Vielen Schülern wird der Weg zum Schnelltestzentrum nun erspart. Sie können seit dieser Woche in der Schule eine Bescheinigung über ihr Ergebnis bekommen. Für die Schulen bedeutet das bei 1600 Tests pro Woche richtig viel Aufwand. © dpa
Schnelltests

„Ein Unding“: Lehrer müssen negative Testergebnisse bescheinigen

Bis vor wenigen Tagen mussten Schulkinder doppelt zum Schnelltest, wollten das negative Ergebnis bescheinigt haben. Seit Anfang der Woche stellen auch Schulen diese aus. Das sorgt für Ärger.

Für viele Freizeitaktivitäten müssen Schülerinnen und Schüler derzeit negative Schnelltestergebnisse vorweisen. Für den Schulbesuch werden die Kinder zwar ohnehin getestet, aber erst seit Beginn dieser Woche können die Schulen darüber auch eine Bescheinigung ausstellen. Zuvor mussten die Kinder doppelt zum Test.

Die Möglichkeit, in der Schule auf Antrag eine Bescheinigung zu bekommen, klingt nach einer Verbesserung der Lage und viele Eltern sind erleichtert darüber, nun auf dem Weg zu Musikschule oder Sportverein nicht auch noch ein Testzentrum ansteuern zu müssen. Zudem verursachte der doppelte Test auch unsinnige Mehrkosten. In den Schulen ist man über die neue Aufgabe aber alles andere als begeistert.

Schultests sind Zeitfresser

Mit dem Schulstart für alle am vergangenen Montag verdoppelte sich natürlich auch von jetzt auf gleich die Zahl der auf einmal zu testenden Schülerinnen und Schüler. Und die Testung einer kleineren Gruppe lässt sich natürlich hinsichtlich Vorbereitung, Disziplin und Ordnung viel leichter organisieren als bei einer großen Gruppe. „Doppelt so viele heißt dann auch fast doppelt so lange“, erklärt Jennifer Lach, Leiterin der Willy-Brandt-Gesamtschule in Bergkamen. „Und für das Ausstellen der Bescheinigung kommt dann nochmal etwas hinzu.“

Bescheinigung gibt es nicht im Sekretariat

Denn einfach in der Pause ins Sekretariat zu gehen und eine Bescheinigung abzuholen, das geht leider nicht. „Denn die Bescheinigung darf nur unterschreiben, wer die Tests überwacht hat“, erklärt Jennifer Lach. Also der Lehrer, in dessen Unterrichtsstunde am Morgen der Test durchgeführt wurde. Das ist somit nicht zwingend der Klassenlehrer.

Rechtsklauseln für die Unterschreibenden

Hinzu kommen Rechtsklauseln auf dem Formular, dessen Inhalte auch auf eine gewisse Haftung des Unterschreibenden hinweisen. „In einem Testzentrum ist die Betreuuung dabei 1:1 – und der Betreuer nimmt den Test auch noch selbst vor“, erklärt Bärbel Heidenreich, Schulleiterin am Städtischen Gymnasium Bergkamen. „Bei uns beaufsichtigt aber eine Lehrkraft 30 Kinder auf einmal und soll dann attestieren, dass der Test korrekt ausgeführt wurde“, beschreibt Bärbel Heidenreich das Dilemma, in dem etliche Lehrkräfte stecken. „Das ist eigentlich ein Unding, das guten Gewissens zu unterschreiben.“

Aufwand auf Kosten der Unterrichtszeit

Doch nicht nur die eigene Unterschrift muss auf die Bescheinigungen, ebenso muss eingetragen werden, um wieviel Uhr der Test erfolgte, welchen Namen der Test trägt und von welcher Firma er stammt. „Das ist ein immenser Aufwand“, sagt Jennifer Lach, zumal nicht alle Eintragungen auf dem Formular vorgefertigt werden könnten. „Das geht alles auf Kosten der Unterrichtszeit – und wenn in einer Deutschstunde getestet werden muss, dann ist das so.“

Abhalten von der eigentlichen Arbeit

Mit den Testungen habe man sich inzwischen arrangiert, zumal sie zum Schutz aller sinnvoll seien. „Aber bei den Bescheinigungen fehlen mit die Worte – wobei: Sie fehlen mir nicht, aber ich darf sie nicht sagen“, sagte Bärbel Heidenreich. „Wir bekommen hier immer mehr Aufgaben, die uns von unserer eigentlichen Arbeit fernhalten.“ Denn, so rechnet die Schulleiterin vor: Bei zwei Testungen pro Woche reden wir von 1600 Bescheinigungen, die wir unterschreiben.“ In der Schule sollte es doch eher um Bildung gehen.

Zeit müsste den Schülern gewidmet werden

Und auch darin sind sich die beiden Schulleiterinnen einig: Eigentlich müsste es darum gehen, sich um die die Schüler zu kümmern – mit Blick auf ihr Befinden, ihr Sozialverhalten, ihren Lernstand. „Wir brauchen doch die Zeit, um die Lernlücken aufzudecken – und ich rede da nicht von auffüllen“, so Jennifer Lach.

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