Das Bild zeigt den Angeklagten Lars H. beim Prozessauftakt an der Seite seiner drei Verteidiger. © wvb
Landgericht Bochum

Fall Marvin: Vernehmung des wichtigsten Zeugen erneut geplatzt

Im Prozess um den Fall Marvin ist die Vernehmung des Hauptbelastungszeugen Marvin erneut geplatzt. Die Richter wollten ihn diesmal unbedingt befragen - waren aber am Ende wieder machtlos.

Mehr als fünf Monate nach dem Auftakt im Prozess um den Vermisstenfall Marvin konnte der heute 16-jährige Hauptbelastungszeuge immer noch nicht vernommen werden. Am vergangenen Samstag platzte am Bochumer Landgericht abermals ein Vernehmungstermin – denn Marvin selbst weilt zurzeit in Quarantäne.

Der wegen Kinderporno-Besitzes vorbestrafte Lars H. soll den anfangs 13-jährigen Marvin jahrelang in seiner Wohnung im Süden von Recklinghausen versteckt, mit Geld und Zigaretten belohnt und hundertfach missbraucht haben. Entdeckt wurde Marvin Ende 2019 bei einer Kinderporno-Razzia in der Wohnung des Angeklagten in einem Kleiderschrank.

Vernehmung Marvins in separatem Sitzungssaal

Ein genesener Schöffe, moderne Videotechnik, Sonderschichten in der Wachtmeisterei: Für eine Vernehmung Marvins standen am Samstag am Bochumer Landgericht alle Ampeln auf Grün. Nach monatelangen Uneinigkeiten zwischen Nebenklage und Gericht über die Vernehmungsform (Ausschluss des Angeklagten Lars H. – ja oder nein?), war für Marvin extra ein separater Sitzungssaal mit Audio-/Videotechnik ausgestattet worden, so dass eine direkte Konfrontation mit seinem mutmaßlichen Peiniger nicht möglich ist. Bild und Ton von den Aussagen des 16-Jährigen sollten dann in den Verhandlungssaal mit allen anderen Prozessbeteiligten übertragen werden.

Marvin begibt sich freiwillig in Quarantäne

Wie bekannt wurde, erreichte die Bochumer Richter im Verlaufe des Vormittags dann jedoch die Mitteilung, dass sich Marvin selbst aktuell freiwillig in Quarantäne begeben hat, weil er kürzlich mit einem später positiv auf das Corona-Virus getesteten Betreuer in einem Pkw gesessen haben soll. Den Bochumer Richtern reichte dies mangels einer offiziellen Quarantäne-Anordnung zunächst wohl nicht als Entschuldigungsgrund aus. Angeblich gab es sogar Pläne, Marvin mit einem Taxi oder einem Gerichtsfahrzeug durch Wachtmeister abholen zu lassen. Weil Nebenklage-Anwältin Marie Lingnau später erklärt haben soll, dass sie partout nicht mit Marvin in einem Raum sitzen möchte, platzte am Ende aber auch dieser Vernehmungstermin – wie aus anderen Gründen zuvor schon Termine im Juni, Juli und August.

Prozess soll noch in diesem Jahr beendet werden

Wie es heißt, läuft die Quarantänezeit von Marvin am Mittwoch (25.11.) ab. Danach wird wohl erneut ein Zeugentermin anberaumt werden. Um den Prozess möglichst noch in diesem Jahr beenden zu können, haben die Richter zahlreiche Termine im Dezember angesetzt, aktuell bis zum 18. Dezember.

Zuletzt mussten im Marvin-Prozess wegen einer Corona-Infektion bei einem Laienrichter bereits mehrere Termine gestrichen werden. Alle Richter der 8. Strafkammer standen wegen des Coronafalls in den eigenen Reihen zwei Wochen unter behördlicher Quarantäne.

wvb

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt