Das Foto zeigt den Angeklagten zwischen seinen Verteidigern. © Jörn Hartwich
Prozess

Mord ohne Leiche: „Er wollte, dass es keine anderen Männer in ihrem Leben gab“

Die Leiche von Anna S. aus Gelsenkirchen ist bis heute spurlos verschwunden. Ihr Ex-Freund soll die 35-Jährige ermordet haben. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft die Höchststrafe gefordert.

Mehr geht nicht: Im Prozess um den schrecklichen Tod der Gelsenkirchenerin Anna S. hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch die Höchststrafe beantragt. Der 47-jährige Angeklagte zeigte keine Regung.

Lebenslange Haft wegen Mordes. So lautet die Forderung von Anklägerin Sonja Hüppe. Außerdem sollen die Richter am Essener Schwurgericht die besondere Schwere der Schuld feststellen und die zeitlich unbefristete Sicherungsverwahrung anordnen. Damit wäre eine vorzeitige Entlassung wahrscheinlich erst im Greisenalter denkbar.

Spur endet an Müllverbrennungsanlage

Es war der 23. Juni 2020, als Anna S. verschwunden ist. Ihre Leiche wurde bis heute nicht gefunden. Die Spur verliert sich an einer Müllverbrennungsanlage in Krefeld. Bis dort hatten sogenannte Mantrailinghunde die Ermittler geführt.

Die letzten Bilder der 35-Jährigen hat der Angeklagte gemacht. Sie zeigen Anna S. auf dem Boden seiner Wohnung – gefesselt und mit einer Plastiktüte über dem Kopf. Auch Leichenflecken sind nach Angaben einer Rechtsmedizinerin auf den Fotos zu erkennen.

Schon einmal eine Frau umgebracht

Anna S. wäre schon die zweite Frau, die der 47-Jährige umgebracht hat. Vielleicht sogar schon die dritte. In einem Fall konnte ihm nichts nachgewiesen werden, für den anderen hat er 1999 bereits elf Jahre Haft kassiert. Diese Frau hatte er mit einer Vielzahl von Messerstichen umgebracht.

„Immer, wenn eine Freundin nicht mehr nach seinen Regeln spielt, verfällt der Angeklagte in den Bestrafungsmodus“, so Staatsanwältin Hüppe in ihrem Plädoyer. „Im Ernstfall spricht er ihnen sogar das Lebensrecht ab.“

„Es geht ihm nur um Macht“

Es sei das „eingeschliffene Verhaltensmuster“, was den Angeklagten für die Allgemeinheit so extrem gefährlich mache. Trennungen seien für ihn Niederlagen, auf die er mit Rache reagiere. Er empfinde weder Schuld noch Reue. „Er kontrolliert Menschen, manipuliert sie. Es geht ihm nur um Macht.“

Die Beziehung zu Anna S. soll schon rund ein Jahr lang vorbei gewesen sein. Trotzdem gab es immer wieder intime Treffen.

Der Angeklagte soll versucht haben, die 35-Jährige mit immer neuen Versprechen an sich zu binden. Er erfand sogar eine Tante in der Schweiz, die ihr angeblich ein Auto finanzieren wollte.

Kameras in ihrer Wohnung

Und er hat sie kontrolliert. Mit Kameras, die er heimlich in ihrer Wohnung installiert hatte. „Er wollte, dass es keine anderen Männer in ihrem Leben gab.“

Den Mord soll er akribisch geplant haben. Darauf weisen laut Hüppe Suchanfragen bei Google hin. Eine lautete zum Beispiel so: „Wann fängt eine Leiche an zu riechen?“ Eine andere: „Wie lange braucht man, um zu ersticken?“ Auch über Reinigungsmethoden soll sich der Angeklagte im Internet informiert haben. Außerdem über die Sichtbarkeit von Blutspuren unter UV-Licht und über Leichenspürhunde.

Im Prozess hat der 47-Jährige bislang geschwiegen. Das Urteil soll Mitte des Monats gesprochen werden.

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