Die Feuerplatte - hier mit Rispentomaten und Nierenzapfen - gibt es als gusseisernen Aufsatz für den Kugelgrill. © dpa-tmn
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Feuerplatte bis Karotten-Hotdog: Das sind die Trends rund ums Grillen

Wenn der Nachbar den Grill anschmeißt, duftet es immer so verführerisch. Hat er grilltechnisch aufgerüstet? Verwendet er extra Holzchips? Was gerade angesagt ist, verraten Grill-Experten.

Aus Sicht der Konsumgüterschau Ambiente wird das Grillen ein Trend. Moment, ein Trend? Aber das ist doch schon immer beliebt. Trotzdem gibt es da laut Nicolette Naumann, der Trendanalystin und Bereichsleiterin der Messe in Frankfurt, in diesem Jahr eine merkliche Steigerung. „Denn wir geben unser Geld ja aktuell coronabedingt nicht für zum Beispiel große Reisen aus, daher haben wir mehr übrig für die Ausstattung des Balkons und des Gartens. Und wir stecken das Geld etwa in hochwertige Grillgeräte.“

Trends bei den Grillgeräten

Im Trend sei etwa der American Smoker. Anders als beim üblichen Grill liegen hier Speisen nicht direkt über dem Feuer, sondern werden in Heißluft oder Rauch gegart. Außerdem lassen sich neue Hybridmodelle mit Kohle und Gas nutzen. Man kann die Energieträger entweder wechselweise nutzen und die Heizart schnell umbauen oder sogar Kohle und Gas gleichzeitig einsetzen, heißt es im Trendbericht zur Gartenfachmesse Spoga+Gafa.

Es findet sich eine Vielzahl an Modellen oder Einsätzen im Handel, mit denen man auch backen und kochen kann. Laut Trendbericht gibt es zum Beispiel eiförmige Modelle im klassisch-japanischem Kamado-Stil. Sie eignen sich zum Brotbacken und indirekten Grillen.

Grillbuch-Autor Andreas Rummel sieht den eiförmigen Keramikgrill als einen typischen Zweitgrill für „long Jobs“. „Darin hält sich unheimlich lange konstante Hitze, also wie gemacht für Spareribs oder Pulled Pork, die darin für rund 12, 13 Stunden bleiben können“, erklärt der Grillmeister und Betreiber des YouTube-Kanals „Rummel Grill TV“. Er würde in den Holzkohlegrill auch Holzchips mit hineingeben – für extra rauchigen Geschmack.

Trends beim Zubehör

Neben der Professionalisierung des heimischen Grillens wird die Zubereitung an sich weit ausgebaut. „Immer mehr Hersteller springen auf den Zug auf, das Grillen multifunktional zu machen“, sagt Oliver Quaas, Grill-Blogger („Living BBQ“) und Barbecue-Vize-Europameister von 2016. Je mehr Equipment für das Grillen zur Verfügung steht, desto ausgiebiger kann gegrillt werden. Deshalb stehe mehr und mehr Zubehör mit Entertainment-Charakter im Fokus, wie etwa Feuerplatten.

„Die gusseisernen Ringe, mitunter auch BBQ-Disk oder Feuerplatte genannt, kommen als Aufsätze etwa auf Feuertonnen oder Kugelgrills“, erklärt Oliver Quaas. In der Mitte ist ein Loch, durch das die Grillkohle sichtbar ist und auf dem Ring landet das Grillgut. Aufgelegt unter Umständen nicht nur von einem einzelnen Grillmeister, sondern durch mehrere Griller, die sich ums Feuer herum stellen. „Da steht das gemeinschaftliche Grillen im Vordergrund. Das ist sehr gesellig und wird so zum Event.“

Auch der Drehspieß gewinnt laut Quaas an Beliebtheit. Dafür hat er ein Rezept mit Würfeln aus mariniertem Kalbsrücken, die abwechselnd mit Paprika und mit Speck ummantelten Camembert-Ecken aufgespießt und rund 20 Minuten gegart werden – zunächst indirekt und erst am Ende direkt über der Hitze.

Trends auf dem Rost

Um das Thema Fleisch kommt man zwar auch in dieser Saison nicht herum, ist sich Andreas Rummel sicher. Aber er ist überzeugt, dass auch auf der vegetarischen Schiene viel läuft: „Das merke ich bei meinen Grillkursen. Bei dem Thema gehen die Teilnehmer ab wie Schmitz Katze.“

Rummel vermittelt dabei nicht etwa Zubereitungswissen rund um Tofu oder Wurstersatz-Produkte, sondern Tricks und Kniffe auf Basis von Gemüse. Seine Devise: „Es gibt so tolles Gemüse. Schmeißt es nicht in heißes Wasser, sondern auf den Grill!“

Mit Veggies der Held am Grill

Porree sei so ein Kandidat: „Die Lauchstangen kommen ohne den oberen grünen Teil auf den Grill, bis sie schwarz sind. Das Schwarze pellt man dann ab, würzt den gegrillten Porree mit Salz und Olivenöl, und man ist der Held“, verrät Rummel. Noch ein Tipp: Die Wurzeln beim Grillen dran lassen, sie kokeln auf dem Grill und sorgen für eine schöne Rauchnote.

Ein weiterer Veggie-Renner ist der Karotten-Hotdog: Dazu am Vortag Karotten schälen, leicht salzen und in einen Gefrierbeutel füllen und tiefkühlen. Am nächsten Morgen wieder auftauen lassen. „Dann sind die Karotten weich wie Gummi, weil das Wasser aus den Zwischenräumen der Zellen rausläuft und den Möhrchen neue Struktur gibt“, erklärt Andreas Rummel. Anschließend kommen sie wie Würste auf den Grill und schließlich zusammen mit Coleslaw, Senf und Röstzwiebeln zwischen zwei leicht gegrillte Brötchenhälften.

Mit Tacos zum Gemeinschaftserlebnis

Rummel hat noch eine Wundertüte auf Lager: Tacos. Dafür werden Steaks, Fisch und Gemüse gegrillt und klein geschnitten. Die Stückchen kommen zusammen mit Zwiebel, Koriander und Soßen in leicht angewärmte Taco Shells – fertig! „Da können alle aus der Grillrunde je nach Geschmack ihren eigenen Taco kreieren. Das ist kommunikativ und genial, um seinen Kühlschrank aufzuräumen“, so Rummel.

Auch Oliver Quaas empfiehlt ein Taco-Rezept, allerdings mit Hühnchen. Wichtig sei, die Hähnchenbrustfilets bereits vor dem Grillen in Streifen zu schneiden. Da die Form der Filets recht unregelmäßig ist, könne es sonst passieren, dass eine Seite bereits durch, die andere aber noch roh ist.

Bevor die Streifen auf den Grill kommen, werden sie mariniert – in Sojasoße, Weißweinessig, Olivenöl, Taco & Burrito Gewürz, braunem Zucker, etwas grobem Meersalz und frisch gemahlenem Pfeffer. Nach dem Grillen werden die Streifen wie bei einem Pulled Chicken mit der Gabel etwas zerrupft und kommen mit Käsesoße, mariniertem Rotkohl und gegrillter Limette in die Taco Shells.

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