Ditib-Kritik

Özdemir: Nordrhein-Westfalen „gibt Erdogan Zugang zu Schulen“

NRW will eine Kooperation zwischen der Islam-Organisation Ditib und Schulen wieder aufnehmen. Die wurde wegen Ankara-Nähe auf Eis gelegt und steht wieder in der Kritik - von Cem Özdemir.
Der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), kritisiert die Kooperation der Schulen im Religionsunterricht mit Ditib. © picture alliance/dpa

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir hat die geplante Wiederaufnahme der Kooperation der nordrhein-westfälischen Landesregierung mit der Islam-Organisation Ditib bei der Ausgestaltung des islamischen Religionsunterrichts scharf kritisiert. „Ich könnte vor Wut explodieren und verstehe die Naivität nicht“, sagte Özdemir der „Welt am Sonntag“. Ditib sei Teil einer hierarchischen Organisation, deren Zentrale in Köln der türkischen Religionsbehörde Diyanet in Ankara unterstellt sei. „Und die bekommt ihre Anweisungen vom türkischen Staatspräsidenten.

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen und die CDU dort haben dafür gesorgt, dass Erdogan Zugang zu deutschen Schulen bekommt. Das ist unfassbar“, so Özdemir weiter. Nordrhein-Westfalen verrate gerade diejenigen islamischen Gruppen, „die sich zum Grundgesetz und zu unserer offenen Gesellschaft bekennen“. In der vergangenen Woche hatte FDP-Schulministerin Yvonne Gebauer mitgeteilt, dass die Ditib als größte Islam-Organisation künftig Mitglied einer neuen Kommission sein soll, in der insgesamt sechs Islamverbände über den Ausbau und die künftige Gestaltung des islamischen Religionsunterrichts an den Schulen im Land mitentscheiden.

Land legte Kooperation im Schulbereich auf Eis

In den Jahren zuvor hatte das Land die Kooperation wegen ihrer Nähe zu Ankara auch im Schulbereich auf Eis gelegt. Gebauers Angaben bei der Vorstellung der Pläne am Montag zufolge hatte die Ditib aber zuletzt „intern, aber auch öffentlich“ eine „Staatsferne“ dargelegt. Konkret geht es um eine Beteiligung bei der Genehmigung von Lehrbüchern.

Özdemir betonte im „Welt am Sonntag“-Interview, Muslime hätten jedes Recht ihre religiösen Bedürfnisse zu artikulieren. Die islamischen Verbände erfüllten jedoch nicht die „Voraussetzungen für die Anerkennung“. Özdemir weiter: „Wir wollen keine Papageien, die die Agenda Ankaras oder Teherans nachplappern. Was wir brauchen, ist eine Vertretung der in Deutschland lebenden Muslime auf dem Boden des Grundgesetzes.“ So gebe es inzwischen auch Abspaltungen der Ditib, die einen „vernünftigen Kurs verfolgen“.

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