Der angeklagte Fußballer mit seinem Verteidiger vor dem Essener Landgericht. © Martin von Braunschweig
Betrug

Ex-Schalker soll durch „Scheintod“ Versicherung um 1,2 Millionen geprellt haben

Der 35-Jährige galt als talentierter Abwehrspieler. Jetzt ist er froh, selbst einen guten Verteidiger zu haben. Seit Montag steht er vor Gericht – weil er seinen Tod vorgetäuscht haben soll.

Einen solchen Medienrummel wie am Montag wird der Angeklagte in seiner Zeit als aktiver Fußballer wohl niemals ausgelöst haben. Zahlreiche Kameras waren auf den 35-Jährigen gerichtet, als um 9.30 Uhr im Essener Landgericht der Betrugsprozess aufgerufen wurde.

Zusammen mit seiner mitangeklagten Ehefrau soll der Ex-Fußballer aus Marl seinen Tod vorgetäuscht haben, um 1,2 Millionen Euro aus einer erst kurz zuvor abgeschlossenen Risiko-Lebensversicherung zu kassieren.

Versicherung zahlte 1,2 Millionen Euro aus

Die heute 41-jährige Frau reichte im Januar 2016 bei der Versicherung eine Reihe von Dokumenten ein, aus denen hervorging, dass der Ex-Fußballer wenige Tage zuvor bei einem Autounfall in seiner kongolesischen Heimat verstorben sei. Die Versicherung prüfte den Fall eingehend und zahlte schließlich im Dezember 2016 das Geld aus.

Dass die Ehefrau die Summer samt Zinsen zurückzahlen muss, ist eine der wenigen Tatsachen, die in dem merkwürdigen Fall klar und eindeutig sind. Denn im März 2018 war der Marler völlig überraschend in Kinshasa aufgetaucht und hatte bei der Botschaft erklärt, er sei keineswegs tot, sondern lediglich von Unbekannten entführt und festgehalten worden.

Im Prozess will der 35-Jährige allerdings weder darüber noch über das Verhältnis zu seiner Frau und zum Geld sprechen. „Wir werden keine Angaben machen“, erklärte sein Verteidiger am Montag.

Auch die Ehefrau des Ex-Fußballers sagte selbst nicht viel. Ihr Verteidiger erklärte aber zumindest, dass seine Mandantin „zu keiner Zeit strafrechtlich relevantes Verhalten an den Tag gelegt“ habe. Die 41-Jährige sei von der Todesnachricht im Januar 2016 „schockiert“ gewesen. „Und genauso ergriffen war sie, als ihr Mann 2018 dann wieder lebendig auftauchte“, sagte der Anwalt.

Hat die Witwe ihren Mann zu recht für tot erklärt?

Das Gericht muss nun klären, wer in diesem Kriminalfall welche Rolle gespielt hat. Hat eine trauernde Witwe ihren Mann nach dessen Verschwinden für tot erklären lassen und die Versicherungssumme völlig zu Recht kassiert? Oder heckten beide Angeklagten gemeinsam einen Betrugsplan aus, um zu Millionären zu werden?

Auf dem Fußballplatz hat es für den 35-Jährigen dafür jedenfalls nie gereicht – nach seiner Zeit in verschiedenen Jugendteams des FC Schalke 04 war er erst in die zweite Mannschaft der Königsblauen und schließlich über Gladbeck und Borken zum VfB Hüls gewechselt.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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