Über 60-Jährige haben einen Anspruch auf (fast) kostenlose FFP2-Masken. Doch dafür braucht man Gutscheine und dazu gibt es eine Reihe von Fragen, auf die wir Antworten gesucht haben. © picture alliance/dpa
Coronavirus

15 kostenlose FFP2-Masken für über 60-Jährige – aber wie komme ich da ran?

Wer über 60 ist, hat Anspruch auf 15 (fast) kostenlose FFP2-Masken. Was aber, wenn ich noch keinen Gutschein habe? Woran liegt das, was muss ich tun? Es herrscht Verwirrung. Wir haben Antworten.

Mitte Dezember trat eine neue Coronaschutzverordnung des Bundesgesundheitsministeriums in Kraft. Danach sollen alle über 60-Jährigen insgesamt 15 FFP2-Schutzmasken kostenlos erhalten. Drei konnten sie sich sofort in der Apotheke abholen, für die weiteren benötigte man Gutscheine der Krankenkasse. Jetzt herrscht bei vielen Menschen Verunsicherung, weil sie noch immer keine Gutscheine erhalten haben.

In Briefen an diese Redaktion machten Leserinnen und Leser ihrem Unmut Luft. Ein Leser (69) schrieb, er habe seine Krankenkasse gefragt, warum er noch immer keinen Gutschein habe. Diese habe gesagt, die Bundesdruckerei komme mit dem Drucken nicht nach. Also Schlamperei bei der Bundesdruckerei?


Gutscheine für Kinder und 35-Jährige?

Der Leser schrieb auch, eine Bekannte, die gar kein Anrecht auf solche kostenlosen Masken habe, habe Gutscheine erhalten – obwohl sie erst 35 sei. Und dann berichtet das Online-Portal „apotheke-adhoc“, dass in Siegburg auch Kinder (11 und 15) Gutscheine zugeschickt bekamen. Was ist da los? Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen gesammelt.

Wer hat eigentlich genau Anspruch auf die FFP2-Masken?

Das sind in der Tat alle über 60 Jahre alten Menschen. Außerdem hat man unabhängig vom Alter Anspruch bei einer Risikoschwangerschaft, nach einer Organ- oder Stammzellenoperation, bei Trisomie 21 und bei einer der folgenden Vorerkrankungen: a) chronisch obstruktive Lungenerkrankung oder Asthma bronchiale, b) chronische Herzinsuffizienz, c) chronische Niereninsuffizienz, im vierten Stadium oder höher; d) Demenz oder Schlaganfall, e) Diabetes mellitus Typ 2, f) aktive, fortschreitende oder metastasierte Krebserkrankung oder stattfindende Chemo- oder Radiotherapie, die die Immunabwehr beeinträchtigen kann.

Wann bekommt wer die Masken?

In einem ersten Schritt hatte jeder Berechtigte einen Anspruch auf drei Masken, die er sich in der Apotheke zwischen dem 15. Dezember und 6. Januar abholen konnte. Das war ohne die Vorlage eines Gutscheins möglich.

Was ist mit den übrigen Masken, für die man einen Gutschein benötigt?

Diese Masken werden in zwei Schritten von jeweils sechs Masken ausgehändigt. Den Gutschein für die ersten sechs Masken kann man bis zum 28. Februar in der Apotheke einlösen, den Gutschein für die zweite Etappe zwischen dem 16. Februar und 15. April.

Sind die Masken völlig kostenlos?

Nein, für jede Tranche von sechs Masken muss man eine Zuzahlung von zwei Euro leisten, umgerechnet sind das 33 Cent pro Maske.

Warum haben noch nicht alle Anspruchsberechtigten die Gutscheine in der Post?

Weil es hier um 34 Millionen Gutscheine geht, die erst einmal gedruckt und dann an die 150 Krankenkassen verschickt werden müssen. Die Krankenkassen ihrerseits müssen in ihren Unterlagen heraussuchen, wer einen Anspruch auf Masken hat und an diese Adressen dann die einzelnen Gutscheine verschicken. Das erfordert seine Zeit.

Warum hat der Nachbar schon seine Gutscheine, ich aber noch nicht?

Das kann daran liegen, dass seine Krankenkasse ein wenig schneller war oder es liegt daran, dass er generell in eine andere „Welle“ einsortiert wurde.

Was hat es mit dieser „Welle“ auf sich?

Es war allen Beteiligten von Anfang an bewusst, dass nicht alle Gutscheine auf einmal gedruckt und verschickt werden können, deshalb hat man drei Gruppen gebildet. Die müssen von den Krankenkassen in folgender Priorität angeschrieben und mit Gutscheinen versorgt werden.

1. Zuerst sollen alle Menschen über 75 Jahre die Gutscheine erhalten. Diese erste Welle sollte bis Mitte Januar abgeschlossen sein. Bis dahin sollten all über 75 die Gutscheine erhalten haben.

2. Die zweite Gruppe besteht aus Menschen über 70 Jahre sowie die Menschen mit einem besonderen Risikofaktor oder einer Vorerkrankung. Die Bundesdruckerei musste diese bis zum 20. Januar an die Krankenkassen versenden, was nach Auskunft der Bundesdruckerei auch geschehen ist. Dann müssen die Krankenkassen die Gutscheine noch an ihre Mitglieder versenden, was teils bereits geschehen ist, bei den anderen in den nächsten Tagen erfolgen wird.

3. In der dritten Welle sind dann alle über 60 Jahre. Hier soll die Bundesdruckerei bis Anfang Februar mit der Auslieferung an die Krankenkassen beginnen, so dass die Berechtigten etwa Mitte Februar Post von ihrer Krankenkasse haben dürften.

Und wie sieht es zwischen Planung und Realität aus oder gibt es Pannen in der Bundesdruckerei?

Nach Darstellung der Bundesdruckerei werden die vereinbarten Fristen nicht nur eingehalten, sondern teils sogar unterschritten. Die Bundesdruckerei geht beispielsweise davon aus, dass man mit den Versand der zweiten Welle nicht erst Anfang Februar, sondern noch im Januar beginnt.

Und was ist mit den Krankenkassen?

Beim Versand von 34 Millionen Gutscheinen durch rund 150 Krankenkassen in Deutschland wird mit Sicherheit nicht alles glatt laufen. Es wird zu Pannen, Fehlern und Zustellungsproblemen kommen. Alles andere wäre höchst ungewöhnlich. Die Spitzenverbände der gesetzlichen und der privaten Krankenkassen in Deutschland berichten auf Anfrage unserer Redaktion von keinen bisher aufgetretenen generellen Problemen.

Zugleich bitten sie noch um ein paar Tage Geduld, wenn man zur zweiten oder dritten Welle gehört und bis jetzt noch keine Gutscheine erhalten hat.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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