Langsam dürfen wir uns darüber freuen, dass wir die dritte Welle der Corona-Pandemie halbwegs glimpflich überstanden haben. Dass und warum das so ist, belegen die aktuellen Daten. © Catalin Pop/ Unplash
Corona-Wochenbilanz

Daten belegen: Dritte Coronawelle wird nicht erneut zur Todeswelle – das sind die Gründe

Als im April die Zahl neuer Corona-Fälle explodierte, grassierte die Angst vor einer Todeswelle wie im Januar. Jetzt zeigt sich: Sie kam nicht und das hat Gründe, die optimistisch stimmen.

Wir scheinen in der dritten Welle mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Das legen zumindest die Daten nahe, die wir für unsere Wochenbilanz ausgewertet haben. Für das, was jetzt auf uns zukommt, stimmen sie optimistisch.

Der 21. Dezember 2020 war der bisher schlimmste Tag der Corona-Pandemie in Deutschland. Wenige Tage vor Weihnachten wurden 173.574 neue Infektionen innerhalb einer Woche gezählt. Exakt zwei Wochen später, am 4. Januar 2021, gab es mit 5.723 Covid-19-Patientinnen und -Patienten auf den deutschen Intensivstationen eine extreme Belastung unseres Gesundheitssystems.

Noch exakt eine Woche später und damit genau drei Wochen nach dem Höchststand an Neuinfektionen gab es die mit Abstand meisten Corona-Todesfälle: Zwischen dem 4. und 11. Januar wurden innerhalb einer 6.112 im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorbene Menschen registriert.

Als nun zwischen dem 19. und 26. April mit 145.626 Neuinfektionen in der dritten Welle der Höchststand erreicht wurde, fürchteten viele, dass zwei Wochen später die Intensivstationen überlastet wären und eine Woche später neue Höchststände bei den Corona-Toten zu beklagen wären. Doch es kam, zum Glück, ganz anders.

Zwei Wochen nach dem 26. April, das war der 10. Mai. Zu diesem Zeitpunkt sank auf den Intensivstationen bereits wieder die Zahl der Patienten. Und drei Wochen nach dem 26. April, das ist der 17. Mai. In den vergangenen sieben Tagen gab es aber nicht mehr, sondern weniger Tote. Eine mehr als erfreuliche Entwicklung.

Erklärbar ist der große Unterschied zwischen zweiter und dritter Welle nur durch die Impfkampagne. In der zweiten Welle wurden noch viele alte und verletzliche Menschen von einer Infektion erwischt und starben. Jetzt, in der dritten Welle, sind große Teile der vulnerablen Patientinnen und Patienten geschützt. Selbst bei hohen Infektionszahlen gibt es daher deutlich weniger schwerwiegende Krankheitsverläufe und Todesfälle.

Das nährt die Hoffnung, dass sich mit jedem Tag, an dem geimpft wird, die Bedingungen für das Virus verschlechtern und für uns verbessern. Das belegen auch die Daten im Wochenvergleich.

Der Rückgang beschleunigt sich

1. Zwischen dem 10. und 17. Mai gab es 71.795 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Das sind 29.474 Fälle weniger als in der Woche davor, ein Rückgang um knapp 30 Prozent. Zugleich ist es der geringste Anstieg seit dem 15. März. Die Zahlen sinken derzeit von Woche zu Woche stark – und das ist gut so.

Die gute Entwicklung spiegelt sich auch im Rückgang der Inzidenzen wider. Nur noch drei Bundesländer liegen über einer 7-Tages-Inzidenz von 100. Das ist der Wert, der – bezogen auf Landkreise und kreisfreie Städte – die Bundes-Notbremse in Kraft setzt. Über 100 liegen auf Landesebene nur noch Thüringen (122,5), Sachsen (112,3) und Baden-Württemberg (101,0). Aber auch dort sinken die Werte rapide. In Nordrhein-Westfalen sank die Inzidenz innerhalb einer Woche von 129,2 auf 89,9.

2. Die Zahl der Menschen, die an oder mit einer Corona-Infektion gestorben sind, sinkt weiter. In der Woche zwischen dem 10. und 17. Mai zählte das Robert-Koch-Institut (RKI) 1.331 Corona-Tote. Das sind 222 oder 14,3 Prozent weniger als in der Woche davor. In der Vorwoche hatte der Rückgang nur rund sechs Prozent betragen.

3. Auch auf den Intensivstationen hält die deutliche Entspannung an. Die Zahl der dort behandelten Covid-19-Patientinnen und Patienten ging zwischen dem 10. und 17. Mai im Vergleich zur Vorwoche von 4.586 auf 4.016 zurück. Das ist ein ordentlicher Rückgang um 12,4 Prozent, nach 8,6 Prozent in der Woche zuvor. Auch hier deutet sich eine beschleunigte Erholung an.

Besonders erfreulich dabei ist, dass auch die Zahl der Beatmungspatienten mit einer Corona-Infektion weiter gesunken ist. Heute liegt diese Zahl bei 2.496. Das sind 271 oder 9,8 Prozent weniger als vor einer Woche.

Aktuell werden noch 1.557 besonders für Corona-Patienten geeignete Intensivbetten als frei gemeldet – 177 mehr als vor einer Woche. Das ist die Gesamtzahl für Deutschland und die freien Betten sind keinesfalls gleichmäßig über das Land verteilt. Trotzdem gibt es – anders als noch vor Wochen – keine schrillen Alarmrufe aus einzelnen Kliniken.

Noch liegen wir deutlich über den Werten aus 2020

Ein Vergleich mit dem vergangenen Frühling, als die erste Infektionswelle über unser Land schwappte, macht allerdings deutlich, dass noch längst nicht wieder alles gut ist, denn die Zahlen sind noch immer deutlich schlechter als seinerzeit. Damals gab es innerhalb von sieben Tagen die meisten Neuinfektionen zwischen dem 30. März und 6. April 2020, nämlich 38.093. Bei den Corona-Toten gab es in der ersten Welle die meisten Opfer zwischen dem 13. und 20 April 2020: genau 1.605. Hier liegen wir zum Glück wieder deutlich darunter.

Mehr als ein Drittel ist jetzt geimpft

Noch ein Blick auf die Impfungen: In den vergangenen sieben Tagen bis einschließlich 16. Mai wurden mehr als 4,8 Millionen Menschen geimpft. Inzwischen sind 30.743.232 Menschen mindestens einmal geimpft. Das sind 37,0 Prozent der Bevölkerung. 9.332.160 (11,2 Prozent) von ihnen haben bereits zwei Impfungen erhalten.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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