Die SPD im Kreis Unna setzt bei ihrem Spitzenpersonal an vielen Stellen auf Männer jenseits der 50. Doch es scheint gut möglich, dass sich dies bei der nächsten Landtagswahl ändert. Nach dem angekündigten Rückzug von Rüdiger Weiß (2.v.l.) werden Stimmen laut, künftig eine Frau aufzustellen. Das Foto zeigt Weiß nach der Nominierung für die Landtagswahl 2012 mit (v.l.) Oliver Kaczmarek, Hermann Hupe, Rainer Schmeltzer, Hartmut Ganzke, Wolfram Kuschke und Michael Makiolla. © Archiv/Stefan Milk
Briefkopf-Affäre

Nach Weiß‘ Rückzug bleibt sein Wahlkreis ohne Landtagsabgeordneten

Wenn Rüdiger Weiß wie angekündigt sein Landtagsmandat zurückgibt, steht sein Wahlkreis ohne einen Abgeordneten da. Für den Neuanfang wünschen sich manche Genossen eine Frau.

Die Internetseite von Rüdiger Weiß sieht aus, als habe es die Briefkopf-Affäre nie gegeben. Ein lächelndes Porträt mit dem Slogan „Aktiv. Ortsnah. Verlässlich“ weist Rüdiger Weiß dort als Mitglied des Landtags und „Sprecher für Europa und Internationales“ der SPD-Fraktion aus. Ein ähnliches Bild liefert Weiß‘ Twitter-Account, während seine Auftritte auf Facebook und Instagram inzwischen nicht mehr erreichbar sind. Am Mittwochabend hatte Weiß gegenüber dem Unterbezirksvorstand der SPD erklärt, sein Mandat als Landtagsabgeordneter niederzulegen, und damit den immer lauteren Rücktrittsforderungen vor allem aus seiner eigenen Partei nachzugeben.

Damit ist klar: „Ortsnah“, wie es auf Weiß‘ Website heißt, gibt es keinen Landtagsabgeordneten mehr, der Wahlkreis Unna III/Hamm II mit Kamen, Bergkamen, Bönen und Hamm-Herringen ist dann in Düsseldorf nicht mehr vertreten. Die Niederlegung des Mandats sei ein formaler Prozess, sagt ein Sprecher der SPD-Landtagsfraktion auf Anfrage.

Marina Dobbert aus Solingen könnte für Weiß nachrücken

Weiß bestimme als frei gewählter Abgeordneter selbst, wann er sein Mandat niederlege. „Er muss damit zum Präsidenten des Landtages, das muss notariell beurkundet werden“, so der Sprecher. Als „Nachrückerin“ würde laut Landesliste der SPD Marina Dobbert (63) aus Solingen Weiß‘ Platz im Landtag einnehmen. „Wir haben sie noch nicht gefragt. Ob sie dazu bereit ist, klärt der Landeswahlleiter“, sagt der Fraktionssprecher.

Schmeltzer und Ganzke dürften die Betreuung vor Ort übernehmen

Die Landtagsfraktion wiederum muss dann bestimmen, wer die Betreuung des Wahlkreises Unna III/Hamm II übernehme, so Unterbezirksvorsitzender Oliver Kaczmarek. Naheliegend ist, dass die Abgeordneten Rainer Schmeltzer aus Lünen und Hartmut Ganzke aus Unna den Mittelkreis bis zur nächsten Wahl in einem Jahr mitbetreuen. „So eine Situation hatten wir schon einmal, als Peer Steinbrück als Finanzminister nach Berlin ging“, erinnert Kaczmarek im Gespräch mit unserer Redaktion an das Jahr 2005. Er versichert zugleich, dass auch weiterhin jedes Bürgeranliegen beantwortet werde.

Personelle Neuaufstellung nach der Bundestagswahl

In den nächsten Monaten geht es für die SPD neben dem Bundestagswahlkampf – Kaczmarek selbst möchte im September zum vierten Mal als direktgewählter Abgeordneter in den Bundestag einziehen – um eine personelle Neuaufstellung für die Landtagswahl 2022. Die Nominierungskonferenz soll auf Vorschlag des Unterbezirks Unna am 10. November stattfinden, die Genossen aus Hamm müssen dem noch zustimmen.

„Wir brauchen jetzt ein bisschen Zeit“, sagt Kaczmarek auch mit Blick darauf, dass die SPD in Bergkamen nach Weiß‘ Rückzug unter anderem die Führungsfrage in der Ratsfraktion zu klären hat.

Kaczmarek: „Brauchen jemanden, der sich maximal einsetzt“

Der SPD-Stadtverband Kamen machte vor einigen Tagen bereits klar, dass zukünftig mindestens eine Frau aus dem Kreis Unna für den Landtag aufgestellt werden müsse. Namen kursieren noch keine, doch die Genossen betonen eine Grundvoraussetzung: „An Menschen, die wir für dieses Amt nominieren, stellen wir besondere Anforderungen und Erwartungen, da sie auch die vielen Ehrenamtlichen und Mitglieder vor Ort repräsentieren.“

Auch Parteichef Kaczmarek sagt, er würde sich freuen, „wenn wir eine Frau finden, die auch für diesen Wahlkreis antritt.“ Er könne sich gut vorstellen, dass sich mehrere Kandidatinnen und Kandidaten bewerben. Kaczmarek: „Klar ist, dass wir jemanden brauchen, der sich maximal einsetzt für seinen Wahlkreis in Düsseldorf.“

Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues
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