Landgericht Essen

Blutiges Ende einer Studentenliebe

Eine Studentin wird auf offener Straße niedergestochen. Jetzt steht ihr Ex-Freund vor Gericht. Die Anklage lautet auf Mordversuch.
Blick auf das Gebäude, in dem sich Landgericht, Amtsgericht und Arbeitsgericht befinden. © picture alliance/dpa

Die Stiche gingen in den Körper, den Hals, den Kopf: Vor rund sechs Monaten ist ein Maschinenbau-Student aus Essen auf offener Straße über seine Freundin hergefallen. Dass die 25-Jährige überlebt hat, gleicht einem Wunder. Seit Dienstag beschäftigt der Fall das Essener Schwurgericht. Die Anklage lautet auf Mordversuch.

Es war eine Liebe, die schon in der Schule begann. Fünf Jahre waren die beiden Studenten ein Paar. Sie wohnten zwar noch bei den Eltern, waren ansonsten aber fast immer zusammen. „Die Beziehung lief gut“, sagte die 25-Jährige bei ihrer Zeugenvernehmung. „Es war fast zu perfekt.“ Doch das sollte sich ändern.

„Seine Familie mochte mich nicht“

Erst wurde sich kaum noch unterhalten, dann fielen auch die gemeinsamen Unternehmungen weg. „Er hat überhaupt kein Interesse mehr gezeigt“, sagte die Essenerin. Er habe sie in ihren Gefühlen verletzt und seinen Marihuana-Konsum verheimlicht.

Dabei hatten sie sogar schon über das Heiraten gesprochen. Trotz der kulturellen und religiösen Unterschiede. Der Angeklagte hat tamilische Wurzeln, sie türkische.

„Seine Familie mochte mich nicht“ so die 25-Jährige. „Weil ich keine Tamilin bin.“ Doch auch sie hatte ihren Freund nie zu Hause vorgestellt. Vor allem der Vater durfte offiziell nichts von der Beziehung erfahren.

„Eine Hülle ohne Seele“

Es war im Mai 2020, als die 25-Jährige schließlich Schluss machte. „Ich war nur noch eine Hülle ohne Seele – so habe ich mich gefühlt.“ Doch die Trennung wurde zum Albtraum.

In der Anklage ist von Stalking und Drohungen die Rede. Fast täglich soll der Angeklagte seine Ex-Freundin über verschiede Social-Media-Kanäle angeschrieben haben. Er lud Fotos auf Instagram hoch, die noch aus glücklichen Zeiten stammten, druckte intime Bilder aus und warf sie in den Briefkasten ihrer Eltern, adressiert an den Vater. Auch von Internet-Käufen mit ihrem Passwort ist die Rede.

Bei der Polizei angezeigt

Zweimal hatte sie den Angeklagten angezeigt. Doch Ruhe trat trotzdem nicht ein. „Wenn ich ehrlich bin, fühlte ich mich von der Polizei im Stich gelassen“, so die 25-Jährige im Prozess. Auch ihr Versuch, beim Essener Amtsgericht ein Annäherungsverbot zu erreichen, blieb ohne Erfolg. Da habe man sie mit Hinweisen auf mögliche Kosten abgeschreckt.

Am 22. Juli ist die Situation schließlich eskaliert. Laut Anklage war es 9.15 Uhr, als der 25-Jährige seiner Ex-Freundin vor einem Unigebäude auflauerte. Er kam von hinten, schlug ihr in den Rücken, lief an ihr vorbei, stach dann immer wieder zu. Die Studentin hatte die Stiche zunächst gar nicht gespürt. Sie dachte, sie werde geschlagen. Außerdem soll der Angeklagte sie gewürgt haben.

Rettung durch Not-OP

Die Ärzte hatten rund zehn Stiche festgestellt. Laut Anklage bestand akute Lebensgefahr. Das Leben der Frau konnte nur durch eine Not-Operation gerettet werden.

Der Angeklagte war nach der Tat geflüchtet, hatte sich jedoch noch am selben Tag selbst gestellt.

Zum Prozessauftakt hat er den Messerangriff gestanden. Seine Verteidiger erklärten dazu: „Über die Auswirkungen hat er sich schlicht und einfach keine Gedanken gemacht.“

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