ZDF und ARD ignorieren nicht nur bei den Olympischen Spielen in Tokio die Bedürfnisse ihrer zahlenden Kunden. Unser Autor hält das für eine unverschämte Ignoranz. © picture alliance/dpa
Meinung

Olympia-Berichterstattung zeigt: ARD und ZDF pfeifen auf die Bedürfnisse ihrer Zuschauer

Auslands-Magazine in die Nacht verschoben. Keine Olympia-Sendungen, wenn arbeitende Menschen Zeit hätten. Unser Autor sagt: ARD und ZDF kassieren Zwangsgebühr, ignorieren aber ihre Zuschauer.

Seit dem Wochenende frage ich mich: Wie können öffentlich-rechtliche Fernsehsender ungestraft ihr Publikum einfach so ignorieren? In Tokio laufen die Olympischen Spiele, das neben der Fußballweltmeisterschaft größte sportliche Ereignis, das man sich vorstellen kann. Und was passiert?

ARD und ZDF übertragen täglich – wegen der siebenstündigen Zeitverschiebung – zwischen Mitternacht und 17 Uhr live von den Spielen in Tokio. Dieser Aufwand ist in Ordnung, denn viele Sportarten stehen nur bei Olympia alle vier Jahre für ein, zwei Wochen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Aber was ist, wenn ich zur arbeitenden Bevölkerung gehöre? Wenn ich nachts schlafen und tagsüber meiner Beschäftigung nachgehen muss? Dann kann ich nicht vor dem Fernseher hocken, egal wie sehr ich mich für Olympia interessiere.

„Unverschämte Ignoranz der Sender“

Ich war fest davon überzeugt, dass es für solche Menschen wie mich, meine Kollegen, Nachbarn und Freunde mit Sicherheit im Laufe des Abends eine Olympia-Zusammenfassung vom Tage gibt. Eine Stunde hatte ich gedacht, oder wenigstens eine halbe Stunde, irgendwann im Programm zwischen 19 und 22 Uhr. Aber Pustekuchen: Gibt es nicht. Zwei kleine Videoschnipsel in den diversen Nachrichten müssen reichen, mehr bietet das öffentlich-rechtliche Fernsehen Menschen wie mir nicht an. Ich halte das für eine unverschämte Ignoranz dieser Sender.

Nachdem beim Blick auf das Fernsehprogramm meine erste Wut verraucht war, dachte ich mir: Okay, es gibt ja die Mediatheken von ARD und ZDF, dann schaust du da noch mal in die 17 Stunden Livesendung vom Tage rein, doch falsch gedacht: In der Mediathek sind diese Inhalte nicht verfügbar – aus rechtlichen Gründen, denn: Dann könnte man ja in jedem Land der Welt Sport im Deutschen Fernsehen schauen, dafür aber haben ZDF und ARD keine Lizenz.

Also bleibt in der Tat nur das „lineare Fernsehen“. Dieser Begriff besagt nichts anderes als: Ich schaue Sendungen im Fernsehen dann, wenn sie ausgestrahlt werden, also: Die Tagesschau um 20 Uhr, den Tatort um 20.15 Uhr und das heute journal um 21.45 Uhr und eben nicht zeitversetzt zu einer anderen Zeit in der Mediathek. Und genau da ist um 17 Uhr Schluss, exakt dann, wenn ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung endlich ein wenig Zeit für dieses sportliche Großereignis hätte. Das ist eine Frechheit, die bei mir endgültig den Geduldsfaden mit den Öffentlich-Rechtlichen durchschnitten hat.

Journalistische Formate werden in die Nacht geschoben

Es ist erst wenige Tage her, da sickerte durch, dass das Erste den Weltspiegel, in dem seit 58 Jahren immer sonntags um 19.20 Uhr ARD-Korrespondentinnen und -Korrespondenten aus aller Welt berichten, künftig montags um 22.50 Uhr ausstrahlen will – also zu einer Zeit, wenn ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung schlafen geht. Das ZDF hat ihr ähnlich konzipiertes „auslandsjournal“ schon vor langer Zeit immer weiter nach hinten in die dunkle Ecke geschoben: von freitags um 19.30 Uhr über donnerstags um 21.15 Uhr auf aktuell mittwochs 22.15 Uhr. Die sehr gute Reportage-Reihe „37 Grad“ läuft im ZDF bereits seit mehr als 25 Jahren ebenfalls erst spätabends dienstags ab 22.15 Uhr.

Statt erstklassigem Journalismus wird uns inzwischen zur Hauptsendezeit schnell produzierte Dutzendware an Krimis, billigen Komödien und abgeschmackten Romanzen serviert. Jetzt über Monate im Sommer zur Krönung alles aufgewärmt in der xten Wiederholung.

Die GEZ ist schlimmer als das Finanzamt

Natürlich kann ich mir mein eigenes Programm zusammenstellen, bei Netflix, Amazon oder einem anderen Dienst, von daher könnte ich ja auf ARD und ZDF pfeifen und den Vertrag mit ihnen kündigen. Genau das geht aber nicht: Monat für Monat bezahle ich 17,50 Euro als Zwangsgebühr für die Öffentlich-Rechtlichen. Bei Eintreiben dieser Gelder ist die GEZ noch hartnäckiger als das Finanzamt.

Ich bin durchaus ein Freund der öffentlich-rechtlichen Sender. Ich möchte, dass sie für mein Geld ihrem journalistischen Auftrag nachkommen können, ohne von Werbeinteressen geleitet zu sein. Das kann aber nicht heißen, dass sie die Interessen ihrer Geldgeber, dass sie meine Interessen stumpf und ungestraft ignorieren dürfen.

ARD, ZDF, gebt mir mein Geld zurück!

Und im Moment tun sie genau das: Offenbar hat sich, das machen die Olympischen Spiele von Tokio klar, niemand bei ARD und ZDF Gedanken darüber gemacht, für wen sie eigentlich ihr Programm während der Spiele machen. Wenn es nach mir geht, gibt es daher, liebe ARD, liebes ZDF, nur eine Alternative: Entweder Ihr richtet Euer Programm endlich nach Eurem Auftrag und Euren Kunden aus oder gebt mir bitte mein Geld zurück!

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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