Jahresrückblick

Ein Seehund im Rhein und „Wilmas“ Mops-Augen: Tierisches im Jahr 2020

Im bevölkerungsreichsten Bundesland haben sich Tiere aller Art auch 2020 behaupten können - und es viele Male in die Schlagzeilen geschafft. Nicht immer waren die Nachrichten lustig.
Ein Robbe ist im Februar im Rhein gesichtet worden. Dem Düsseldorfer Aquazoo Löbbecke Museum zufolge handelte es sich dem Augenschein nach um einen Seehund. © picture alliance/dpa

Alleinreisende Tiere im Nahverkehr, ein Seehund im Rhein und ein juristisches Tauziehen um einen Mops: Tierische Schicksale haben 2020 in Nordrhein-Westfalen wieder für manches Schmunzeln und Erstaunen gesorgt. Etwa in Iserlohn, wo sich im Februar eine schwarzfahrende Hündin in einen Bus schlich und Platz nahm. Der Fahrer der Linie 1 wählte den Notruf und ließ die dickfellige Passagierin drei Kilometer weiter an einer Haltestelle rausspringen – exakt vor einer Wache. Dort warteten schon zwei Polizisten mit einer Leine auf sie.

Eine Polizistin und ein Polizist stehen mit einer schwarzfahrenden Hündin an einer Bushaltestelle.
Eine Polizistin und ein Polizist stehen mit einer schwarzfahrenden Hündin an einer Bushaltestelle. © picture alliance/dpa/Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis © picture alliance/dpa/Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis

In Köln nahm im August ein anderer Hund dagegen die S-Bahn. Ein aufmerksamer Reisender kümmerte sich um den kleinen Vierbeiner und übergab ihn an die Bundespolizei. Beachtung fand auch ein wildlebender Seehund, der im Februar im Rhein gesichtet worden war. Es sei selten, aber nicht ungewöhnlich, dass im Rhein ein Seehund auftauche, erklärte Zoodirektor Jochen Reiter vom Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf damals.

Seehunde seien pfiffig und Süßwasser sei kein Problem für sie. Das Tier suchte offenbar schnell das Weite – und ward nicht mehr gesehen. Bereits 2014 und 2003 war in Düsseldorf eine Robbe im Rhein entdeckt worden. Beide Male entwischten die vermutlich aus der Nordsee stammenden Tiere wieder. 1966 hatte sich sogar ein Beluga-Wal in den Rhein verirrt.

Aggressiver Vogel attackierte Jogger in Bocholt

Nicht immer blieben wilde Tiere auf Distanz. So attackierte im Mai eine Krähe in Bochum mehrere Passanten. Einem Mann soll der Vogel sogar eine blutige Kopfwunde verpasst haben. In Bocholt soll sich im Juli ein Vogel sogar auf den Kopf eines Joggers gesetzt haben und mit dem Schnabel gepickt haben. Passanten eilten dem Mann zur Hilfe. Warum das Tier so aggressiv war, blieb unklar. Die Polizei vermutete, dass es sich um einen Bussard gehandelt haben könnte.

Andere Tiere taten genau das, was sie tun sollen: Drogen aufspüren zum Beispiel. So erschnüffelte die Drogenspürhündin „Blanca“ bei einer Zollkontrolle auf der A52 nahe der niederländischen Grenze im März in einem Kofferraum 165 Kilogramm Haschisch im Marktwert von über 1,3 Millionen Euro. 2020 ging im Frühjahr auch der erste Drogenspürhund, der vor zehn Jahren seinen Dienst in den NRW-Gefängnissen angetreten hatte, mit elf Jahren in den Ruhestand. In ihrer Dienstzeit hatte „Gina“ mit ihrer Spürnase 291 Mal Drogen erschnüffelt. Sie durfte anschließend bei ihrem Hundeführer bleiben.

Gerichtsstreit um die Mops-Dame „Wilma“

Ein anderer Hund beschäftigt weiter die Justiz: Mops-Dame „Wilma“. Sie war unter dem Namen „Edda“ bei einer Familie gepfändet und später von dem Vollstreckungsbeamten der Stadt Ahlen über Ebay-Kleinanzeigen verkauft worden. Da der Mops als gesund angeboten wurde, laut seiner neuen Besitzerin aber unter anderem an den Augen erkrankt war, hatte sie sowohl Betrugsanzeige gegen den Mann erstattet, als auch die Stadt Ahlen verklagt.

Die Mopshündin «Wilma» sitzt in einem Wohnzimmer auf einem Tisch.
Die Mopshündin „Wilma“ sitzt in einem Wohnzimmer auf einem Tisch. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Die Ermittlungen gegen den Vollzugsbeamten wurden im Juni eingestellt. Der Zivilprozess vor dem Landgericht Münster läuft noch. Aktuell gibt es laut dem Anwalt der Klägerin Streit um Gutachten zu „Wilmas“ Augen. Der Hündin gehe es „besser denn je, denn ihr Frauchen kümmert sich hervorragend um das Tier“, erklärte Anwalt Wolfgang Kalla Ende November auf dpa-Anfrage.

Ausgebüxte Tiere verschlug es auch nach NRW

Es gab auch Exotisches: In Ostwestfalen fingen Feuerwehrleute im November ein ausgebüxtes Stachelschwein in einem Carport ein. Es war einem Privatmann entwischt. In Iserlohn waren Zoo-Lamas auf der Flucht. Nach der mühsamen Einfangaktion sagte ein Polizeisprecher: „So lahm sind die dann doch nicht.“ Aus den Niederlanden kam das Känguru „Boomer“, aber weit kam es nicht: In der Städteregion Aachen wurde es im Juli wieder eingefangen.

Lamas stehen auf einer Strasse in Iserlohn.
Lamas stehen auf einer Strasse in Iserlohn. © picture alliance/dpa/Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis © picture alliance/dpa/Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis

Ausgebüxt war im Juni auch ein ganz normaler Ziegenbock im sauerländischen Werdohl. Beamte brachten das Tier zurück zum Eigentümer – und mussten anschließend ihren Streifenwagen und die Dienstmütze des Praktikanten von einem Häufchen reinigen. „Für das Tierwohl haben die Beamten es gern getan“, behauptete die Pressestelle damals.

Schäferhund rettete Mann das Leben

Es gab auch traurige Tier-Nachrichten: In der Silvesternacht brannte das Affentropenhaus des Krefelder Zoos ab. Sogenannte Himmelslaternen sollen das Feuer verursacht haben. Mehr als 50 Tiere verendeten. In der Kölner Innenstadt wurde eine „Helena“ genannte Schwänin mit einem Luftgewehr beschossen. Sie starb daran. Der unbekannte Täter soll außerdem die Eier aus dem Schwanen-Nest genommen und zerstört haben.

Feuerwehrleute stehen nach Löscharbeiten vor dem Affenhaus im Krefelder Zoo.
Feuerwehrleute stehen nach Löscharbeiten vor dem Affenhaus im Krefelder Zoo. © picture alliance/dpa/Andreas Drabben © picture alliance/dpa/Andreas Drabben

Und noch ein Schicksal hat berührt: In Freudenberg warnte im September ein Schäferhund seinen Besitzer nachts vor einem Feuer im Haus. Der 44-Jährige konnte sich noch durch einen Sprung aus dem Fenster aus der bereits in Flammen stehenden Wohnung retten. Den Hund musste er zurücklassen. Das Tier starb.

dpa

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