Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU, l) und RKI-Chef Lothar Wieler tragen letztlich die Verantwortung für das neue Daten-Debakel um die überschätzte Wirksamkeit von Corona-Impfungen. Unser Autor meint, dass sie Platz für andere machen sollten. © picture alliance/dpa/dpa-pool
Meinung

Neues Desaster beim RKI mit falschen Corona-Daten: Für zwei Männer ist es Zeit zu gehen

Das neue Daten-Debakel des Robert-Koch-Instituts mit falschen Zahlen zur Wirksamkeit der Corona-Impfung muss Folgen haben, meint unser Autor. Denn alle Querdenker werden jubeln.

Die neue Riesenpanne beim Robert-Koch-Institut (RKI) ist ein Desaster für die ohnehin unter massiven Lähmungserscheinungen leidende Impfkampagne. Alle Querdenker werden jubeln. Sie haben ja immer schon gesagt, dass man den offiziellen Stellen insgesamt und dem RKI im Besonderen nicht vertrauen kann.

Alle hartnäckigen Impfgegner werden ebenfalls frohlocken, sehen sie sich doch in ihrer Ablehnung einer Corona-Schutzimpfung bestätigt. Und selbst die Wankelmütigen, die man mit korrekten Fakten und sachlichen Argumenten vielleicht hätte überzeugen können, sehen sich in ihrer Skepsis bestätigt. Ein größere Eigentor hätte das RKI kaum schießen können.

Dabei gilt es, zwei Dinge genau auseinanderzuhalten. Wenn jetzt klar ist, dass die Schutzwirkung einer Corona-Impfung nicht so hoch ist wie bisher immer gesagt wurde, bedeutet das eines ausdrücklich nicht: Es heißt nicht, dass eine Impfung plötzlich unwirksamer geworden ist als in der vergangenen Woche. Sie wirkt exakt genauso gut wie vor vier, acht oder 30 Wochen. Es ist wichtig, das festzuhalten.

Wissenschaftliche Einrichtung arbeitet unwissenschaftlich

Was sich jetzt geändert hat, ist nur die Zahl, mit der die Schutzwirkung gemessen und publiziert wird. Ganz offensichtlich hat das RKI in der Vergangenheit all jene Corona-Infizierten, bei denen man den Impfstatus nicht kannte, automatisch als ungeimpft eingestuft. Auf diesem Wege stieg natürlich rein rechnerisch die Zahl der Infizierten unter den Ungeimpften und die Zahl der Infizierten unter den Geimpften sank gleichzeitig.

Es macht mich fassungslos, dass eine wissenschaftliche Einrichtung, die für uns den Kompass beim Weg durch die Pandemie darstellt, in einem zentralen Punkt so schlampig und unwissenschaftlich arbeitet. Und mit dieser Einschätzung bin ich noch großzügig. Wäre ich böswillig, könnte man bei den geschönten Angaben auch Absicht unterstellen, um noch mehr Menschen zur Impfung zu bewegen.

Letzteres wäre natürlich ein Horrorszenario schlechthin. Aber auch die reine Schlamperei an dieser Stelle ist schlicht und einfach skandalös. Es ist eine Einladung an alle Kritiker zu einem Elfmeter, wobei in diesem Fall nicht einmal ein Torhüter zwischen den Pfosten steht.

Löchriger als das Netz in einem Fußballtor

Selbst wenn es das erste große Malheur in der Pandemie gewesen wäre, das sich das RKI geleistet hat, könnte man über ein solches Debakel bei aller Nachsichtigkeit nicht hinwegsehen. Es ist aber nicht das erste Mal. In den vergangenen 20 Monaten hat das RKI wiederholt offenbart, dass die Datenbasis, auf der alle Entscheidungen getroffen werden, löchriger ist als das Netz in einem Fußballtor. Und das alles in einem der fortschrittlichsten Länder dieser Erde.

Die schlimmste Folge dieses neuerlichen Daten-Desasters ist das verlorene Vertrauen in die Menschen, die uns sicher durch diese Pandemie lotsen sollen. Wie soll man solchen Lotsen, die ihr Schiff in den vergangenen 20 Monaten immer wieder auf Grund gesetzt haben, noch vertrauen?

Da die bisher handelnden Personen ganz offensichtlich mit ihrer Aufgabe überfordert sind, sollten sie für jemanden, der den Job besser meistert, Platz machen. Angesprochen dürfen sich da in erster Linie fühlen Lothar Wieler als Chef des RKI und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, in dessen Verantwortungsbereich das RKI fällt.

Selbst wenn Spahn der neuen Regierung nicht mehr angehören wird, wäre es nach dem neuerlichen Fiakso ein Fehler, ihn bis zum Regierungswechsel noch Monate lang im Amt zu belassen. Es ist Zeit zu gehen.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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