

Was haben Sie aus dem Gespräch mitgenommen?

Dass wir uns Zeit nehmen sollten zurückzuschauen. Auf das, was war und warum es so war. Ich habe erst jetzt, 30 Jahre später, wirklich verstanden, dass ich eine Mission habe, nämlich die, ihre Geschichte weiterzuerzählen und Marlenes Geschichte wiederaufleben zu lassen. Die Zeit ist so schnell und drückt brutal nach vorn, so dass kaum Zeit bleibt, zurückzuschauen. Ich möchte diesen Blick zurück wagen, zusammen mit meinem Publikum.

Open-Air-Konzert:

Ute Lemper gastiert am Samstag, 27. Juli, mit ihrem Ensemble in Hoxfeld im Innenhof der Schlossklinik Pröbsting. Ab 21 Uhr singt Ute Lemper auf Einladung der „musik:landschaft westfalen“ Dietrichs Lieder aus allen Kapiteln ihres Lebens – von den Berliner Kabarettjahren bis zu ihrer Zusammenarbeit mit Burt Bacharach.

Karten im Vorverkauf (Preiskategorie 55 und 65 Euro) gibt es im BZ-Ticketcenter im Verlagsgebäude der Borkener Zeitung an der Bahnhofstraße in Borken.

Marlene Dietrich

Marlene Dietrich (eigentlich Marie Magdalene Dietrich) wurde 1901 in Berlin-Schöneberg und starb 1992 in Paris. Sie gilt als einer der wenigen deutschen Weltstars des 20. Jahrhunderts. Ihren Durchbruch hatte sie 1929 mit dem Film Der blaue Engel. Das im Film von Dietrich gesungene Lied Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt wurde ein Welthit. 1939 nahm sie die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Ihr politisches und soziales Engagement gegen das Nazi-Regime fand international deutlich früher eine Würdigung als in ihrem Heimatland Deutschland, wo ihr Handeln bei vielen auf Unverständnis stieß. (Quelle: Wikipedia)
Schlagworte: