Meinung

Leser kritisiert Berichte über BVB-Busfahrer als „beschämend“ – andere Leser reagieren

Unsere Berichte über BVB-Busfahrer Christian Schulz in der Partei „dieBasis“ bezeichnet Leser Jochen Kahl als eine „Ungeheuerlichkeit“. Wir dokumentieren seine Mail und Reaktionen darauf.
Die Berichterstattung über BVB-Busfahrer Christian Schulz, der sich in der umstrittenen Corona-Protestpartei dieBasis engagiert hat, hat Diskussionen ausgelöst. Wir dokumentieren einen kritischen Leserbrief.. © Ohlrich

In seiner Mail an den Autor der Artikel bezieht sich Leser Jochen Kahl auf die Berichte „BVB-Busfahrer ist Mitglied in Corona-Protestpartei – Borussia Dortmund reagiert“ und „Kritik an Arbeit in Corona-Protestpartei: BVB-Busfahrer zieht Konsequenzen“. Wir dokumentieren seine Mail im Wortlaut:

„Ich finde es eine Ungeheuerlichkeit, dass das grundgesetzlich verbriefte Recht von Bürgern, sich in einer demokratischen Partei politisch zu organisieren (Art. 21 GG) per Gesinnungsschnüffelei von einem Nachrichtenportal zum Anlass genommen wird, einen sog. ‚Investigativ-Artikel‘ mit offenbar verleumderischer und denunziatorischer Absicht zu veröffentlichen.

Dieses Vorgehen ist zutiefst antidemokratisch, anmaßend und offenbart einen befremdlichen Berufsethos als Journalisten. Was bitte ist daran investigativ, die Zugehörigkeit eines Busfahrers zu einer regierungskritischen Partei aufzudecken?

Die Partei ‚dieBasis‘ ist eine neue, zugelassene demokratische Partei aus der Mitte der Gesellschaft, die weder zwischenzeitlich verboten wurde, noch vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig eingestuft wird.

Darüber hinaus handelt es sich bei den Demonstranten mitnichten pauschal um ‚Coronaleugner‘, sondern um Kritiker der Corona-Maßnahmen und der Corona-Gesundheitspolitik. Auch hier erfolgt über diesen meines Erachtens als Zitat (‚sagen die einen‘) getarnter Hetzbegriff ein Negativ-Framing und damit eine Delegitimierung eines weiteren grundgesetzlich verbrieften Rechtes – nämlich des Demonstrationsrechtes beziehungsweise das der Versammlungsfreiheit (Art. 8 GG). Hierzu ist auch die gezielte Verwendung des inzwischen negativ konnotierten Begriffs ‚Querdenker‘ zu zählen!

Es entsteht der Eindruck, dass Grundrechte für Ihresgleichen offenbar nur noch für diejenigen gelten, die die ‚richtige Gesinnung‘ haben.

Es ist beschämend zu sehen, dass sich der Busfahrer nun nach einem ‚intensiven Gespräch‘ mit dem bereits zuvor informiert gewesenen BvB veranlasst sah, sich angeblich ‚völlig freiwillig‘ aus der Basis-Partei zurückzuziehen!

Mit eher unfreundlichen Grüßen

Jochen Kahl“

Reaktionen auf den Leserbrief von Jochen Kahl

Im Nachgang zur Veröffentlichung des Leserbriefs von Jochen Kahl erreichten uns zahlreiche, die Meinung von Jochen Kahl unterstützende Rückmeldungen. Darunter waren erstaunlich viele Menschen, die nicht aus unserem Kern-Verbreitungsgebiet stammen, aber Interesse an Themen haben, die sich um den BVB drehen. Wir dokumentieren hier auszugsweise einige dieser Zuschriften:

Christian Korth aus Dortmund schreibt: „Herr Kahl spricht mir aus der Seele.“

Gunther Berghues aus Unna schreibt: „Ich stimme den Ausführungen des Herrn Kahl zu 100 Prozent zu. Genau die gleichen Gedanken hatte ich beim ersten Lesen ihres ,Berichts‘ über den Busfahrer.“

Ansgar Meyer aus Bonn schreibt: „Es kann nicht sein, dass inzwischen jede Meinung, die nicht zu mindestens 90 Prozent mit der Auffassung der Regierung und/oder der veröffentlichten Meinung übereinstimmt, pauschal als rechtsradikal und/oder rassistisch bezeichnet wird. Jeder der sich auch nur annähernd mit der Satzung der Partei dieBasis und den in dieser Partei aktiven Mitgliedern beschäftigt hat, wird zu einer vollkommen anderen Meinung kommen.“

Bernhard Pickert-Goldenbogen aus Neuss schreibt: „Bitte gehen Sie doch verantwortlich mit den Persönlichkeitsrechten von Bürgern um. Gegen die Corona-Maßnahmen der ,Regierung‘ zu sein, bedeutet nicht, dass man die Existenz und Gefahr von Corona leugnet. Im Übrigen, gegen Waffenlieferung in ein Kriegsgebiet zu sein, heißt nicht automatisch, dass man den Aggressor, hier Putin, unterstützt.“

Siegfried Bihra aus Fulda schreibt: „Ich stimme dem Leserbriefschreiber zu. Und möchte an die Berichterstattung der letzten Jahre bezüglich AfD erinnern, an die parteipolitisch motivierte Blockade von Seiten der Parteien, obwohl es sich um eine zugelassene und damals eher erzkonservative Partei handelte, die sicher auch über die Berichterstattung sich radikalisierte/extremisierte. Ähnliches auch bei Menschen, die sich erlauben, die israelische Siedlungs- und Besetzungspolitik zu kritisieren, oder eben jene Coronamaßnahmen. Auch über russische Gaslieferungen wird einseitig berichtet, die Möglichkeit der Inbetriebnahme von Northstream2 ebensowenig erwähnt wie das damit verbundene politische Entgegenkommen für zum Beispiel Polen, Ukraine, Stichwort Durchleitungsgebühren. Wirtschaftliche Beweggründe von Gazprom und die Vertragsmodalitäten fallen auch aus der journalistischen Wahrnehmung.“

Helmut Bayer aus Ludwigsburg schreibt: Nach meiner Überzeugung ist in dieser Angelegenheit das einzig Ungeheuerliche die Reaktion des BVB. So geht man jedenfalls nicht mit einem verdienten Mitarbeiter um. Solches Verhalten würde ich als Mobbing bezeichnen!“

Anmerkung der Redaktion: Es gab viele weitere, von der inhaltlichen Aussage identische Zuschriften. Deshalb haben wir eine Auswahl getroffen. Bewusst verzichtet haben wir auf Zuschriften mit diffamierenden, ehrabschneidenden und persönlich verunglimpfenden Äußerungen.

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