Coronavirus

Kampf gegen Corona: Schutz- und Test-Hersteller in NRW stocken auf

Masken, Vliesstoffe, Schnelltests - in der Corona-Krise geht die Nachfrage nach Medizintechnik und Schutzstoffen durch die Decke. Die Branche stockt ihre Kapazitäten auf und schafft neue Stellen.
Eine Mitarbeiterin des Medizintechnik-Herstellers „nal von minden“ fährt bestellte Corona-Schnelltests aus dem Lager. Der Umsatz des Unternehmens explodierte von 20 Millionen Euro 2019 auf 180 Millionen Euro 2020. © picture alliance/dpa

Ende Oktober standen die Lastwagen Schlange vor der Verladerampe des Medizintechnik-Herstellers Nal von Minden in Moers: „Wir wurden überrollt von Aufträgen für unseren Corona-Schnelltest“, erzählt Geschäftsführer Roland Meißner, „das waren vier Wochen Chaos“. Dann hatte die Firma in Moers 30 bis 40 neue Mitarbeiter eingestellt und 200 weitere über externe Logistiker befristet verpflichtet.

Ein Beispiel für deutlich gewachsene Kapazitäten und neue Stellen in der Branche durch den Kampf gegen die Corona-Pandemie. Der Umsatz des Unternehmens mit Schnelltests explodierte von 20 Millionen Euro 2019 auf 180 Millionen Euro 2020, sagt der Geschäftsführer. Die Produktionskapazität sei von 20 Millionen Corona-Tests auf nun bis zu 80 Millionen Tests im Monat hochgefahren worden. „Wir verkaufen jetzt an einem Tag so viel wie sonst in einem Monat“, sagte Meißner.

Der Mittelständler mit Hauptsitz am Niederrhein rückt damit nach eigener Einschätzung zu einem der großen Corona-Schnelltest-Hersteller europaweit nach den Branchenriesen Roche und Abbott auf. Vor kurzem habe Nal von Minden mit dem Bundesgesundheitsministerium die Lieferung von einer Million Corona-Schnelltests pro Monat bis Juni 2021 vereinbart, teilte das Unternehmen mit. Sie seien vor allem für Krankenhäuser, Arztpraxen und Pflegeheime gedacht.

Abhängigkeit von China zukünftig vermeiden

Auf Wachstumskurs ist auch der Hersteller von Vliesstoffen für OP- und FFP2-Masken, Innovatec, in Troisdorf. Im Juni 2020 hat das junge, erst 1995 gegründete Unternehmen 3,4 Millionen Euro Bundesförderung für zwei neue Anlagen bekommen. Seit 2019 hat Innovatec – Weltmarktführer für mikrofeine sogenannte Meltblown-Vliese – bereits gut 20 neue Jobs geschaffen. Bis Mitte dieses Jahres werde die Belegschaft voraussichtlich von gut 100 auf 115 bis 120 wachsen, sagte Geschäftsführer Daniel Krumme.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) würdigte das Unternehmen Ende November bei einem Firmenbesuch besonders, weil es „made in Nordrhein-Westfalen“ produziere und so helfe, in Krisen eine Versorgung ohne Abhängigkeiten sicherzustellen, wie der Regierungschef sagte. Bisher saßen die Hersteller fast durchweg in China. Im Sommer hatte die Bundesregierung ein Förderprogramm für Hersteller von Schutzausrüstung mit Standort in Deutschland aufgelegt, um die EU-weite Unabhängigkeit von Asien zu fördern. 30 Prozent der Investitionen wurden übernommen.

Davon profitierte auch der US-Technologiekonzern 3M, der für sein Werk in Hilden eine neue Fertigung für FFP2-Masken aufbaut. Ab dem Frühjahr sollen dort 150 Millionen der hochwertigen Atemschutzmasken im Jahr produziert werden, teilte das Unternehmen mit. Dabei entstünden rund 50 neue Stellen, sagte eine Sprecherin.

Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer soll auch in NRW hergestellt werden

Vom März dieses Jahres an wird außerdem der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer auch in NRW, in einem Werk des Konzerns Baxter in Halle/Westfalen hergestellt, wie ein Sprecher in dieser Woche angekündigt hatte. In dem Werk arbeiten bereits rund 800 Beschäftigte. Ob es Neueinstellung gebe, teilte das Unternehmen nicht mit. Jedenfalls leiste NRW „einen spürbaren Beitrag zur Beschleunigung der Impfstoffproduktion“, lobte Laschet. „Liefermengen werden deutlich vergrößert, Produktions- und Abfüllkapazitäten deutlich ausgeweitet.“

Dass der begehrte Impfstoff den Menschen überhaupt gespritzt werden kann, liegt dabei auch an einem Produkt aus NRW: Der Impfstoff muss vor der Injektion nämlich mit einer Kochsalzlösung verdünnt werden. Das dafür notwendige besonders reine Natriumchlorid kommt bundesweit vor allem aus einem Salzbergwerk des Kasseler K+S-Konzerns in Rheinberg am Niederrhein. „Wir produzieren das Taxi für den Corona-Impfstoff“, sagt ein Firmensprecher.

dpa

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