Von 44 auf bis zu 60 Millionen Euro - Rathaussanierung in Bocholt wird richtig teuer

mlzKostensteigerung

Von geplanten 44 auf bis zu 60 Millionen Euro könnten die Kosten für die Rathaussanierung in Bocholt steigen. Die Politiker denken bereits über Streichungen nach.

von Sabine Hecker

Bocholt

, 18.11.2019, 10:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Auszug der Bocholter Stadtverwaltung aus dem Rathaus läuft nach Plan. Doch noch immer ist nicht klar, wie das denkmalgeschützte Gebäude am Berliner Platz nach der Sanierung aussehen soll. Eine Einigung zwischen der Stadt und dem für den Denkmalschutz zuständigen Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) steht immer noch aus.

Unklar sind auch die Kosten, die zunächst auf rund 44 Millionen Euro geschätzt worden waren. Inzwischen kursieren Zahlen von 50 bis 60 Millionen Euro. Eine genaue Kostenschätzung soll dem Rat bis März vorgelegt werden, hieß es aus dem geheimen Teil des jüngsten Gebäudeausschusses der Stadt.

Dort legte die Verwaltung den Wirtschaftsplan vor, in dem für die nächsten drei Jahre knapp 44 Millionen Euro für die Rathaussanierung eingeplant sind. In der Lenkungsgruppe Rathaussanierung, die Ende Oktober tagte, wurden nach Informationen des Bocholter Borkener Volksblatts bereits höhere Zahlen genannt. Allein aufgrund von Baukostensteigerungen während der Planungszeit rechnet die Verwaltung mit 52 Millionen Euro.

Noch mehr Millionen im Gespräch

Und es könnten noch einige Millionen dazukommen. Zum Beispiel für die Kantine mit Küche, die offenbar in der Machbarkeitsstudie zur Rathaussanierung vergessen worden war.

In der Lenkungsgruppe war von 1,2 Millionen Euro Mehrkosten die Rede. Eine Million Euro kalkuliert die Verwaltung für einen Multifunktionsratsaal, der ans Rathaus angebaut werden könnte. Diskutiert wurde in der Lenkungsgruppe zudem die Frage, ob das Stadtarchiv ins Rathaus ziehen soll (750.000 Euro). Dafür müssten neue Betondecken eingezogen werden.

In Sachen Denkmalschutz ziehen sich die Gespräche zwischen Verwaltung und dem Landschaftsverband seit Monaten. Zuerst hatte die Verwaltung eine Einigung bis Mai angestrebt, dann war von September die Rede. Das klappte nicht.

In der Lenkungsgruppe kündigte die Verwaltung an, jetzt im November einen Teil-Bauantrag sowie den Antrag für den Denkmalschutz stellen zu wollen – mit einem „tiefergelegten“ Foyer. Das ist ein Knackpunkt bei den Gesprächen mit dem LWL. Rat und Verwaltung wollen das Foyer „tieferlegen“, also die Treppe entfernen, den Boden absenken und damit einen rollstuhlgerechten Zugang ins Rathaus ermöglichen. Der LWL hat Bedenken wegen des Denkmalschutzes.

Förderantrag wird erst 2020 gestellt

Eigentlich hatte die Verwaltung bereits im September einen Förderantrag für die Rathaussanierung stellen wollen. Weil noch so viele Fragen offen sind, ist nun ein Abgabetermin im Herbst 2020 geplant.

Gespräche mit dem Land als Zuschussgeber laufen laut Stadtbaurat Zöhler. In welcher Höhe das Land die Rathaussanierung fördere, könne er noch nicht sagen. Zunächst einmal müsse die Planung stehen. Sicher sei allerdings, dass die Verschiebung des Förderantrags keinen Einfluss auf die Summe habe, so Zöhler.

Unterdessen gibt es erste Reaktionen der Stadtratsfraktionen zu dem Thema: Dieter Hübers, Fraktionsvorsitzender der Stadtpartei, sprach von „absurden, nicht mehr kalkulierbaren Kosten“. Auch Bärbel Sauer von der Sozialen Liste, befürchtet, dass die Kosten „völlig aus dem Ruder“ laufen. Die sich abzeichnende Kostenentwicklung bei der Rathaussanierung betrachtet die CDU-Fraktion laut einer Mitteilung „mit großer Sorge.“

Sie halte es für nicht ausgeschlossen, einzelne Sanierungsmaßnahmen zu streichen. Im Hinblick auf die weiteren städtischen Gebäude und Bauwerke unterstreicht die CDU Fraktion nochmals die Notwendigkeit der laufenden Unterhaltungsmaßnahmen. „Es darf nicht noch einmal passieren, dass ein städtisches Gebäude über Jahre hinweg in der Unterhaltung so vernachlässigt wird“, heißt es.

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