Im Live-Talk mit unserer Redaktion machte Prof. Dr. Carsten Watzl (im Foto rechts oben) einen Vorschlag, wie man Millionen Deutschen doch noch zu einem Urlaub verhelfen könnte, ohne deren Impfschutz zu gefährden. © Foto: Ostrowski
Corona-Impfungen

Dortmunder Forscher: Neue Impf-Regel könnte Millionen Deutschen den Urlaub retten

Die zweite Astrazeneca-Impfung gegen Corona erfolgt am besten nach zwölf Wochen. Dann aber ist der Urlaub gefährdet. Was also ist zu tun? Ein Dortmunder Professor hat eine geniale Idee.

Der Impfstoff von Astrazeneca hat derzeit keinen besonders guten Ruf. Das liegt nicht nur an der extrem selten auftretenden möglichen Nebenwirkung einer Hirnthrombose, sondern auch an dem empfohlenen Abstand zwischen der Erst- und der Zweitimpfung. Wenn man Astrazeneca als Erstimpfung erhalten hat, dann sollte die Zweitimpfung – egal, ob mit Astrazeneca, Biontech oder Moderna – erst nach 12 Wochen erfolgen, rät die Ständige Impfkommission.

12 Wochen bedeutet aber auch: Wer sich jetzt mit Astrazeneca impfen lässt, sollte frühestens Mitte August das zweite Mal geimpft werden. Wer dann noch zwei Wochen warten muss, bis diese Zweitimpfung auch für Vergünstigungen reicht, der hat den Sommer verpasst. Bei Biontech und Moderna muss man nur sechs Wochen warten und Johnson & Johnson braucht nicht einmal eine zweite Impfung. Auch deshalb sind diese Stoffe deutlich beliebter als Astrazeneca.

Das war auch der Grund, weshalb Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in der vergangenen Woche darauf hingewiesen hat, dass die Zulassung von Astrazeneca eine Zweitimpfung in der Spanne von vier bis zwölf Wochen beinhalte. Also könne man schon nach vier Wochen die Zweitimpfung erhalten und so den Sommerurlaub retten.

Keine gute Idee von Gesundheitsminister Jens Spahn

Das ist allerdings gar keine gute Idee des Herrn Spahn, sagt Prof. Dr. Carsten Watzl. Er ist Direktor am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund und leitet dort den Fachbereich Immunologie. Zudem ist er Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Er rät dringend dazu, es beim Abstand von zwölf Wochen zwischen beiden Impfungen zu belassen, denn: Die langfristige Wirksamkeit der Impfung hänge entscheidend von diesem Abstand ab. Je kürzer der ist, desto schlechter der Impfschutz, den man mit einer Impfung erhalte. Und dieser Abfall ist bei Astrazeneca erschreckend hoch: Die Wirksamkeit der gesamten Impfung sinkt bei einem auf sechs Wochen oder weniger verkürzten Intervall um rund 55 Prozent.

Aber was ist dann mit dem Urlaub? Auch dafür hat Prof. Watzl eine Idee und blickt dazu nach Österreich. Dort soll in Kürze bereits eine dreiwöchige Frist nach der ersten Corona-Schutzimpfung mit einem beliebigen Impfstoff ausreichen, um in den Genuss aller Freiheiten zu kommen, die vollständig Geimpften zuteil werden.

„Gerade bei Astrazeneca wäre das eine elegante Lösung, dass man sagt: Nach der ersten Impfung gelte ich schon für die Reisen jetzt im Sommer als geimpft und auch ausreichend geschützt“, sagte Watzl im Live-Talk unserer Redaktion zum Thema Impfen. „Natürlich darf man dann die zweite Impfung nicht vergessen“, sagte Watzl, „wir brauchen die zweite Impfung, um den Impfschutz besser und länger anhaltend zu machen. Aber das würde den Druck wegnehmen, dass Leute sich jetzt unbedingt, weil sie schnell weg wollen, schon nach vier Wochen impfen lassen und damit ihren Immunschutz aufs Spiel setzen.“

Professor Watzl hält ein solches Vorgehen für absolut verantwortbar: „Ich fände es viel besser, wenn wir eine solche pragmatische Lösung hätten.“ Dann könnten die Menschen eben in Urlaub fahren, sich danach ein zweites Mal impfen lassen und hätten den voll wirksamen Impfschutz. Und im übrigen würden Arztpraxen und Impfzentren nicht länger von Menschen überrannt, die schneller als geplant die zweite Impfung wollen.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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