Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigt, auf den Intensivstationen dagegen stehen viele Betten leer. Und nicht nur von dort kommen hoffnungsfroh stimmende Daten. © picture alliance/dpa
Corona-Wochen-Bilanz

Glänzende Daten zur Corona-Pandemie trotz weiter steigender Zahl der Fälle

Es klingt paradox: Während die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus weiter steigt, zeigen andere Pandemie-Daten glänzende Werte. Das dürfte nicht ohne Folgen für unser Leben sein.

Seit etwa vier Wochen steigt die Zahl der neuen Corona-Infektionen wieder. In den ersten beiden Corona-Wellen im Frühjahr 2020 sowie im vergangenen Winter schossen pünktlich zwei Wochen nach den Infektionszahlen auch die Zahlen der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen und die Zahl der Corona-Toten in die Höhe. Das war bei der dritten Welle im Frühjahr 2021 nur noch in extrem abgeschwächter Form zu beobachten und jetzt gilt das überhaupt nicht mehr, ganz im Gegenteil.

Während auch in der vergangenen Woche die Zahl der Neuinfektionen weiter gestiegen ist und die 7-Tage-Inzidenz inzwischen bei 17,8 liegt (vor einer Woche: 14,3), zeigt sich auf den Intensivstationen ein gänzlich anderes Bild.

Dort werden nach den Daten des Intensivregisters aktuell 362 Patientinnen und Patienten mit Covid-19 behandelt. Das sind exakt so viele wie vor einer Woche. Weniger waren es zuletzt in der Woche vom 5. bis 12. Oktober 2020 mit 286 Patienten.

Noch positiver ist das Bild bei den Corona-Patienten, die beatmet werden müssen. Ihre Zahl ging im Vergleich zur Vorwoche um 15 auf jetzt 181 zurück. Weniger Beatmungspatienten waren es zuletzt vor fast elf Monaten, zwischen dem 14. und 21. September (145).

Die Zahl der Corona-Toten und der Blick in den Oktober 2020

Auch bei der Zahl der Menschen, die an oder mit einer Coronainfektion gestorben sind, gibt es eine sehr gute Entwicklung. Im Vergleich zur Vorwoche sank die Zahl der Todesfälle um 31 auf jetzt 133. Das ist der niedrigste Wert seit der Woche vom 5. bis 12. Oktober 2020, als es 87 Tote zu beklagen gab.

All diese Zahlen zeigen, dass die vergangenen Corona-Wellen definitiv nicht miteinander zu vergleichen sind. Im Gegensatz zu den ersten beiden Wellen, als es noch keine Impfungen gab, sind inzwischen mehr als die Hälfte der Bevölkerung vollständig geimpft und annähernd zwei Drittel zumindest einmal. Das hat zur Folge, dass hohe Fallzahlen heute definitiv nicht mehr automatisch hohe Intensiv- und Todeszahlen nach sich ziehen.

Sinnvoll ist es, die Infektionszahlen genauer zu betrachten. Dabei zeigt sich, dass vor allem die Risikopatienten und ältere Menschen, denen bei einer Infektion ein schwererer Krankheitsverlauf als jüngeren Menschen droht, einen hohen Impfschutz haben. Während die 7-Tage-Inzidenz bei den über 50-Jährigen bei deutlich unter 10 liegt, ist sie in den Altersgruppen zwischen 15 und 34 besonders hoch: Bei 15- bis 19-Jährigen liegt sie bei 40, bei den 20- bis 24-Jährigen bei 45, bei den 25- bis 29-Jährigen bei 33 und bei den 30- bis 34-Jährigen bei 23.

Drei Konsequenzen scheinen unausweichlich zu sein

Vor diesem Hintergrund scheinen drei Konsequenzen absolut notwendig:

1. Die 7-Tage-Inzidenz kann nicht länger der alleinige Maßstab für die Entscheidung sein, ob die Freiheitsrechte der Menschen zum Schutze aller einschränkt werden oder nicht. Die Entscheidung der nordrhein-westfälischen Landesregierung der vergangenen Tage, eine Verschärfung der Maßnahmen auszusetzen, wenn die Inzidenz den Wert von 50 überspringt, ist daher nachvollziehbar. Allerdings ist das zunächst nur eine Einzelfallentscheidung. Sinnvoll wäre es, wenn sich alle Bundesländer möglichst schnell auf neue Maßstäbe und Richtlinien verständigen würden.

2. Um die Pandemie weiter einzudämmen ist es wichtig, dass jetzt auch die Menschen mit besonders hohen Infektionsraten, also die 15- bis 34-Jährigen rasch geimpft werden. Aufsuchende Angebote müssen dafür dringend weiter ausgebaut werden.

3. Obwohl die Verlockung groß ist, eine Impfpflicht einzuführen, ist das in Deutschland kaum durchsetzbar. Es gibt Menschen, die sich aus nachvollziehbaren gesundheitlichen Gründen etwa nach einer Chemotherapie nicht impfen lassen dürfen. Sie sind im Folgenden nicht gemeint.

Aber jene, die sich aus freien Stücken gegen eine Impfung entscheiden, sollten durchaus merken, dass damit Nachteile verbunden sind. Etwa, indem sie künftig ohne Impfung keinen Zutritt mehr zu Orten haben, die nur Geimpften offen stehen wie Restaurants, Sporthallen, Kinos oder Theater. Oder, indem sie solche Orte nur mit einem Test aufsuchen dürfen, den sie dann allerdings auch selbst bezahlen sollten. Schließlich ist es überhaupt nicht einzusehen, dass die Allgemeinheit die Kosten für jene übernimmt, die sich zwar nicht impfen lassen, aber gleichwohl die Rechte von Geimpften in Anspruch nehmen wollen und damit sich und andere gefährden.

Der Blick nach Frankreich

In Frankreich werden übrigens Beschäftigte im Gesundheitswesen, die sich bis Mitte September nicht impfen lassen, vom Dienst freigestellt und bekommen auch kein Geld. Das klingt nachvollziehbar. Es ist allerdings kaum vorstellbar, dass sich Deutschland gerade kurz vor der Bundestagswahl zu einem ähnlichen Schritt durchringen kann.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
Zur Autorenseite
Ulrich Breulmann

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.