Kultur in der Pandemie: 75. Ruhrfestspiele starten online – das soll aber nicht so bleiben

Ein traditionelles Bühnenfestival im Internet? Die Ruhrfestspiele wollen zeigen, dass das geht - und hoffen doch noch auf Öffnung. Die ersten Präsenzveranstaltungen stehen schon fest.
Olaf Kröck, Intendant der Ruhrfestspiele, spricht während der Eröffnung der Outdoor-Fotoausstellung «75 Jahre Ruhrfestspiele in Fotografien ihrer Besucher» zu den wenigen Gästen. Die Ruhrfestspiele dauern bis zum 20. Juni. Das digital und in Präsenz konzipierte Festival steht unter dem Motto «Utopie und Unruhe». © picture alliance/dpa

Corona zum Trotz sind am Wochenende die 75. Ruhrfestspiele eröffnet worden – online, aber mit viel Herzblut. Der traditionelle Auftakt am 1. Mai – das Kulturvolksfest am Festspielhaus in Recklinghausen – war abgesagt worden. Stattdessen gab es ein üppiges Online-Kulturprogramm.

Am Sonntagabend stand als erstes eine Deutschlandpremiere auf dem Programm: Das Stück „Die Seidentrommel. Ein modernes No-Spiel“ des 87-jährigen Schauspielers und Regisseurs Yoshi Oida. Es erzählt die Geschichte eines alten Mannes, der die Bühne eines Theaters reinigt und sich in eine Tänzerin verliebt.

Festspiel-Intendant Olaf Kröck hatte im Vorfeld von einer „feinen, fast stillen Arbeit“ gesprochen, die „wie ein Windhauch“ sei. Das etwa 70 Minuten dauernde Stück konnte in Recklinghausen allerdings nur ohne Präsenzpublikum aufgeführt werden. Zuschauer mussten auf die Übertragung im Internet ausweichen.

Lange Tradition der Ruhrfestspiele in Recklinghausen

Die Ruhrfestspiele gehen darauf zurück, dass Bergarbeiter aus Recklinghausen im ersten Nachkriegswinter 1946/47 Hamburger Theater mit Kohle versorgten. Zum Dank kamen im Sommer 1947 Theaterleute aus Hamburg mit einem Programm ins Ruhrgebiet. „Die Ruhrfestspiele gehören längst zu unseren wertvollsten kulturellen Schätzen“, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier machte in einer Videobotschaft auf die Situation vieler Künstler aufmerksam, die wegen der Corona-Beschränkungen seit Monaten nicht wie gewohnt auftreten könnten und deshalb kaum Einnahmen hätten. „Sie müssen ihre Miete zahlen und fürs Essen einkaufen, sie ziehen Kinder groß und tragen Verantwortung.“ Die Politik sei gefordert, sich vor allem um freiberufliche Künstler zu kümmern. Und für die gesamte Gesellschaft zeige sich: „Kultur ist nicht „nice to have“. Kultur ist Lebensmittel, Kunst ist unverzichtbar“, sagte Steinmeier.

Fotoausstellung rückt das Publikum in den Mittelpunkt

Bereits seit Samstag ist vor dem Festspielhaus unter freiem Himmel eine Fotoausstellung zu sehen, die das Publikum der Ruhrfestspiele in den Mittelpunkt stellt. Gezeigt werden Fotografien, die das Publikum selbst seit 1947 gemacht hat. Die Bürger in Recklinghausen waren zuvor aufgefordert worden, Schnappschüsse einzusenden. Es seien „Zeitzeugnisse, die Impulse geben“, sagte Festspielintendant Kröck.

Das Festival steht unter dem Motto „Utopie und Unruhe“. Bis zum 20. Juni sollen 90 Produktionen in rund 210 Veranstaltungen zur Aufführung kommen. Sollte die Pandemielage es zulassen, sind erste Präsenzveranstaltungen – zwei Zirkus-Produktionen – ab dem 21. Mai geplant.

dpa