Weiterer Schlachthof von Vion kurzzeitig geschlossen

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Die niederländischen Sicherheitsbehörden haben einen weiteren Standort des Fleisch-Unternehmens Vion in Apeldorn zeitweise geschlossen.

von Josef Barnekamp

Kreis

, 28.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Polizei geht dort jetzt Hinweisen nach, wonach in Apeldoorn möglicherweise Mitarbeiter des Vion-Schlachthofes in Groenlo beschäftigt gewesen sein könnten – und das nach der Schließung des Standortes unweit der deutsch-niederländischen Grenze. Das schreibt die niederländische Zeitung Tubantia. In Groenlo waren von 657 getesteten Mitarbeitern 147 positiv auf das Coronavirus getestet worden, Mehr als 50 von ihnen wohnen im Kreis Borken.

Nach Angaben der Tubantia geht die Sicherheitsbehörde Veiligheidsregio Noord- en Oost-Gelderland (VNOG) Hinweisen nach, wonach sich in Apeldoorn Mitarbeiter auf dem Werksgelände von Vion aufgehalten hätten, die auf der 657 Namen umfassenden Liste derjenigen stünden, die in Groenlo getestet worden sein. Am Donnerstag lief der Betrieb aber weiter.

Namen und Adressen bekommen

Wie Landrat Dr. Kai Zwicker auf Anfrage unserer Zeitung sagte, gebe es auf deutscher Seite keine Hinweise, dass die Mitarbeiter solcher Firmen sich systematisch Testungen entziehen würden oder einfach zu anderen Arbeitsstätten gebracht würden.

Im Fall der 54 infizierten Personen, die auf dem Schlachthof Groenlo gearbeitet haben und im Kreis Borken wohnen, habe man Namen und Adressen von der niederländischen Gesundheitsbehörde GGD bekommen, wenn auch mit zeitlichem Verzug. Die Zusammenarbeit mit deutschen Fleisch-Firmen habe gut funktioniert. „Die Arbeitgeber sind die Schlüssel für die Lösung der Probleme“, so Zwicker.

Recht der Unverletzlichkeit der Wohnung

Mit Blick auf die oft sehr einfachen und mitunter auch schlechten Wohnverhältnisse der zumeist osteuropäischen Schlachthofmitarbeiter sagte der Landrat, dass es für Behörden nicht ganz einfach sei, für Verbesserungen zu sorgen. So könne man als Kreis einschreiten, wenn Gesundheits- und Hygienevorschriften verletzt würden oder als Bauaufsicht tätig werden, wenn etwa Betriebsleiterwohnungen zweckentfremdet würden.

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Letzteres sei bislang einmal geschehen. Grundsätzlich aber gelte das im Grundgesetz verankerte Recht der Unverletzlichkeit der Wohnung.

Zwicker betonte, dass die Zusammenarbeit zwischen Kreis Borken und den Kommunen auch in solchen ordnungsrechtlichen Dingen sehr gut funktioniere, was auch in der jüngsten Bürgermeisterkonferenz bestätigt worden sei.

Streit im Nachbarkreis

Das ist nicht überall so: Während im Kreis Borken umgehend nach Bekanntwerden der Masseninfizierungen bei Westfleisch die Mitarbeiter von Fleisch- und Schlachtbetrieben im Kreis Borken getestet worden waren, streiten sich im Nachbarkreis Kleve der Landrat und Emmerichs Bürgermeister. Dort hatte es zu Wochenbeginn weder in Emmerich noch in Rees Corona-Tests in Leiharbeiterunterkünften gegeben. Diese hatte Emmerichs Bürgermeister Peter Hinze schon lange gefordert, der Landrat aber unter anderem mit Hinweis auf bislang ungeklärte juristische Fragen nicht angeordnet.

Auch im Kreis Coesfeld hatten Vertreter einzelner Kommunen Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr kritisiert, weil dieser den Fall Westfleisch aus Sicht von Bürgermeistern nicht entschlossen genug angepackt habe. Deswegen hätten alle Kommunen im Kreis Coesfeld die Lockerungen vom Lockdown erst verspätet einführen können.

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