Die Kirchen wollen zu Weihnachten trotz der aktuell schlechten Corona-Zahlen die Geburt Jesu in der Krippe zu Bethlehem in öffentlichen Gottesdiensten feiern. © Foto Gareth Harper/ unplash
Coronavirus

Kirchen wollen trotz schlechter Corona-Zahlen Weihnachtsgottesdienste feiern

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt statt zu sinken, die Zahl der Toten erreicht Rekordhöhen. Trotzdem halten die christlichen Kirchen in Deutschland an Weihnachtsgottesdiensten fest. Noch.

Zu Ostern durften die Christen keine Gottesdienste in ihren Kirchen besuchen. Anfang April, in der Woche vor Ostern, gab es täglich zwischen 3.800 und 5.300 Neuinfektionen und zwischen 171 und 266 Corona-Tote. Jetzt sind die Zahlen um ein Vielfaches höher. Trotzdem halten die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland daran fest, zu Weihnachten Gottesdienste zu feiern.

Annette Kurschus ist Präses der Evangelischen Landeskirche von Westfalen und stellvertretende Ratsvorsitzende der EKD. Im Gespräch mir unserer Redaktion berichtete sie, dass die leitenden Geistlichen der Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland sich über das Thema abgestimmt hätten. Man sei übereinstimmender Meinung gewesen: „Jetzt im Moment gibt es keinen Grund zu sagen: Wir machen gar keinen Gottesdienst.“

Gottesdienste hätten sich nicht als Quellen großer Infektionen herausgestellt, sagt Kurschus. Man werde kleine Formate mit Schutzkonzepten umsetzen und auf große Events verzichten. Dabei könne sich das ändern, sollte sich die Lage bis Weihnachten dramatisch ändern, sagte die Präses, aktuell aber gelte: „Die Botschaft von Weihnachten soll in die Welt, gerade jetzt. Deshalb werden wir, wenn es geht, Gottesdienste feiern.“

„Wir sehen im Moment keine Notwendigkeit, auf Gottesdienste zu verzichten, wenn die Hygienekonzepte vollumfänglich eingehalten werden“, sagt Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, auf Anfrage unserer Redaktion. Die katholischen Gemeinden hätten aus den Erfahrungen des ersten Lockdowns und der Wiederaufnahme von Gottesdiensten gelernt und Hygienekonzepte erarbeitet. Im Übrigen haben man das auch mit dem Bundesinnenministerium so besprochen, sagte Kopp.

Rein rechtlich sind die 27 Bistümer in Deutschland für Gottesdienste zuständig. So heißt es auf Anfrage aus dem Erzbistum Paderborn, dass man die Lage im Blick habe, aber aktuell keine volle Einstellung öffentlicher Gottesdienste zu erwarten sei: „Die Erfahrung zeigt, dass die kirchlichen Schutzkonzepte tragfähig sind und in der praktischen Umsetzung funktionieren“, sagt Benjamin Krysmann, Pressesprecher des Erzbistums Paderborn.

Sein Kollege Dr. Stephan Kronenburg aus dem Bistum Münster sieht das ähnlich. Die Gemeinden seien mit Blick auf Weihnachten gut eingestellt. Vielerorts gebe es eine deutlich höhere Zahl an Gottesdiensten mit begrenzten Teilnehmerzahlen und Anmeldesystemen.

Zudem würden Gottesdienste im Freien gefeiert, viele im Internet übertragen: „Wir gehen davon aus, dass in dieser Form die Gottesdienste an Weihnachten gefeiert werden können, ohne dass es ein erhöhtes Infektionsrisiko gibt. Bislang sind uns von den Gottesdiensten in unserem Bistum auch keine Infektionsgeschehen bekannt“, sagt Kronenburg.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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