Kriminalität

„Amokfahrt“ in Trier: Zahl der Toten steigt auf fünf – auch ein Baby unter den Opfern

Ein Autofahrer hat in der Fußgängerzone in Trier wahllos Menschen angefahren. Es gibt mindestens fünf Tote und mehrere Verletzte. Auch ein Baby ist unter den Opfern.
Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr sind nahe der Fußgängerzone im Einsatz, in der ein Auto mehrere Menschen erfasst und nach ersten Erkenntnissen zwei von ihnen tödlich verletzt hat. © picture alliance/dpa

Bei der Todesfahrt in Trier ist auch ein Baby ums Leben gekommen. Das bestätigte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Dienstag bei einer Pressekonferenz. „Das ist ein ganz ganz schlimmer Tag für meine Heimatstadt Trier und für uns in Rheinland-Pfalz“, so Dreyer, die von einer „brutalen Tat“ sprach. „Das allerschlimmste ist, dass Menschen ihr Leben verloren haben.“ Das sei schrecklich für die Angehörigen.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Innenminister Roger Lewentz (SPD) geben am frühen Abend der Presse ein erstes Statement.
Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Innenminister Roger Lewentz (SPD) geben am frühen Abend der Presse ein erstes Statement. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Landesinnenminister Roger Lewentz (SPD) sprach ebenfalls von einem schweren Tag für Trier und für Rheinland-Pfalz. „Die Bilder gehen keinem aus dem Kopf, das geht zu Herzen.“ Dreyer und Lewentz dankten den Einsatzkräften und Helfern für die sehr schnelle und gute Arbeit. Der Verdächtige sei bereits vier Minuten nach der Tat festgenommen worden. Der Autofahrer wird laut Polizei noch vernommen. „Die Befragung des Verdächtigen läuft“, sagte ein Sprecher der Polizei.

Bei dem Vorfall sind nach neuen Erkenntnissen fünf Menschen getötet worden. Das teilte die Polizei am Dienstagabend mit. Das jüngste Opfer ist neun Monate alt, das älteste, eine Frau, 72 Jahre. Es gebe außerdem vier Schwerverletzte, etliche weitere Verletzte, viele Menschen seien traumatisiert, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz. Es sei „in ganz ganz schlimmen Maße“ Menschen Leid zugefügt worden, so Lewentz.

Fahrer ist ein 51-jähriger Deutscher

Unterdessen liegen den Behörden keine Hinweise auf einen politischen Hintergrund des Vorfalls in Trier mit mindestens zwei Toten und mehreren Verletzten vor. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag aus Sicherheitskreisen. Der Fahrer des Wagens, der in der Trierer Fußgängerzone mehrere Menschen erfasste, ist demnach auch nicht als Gefährder eingestuft. Als Gefährder bezeichnen die Sicherheitsbehörden Menschen, denen sie schwerste politisch motivierte Gewalttaten bis hin zum Terroranschlag zutrauen.

In Trier erfasst ein Auto mehrere Menschen und verletzt mindestens zwei von ihnen tödlich. Ein Großaufgebot von Polizei und Rettungskräften ist im Einsatz.
In Trier erfasst ein Auto mehrere Menschen und verletzt mindestens zwei von ihnen tödlich. Ein Großaufgebot von Polizei und Rettungskräften ist im Einsatz. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Der Fahrer wurde festgenommen, das Auto sichergestellt. Es handele sich um einen 51 Jahre alten Deutschen aus dem Kreis Trier-Saarburg, teilte die Polizei mit. Der Mann sei mit einem SUV durch eine Fußgängerzone gefahren und habe offenbar „wahllos“ Menschen angefahren. Die Ermittlungen müssten sauber geführt werden, sagte der Innenminister Lewentz.

Oberstaatsanwalt Peter Fritzen sagte, es gebe bei dem Verdächtigen keine Anhaltspunkte für ein terroristisches Motiv. Womöglich liege bei dem Mann ein psychiatrisches Krabkheitsbild vor. Die Staatsanwaltschaft ermittele wegen Mordes. Bei der Festnahme sei der Mann alkoholisiert gewesen.

Oberbürgermeister sprach von „Amokfahrer in der Innenstadt“

Bei dem Vorfall mit einem Auto sind in der Innenstadt von Trier mindestens zwei Menschen getötet und mehrere verletzt worden. „Es gibt mehrere Tote und eine ganze Reihe Schwer- und Schwerstverletzter“, sagte der Sprecher des Präsidiums Trier, Karl-Peter Jochem. Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sprach im Interview mit dem SWR von einem „Amokfahrer in der Innenstadt“.

„Was in Trier geschehen ist, ist erschütternd“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. „Die Gedanken sind bei den Angehörigen der Todesopfer, bei den zahlreichen Verletzten und bei allen, die in diesem Moment im Einsatz sind, um die Betroffenen zu versorgen.“

Augenzeugen berichteten, dass Menschen durch die Luft geschleudert worden seien. „Wir sehen solche Bilder im Fernsehen ganz oft und denken das kann bei uns nicht passieren“, sagte Leibe. „Jetzt ist es auch in Trier passiert.“ Rettungskräfte aus der ganzen Region seien im Einsatz. „Alle sind damit beschäftigt, Verletzte und Schwerstverletzte im Moment in die Krankenhäuser zu bringen“, äußerte Leibe. Er sei nach dem Vorfall durch die Innenstadt gelaufen. „Es war einfach nur schrecklich“, sagte er und schilderte, wie er einen Turnschuh gesehen habe.

Vorfall erinnert an Volkmarsen und Münster

Auch ein Großaufgebot der Polizei war im Einsatz. Der ADAC schickte Rettungshubschrauber, ein Verletzter wurde nach Wittlich geflogen. Große Teile der Innenstadt waren abgesperrt. Nach der Festnahme bestehe keine Gefahr mehr für die Bevölkerung, teilte die Polizei mit.

Die rheinland-pfälzischen CDU-Politiker Julia Klöckner und Christian Baldauf äußerten sich schockiert und betroffen. Sie seien erschüttert über die „Amokfahrt“, teilten die CDU-Landeschefin und der CDU-Landtagsfraktionschef mit. „Unsere Gedanken sind bei den Verletzten vor Ort. Wir trauern mit den Angehörigen der Toten“, erklärten sie. „Wir danken den Helfern und Rettungskräften für ihre Arbeit. Jetzt gilt es die weiteren Ermittlungen abzuwarten.“

Die Polizei sichert den Tatort nahe der Fußgängerzone.
Die Polizei sichert den Tatort nahe der Fußgängerzone. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Im Februar hatte im nordhessischen Volkmarsen ein 29 Jahre alter Deutscher sein Auto absichtlich in die Menge gesteuert. Dutzende Menschen wurden verletzt. 2019 hatte ein 50-Jähriger in Bottrop in der Neujahrsnacht gezielt Menschen angefahren. Er wurde in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. In Münster war 2018 ein Mann mit seinem Campingbus in eine Gruppe gerast, es gab fünf Tote. Der Täter erschoss sich, die Ermittler gehen von einer psychischen Erkrankung aus.

dpa/RND/rej

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