Das Landgericht Bochum hat eine 33-Jährige in die geschlossene Psychiatrie © picture alliance/dpa
Prozess

Ekelerregende Angriffe auf Anwaltskanzleien: 33-Jährige muss in die Psychiatrie

Urin-Geschosse, Schmierereien mit Fäkalien, zerstörtes Büro-Inventar: Eine 33-jährige Hernerin hat auf unterschiedliche Art in Anwaltskanzleien randaliert. Jetzt muss sie in die Psychiatrie.

Nach einer Serie von mutmaßlichen Wut- und Gewaltausrastern ist eine psychisch kranke Frau (33) aus Herne am Bochumer Landgericht in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden. Im Mittelpunkt des Prozesses standen obszöne Schimpf-Kanonaden, absichtliche Auto-Attacken und zahlreiche ekelerregende Vorfälle mit Urin. Gleich mehrere Rechtsanwaltskanzleien gehörten zu den Opfern.

Richter Thorsten Fülber sprach am Donnerstag beim Urteil von „tiefsitzenden Ekelgefühlen“ und „Bildern der Verwüstung“. In mehreren Rechtsanwaltkanzleien in Herne hatte die 33-Jährige zwischen November 2019 und April 2020 teils wie von Sinnen randaliert, dabei Sicherheitstüren zerstört, Blumenkübel umgestoßen und Akten durch die Gegend geworfen. Eine Gegensprechanlage war von der Frau zudem so intensiv mit Kot beschmiert worden, dass eine aufwändige Spezialreinigung nötig war.

Mann nach Auseinandersetzung absichtlich angefahren

Darüber hinaus war die Beschuldigte zudem in den Anwaltskanzleien mehrfach mit einem Urin-gefüllten Gurkenglas aufgetaucht, hatte Angestellte mit dem Inhalt übergossen, mal das Glas als Wurfgeschoss in Richtung der Empfangstheken geschleudert und dabei Mitarbeiterinnen mit Urin besudelt. Auch in einer Zahnarztpraxis an der Bochumer Straße, in der sich die Hernerin vor Jahren vergeblich um eine Ausbildung beworben hatte, hatte sich eine solche Ekel-Szene abgespielt.

Im Oktober 2019 hatte die 33-Jährige zudem auf dem Parkplatz hinter dem Justizzentrum in Bochum erst eine Zeugin mit hässlichen Beleidigungen übersät und der von ihr angegriffenen Frau dann im Gerangel auch noch zwei Plastikfingernägel abgebrochen haben. Auf einen Mann, der damals helfend eingegriffen hatte, war die 33-Jährige anschließend auch noch mit ihrem VW Golf zugefahren und hatte den Mann leicht an den Knien touchiert.

Zahlreiche Straftaten wurden nicht bestraft

Seit 2015 waren zahlreiche Straftaten der Beschuldigten mit Blick auf eine bei ihr nach Aktenlage angenommene Schuldunfähigkeit stets eingestellt worden. „Das hat sie wohl als eine Art Freifahrtschein verstanden“, sagte Richter Thorsten Fülber. Das Gericht stufte die wahnhaft kranke, aber bisher jede Medikation ablehnende Serientäterin am Ende als vermindert schuldfähig – und ohne jeden Zweifel als unberechenbar und allgemeingefährlich ein.

Die gleichzeitig zu der Psychiatrie-Einweisung im Urteil verhängte Haftstrafe von zweieinhalb Jahren kommt nur dann zum Tragen, wenn die Ärzte die Frau vor Ablauf der Haftstrafenzeit als geheilt einstufen würden.

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