Dunkle Wolken überschatten den Start der Außengastronomie in NRW

Zum Start der Außengastronomie gab es am zurückliegenden Wochenende vielerorts Regen. Doch nicht nur das Wetter könnte den Besuch von Biergärten und Außenterrassen von Gasthäusern bremsen.
Das schlechte Wetter könnte bei den Gastronomen am Wochenende vielerorts die Begeisterung über die Lockerungen bremsen. © dpa

Nach monatelangem Lockdown können die Gaststätten in gut der Hälfte aller kreisfreien Städte und Kreise in Nordrhein-Westfalen am Pfingstwochenende erstmals wieder ihre Biergärten und Außenterrassen öffnen. Viele Menschen freuen sich schon darauf. Doch nicht nur das von den Meteorologen erwartete regnerische Wetter könnte ihnen einen Strich durch die Rechnung machen.

Nur ein Drittel der Gastronomen werden die Lockerungen nutzen

Auch die nüchterne Kalkulation der Wirte dürfte so manchen geplanten Kneipenbesuch unmöglich machen. Nach Einschätzung des Branchenverbandes Dehoga NRW werden am Pfingstwochenende nur gut ein Drittel der Gastronomen von den Öffnungsmöglichkeiten der Außenbereiche Gebrauch machen.

Auch das Personal im NRW-Gastgewerbe könne knapp werden, weil viele Mitarbeiter nach dem langen Lockdown mittlerweile Arbeit in anderen Branchen gefunden hätten, warnte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Verband fordert die Öffnung der Innengastronomie

Der Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) NRW betonte am Donnerstag, dass vielen Wirten aktuell das wirtschaftliche Risiko auch wegen des vorhergesagten schlechten Wetters schlicht zu hoch sei. „Einerseits freuen wir uns, durch Öffnungen wieder einen ersten Schritt in Richtung Normalität tun zu können und unseren Gästen ein Angebot zu machen. Andererseits lohnt es sich häufig einfach nicht“, sagte Dehoga-Regionalpräsident Haakon Herbst.

Dies gelte umso mehr, da die Meteorologen Temperaturen um die 13 Grad und eine sehr hohe Regenwahrscheinlichkeit vorausgesagt hätten. Daher mache sich der Verband weiterhin für eine gleichzeitige Öffnung von Innen- und Außengastronomie stark.

Gewerkschaft warnt vor massiven Personalmangel

Dort wo Gäste inzwischen wieder in Räumen bewirtet werden dürfen, wie in Münster, seien auch deutlich mehr geöffnete Restaurants und Gaststätten zu erwarten. Die Gewerkschaft NGG warnte unterdessen vor einem massiven Personalmangel im NRW-Gastgewerbe.

„Es ist gut, dass die Außengastronomie bei Inzidenzen unter 100 nun endlich wieder öffnen kann“, sagte der NGG-Landesvorsitzende, Mohamed Boudih, am Donnerstag in Düsseldorf. „Aber vielerorts gibt es schon jetzt niemanden mehr, der die Gäste bedient.“

Fast ein Viertel der Beschäftigten sind in andere Branchen gewechselt

Hotels, Gaststätten und Restaurants im bevölkerungsreichsten Bundesland verzeichneten einen Fachkräfteschwund historischen Ausmaßes, sagte Boudih. Allein zwischen Juni 2019 und Juni 2020 hätten 43 000 Beschäftigte – und damit jeder achte Arbeitnehmer – in NRW die Branche verlassen.

Angesichts des Lockdowns seit dem Herbst sei mittlerweile möglicherweise fast ein Viertel aller Köche, Kellner und Hotelangestellten in andere Branchen abgewandert. Zu den Hauptgründen für den Personalschwund zählen nach Beobachtung der NGG die Einkommenseinbußen durch das Kurzarbeitergeld.

Innenbereiche können erst ab einer Inzidenz unter 50 geöffnet werden

Angesichts der niedrigen Löhne im Hotel- und Gaststättengewerbe kämen die Beschäftigten selbst mit 80 Prozent des Kurzarbeitergeldes ab dem siebten Bezugsmonat nicht über die Runden – und seien dazu gezwungen, sich beruflich umzuorientieren. Liegen in Nordrhein-Westfalen die Sieben-Tage-Inzidenzen stabil unter 100, dürfen Gaststätten draußen wieder Besucher bewirten.

Das ist zum Pfingstwochenende in gut der Hälfte der Kreise und kreisfreien Städte des bevölkerungsreichsten Bundeslandes der Fall. Innenbereiche können erst ab einer Inzidenz von unter 50 geöffnet werden.

dpa

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