Eine Impfung schützt gegen das Coronavirus – allerdings nicht so stark, wie das Robert-Koch-Institut bisher verbreitet hat. © Foto: Pixabay/ Wilfried Pohnke
Corona-Wochenbericht

Robert-Koch-Institut gibt Fehler zu: Corona-Impfung längst nicht so wirksam wie gedacht

Das Robert-Koch-Institut hat die Wirksamkeit der Corona-Impfungen überschätzt. Die neuen Zahlen zur Impf-Effektivität sind deutlich niedriger als bisher. Und es gibt weitere brisante Zahlen.

Wie wirksam schützen Impfungen wirklich vor einer Infektion mit dem Coronavirus? Über Monate hinweg hat das Robert-Koch-Institut mit Zahlen, die einen wirksamen Schutz von mehr als 80 Prozent belegen sollten, für eine Impfung geworben. Jetzt räumt das RKI ein, dass die tatsächlichen Zahlen teils deutlich unter 80 Prozent liegen.

Die Nachricht explosiven Inhaltes verbirgt sich reichlich gut versteckt auf der Seite 22 des 32 Seiten starken Wochenberichts, den das RKI am Donnerstagabend (14. Oktober) veröffentlichte. Dort heißt es, dass bei einem Teil der vom RKI erfassten Covid-19-Fälle die Angaben zum Impfstatus unvollständig seien. Daher gehe man von einer „Untererfassung der geimpften Covid-Fälle“ aus. Die Konsequenz: „In Folge dessen kann in den bisherigen Berechnungen die Impfeffektivität in einigen Fällen überschätzt worden sein“, schreibt das RKI.

Jetzt berücksichtige man seit dem 30. September für die Berechnung der Impfeffektivität nur noch jene Covid-19-Fälle, bei denen Angaben zum Impfstatus vorliegen. Das, so berichtet das RKI, habe „in einigen Fällen zu niedrigeren Schätzern (gemeint ist wohl „Schätzungen“, Anm. d. Red.) der Impfeffektivität im Vergleich mit früher (…) berichteten Berechnungen geführt“.

Die neuen Zahlen zur Effektivität sind deutlich niedriger

Ganz konkret bedeutet das: Während die Impfeffektivität für den Gesamtbeobachtungszeitraum seit dem 1. Februar 2021 bis heute für 18- bis 59-Jährige bei ca. 83 Prozent und für die Altersgruppe über 60 Jahre bei 82 Prozent geschätzt wurde, fällt die angenommene Impfeffektivität für die vergangenen vier Wochen deutlich niedriger aus. Das RKI gibt sie jetzt für 18- bis 59-Jährige mit 78 Prozent, für die über 60-Jährigen mit 76 Prozent an.

Trotz dieser Korrektur der Daten, das beteuert das RKI in seinem Wochenbericht, biete eine Impfung nach wie vor einen hervorragenden Schutz vor schweren Folgen einer Coronainfektion. Für die vergangenen vier Wochen gelte: Vor einer Hospitalisierung schütze eine Impfung zu 91 (18-59 Jahre) beziehungsweise 87 (über 60) Prozent, vor einer Behandlung auf einer Intensivstation zu 94 (18 bis 59) beziehungsweise 92 (über 60) Prozent und vor dem Tod zu 96 (18 bis 59) beziehungsweise 90 (über 60) Prozent.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass inzwischen 817 vollständig geimpfte Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben sind, davon 155 allein in den vergangenen vier Wochen. Von diesen Gestorbenen waren allerdings 606 Menschen bereits 80 Jahre und älter. Allerdings wurden mittlerweile auch 54,5 Millionen Menschen vollständig geimpft. Die Todesrate ist also minimal und liegt bei 0,0015 Prozent.

Extrem hohe Werte in acht Landkreisen bei 10- bis 19-Jährigen

Neben den Impfungen liefert der aktuelle Wochenbericht des RKI noch in einem anderen Punkt Zündstoff. Dabei geht es um zum Teil dramatische Zahlen bei den Neuinfektionen von 10- bis 19-Jährigen. Aktuell, so berichtet das RKI, liegt die 7-Tages-Inzidenz in dieser Altersgruppe in sieben Landkreisen bei mehr als 500, in einem Landkreis sogar über 1.000. Betroffen sind davon vor allem Regionen in Bayern und Thüringen.

So liegt auch der Kyffhäuserkreis, in dem mehr als 1.000 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner zwischen 10 und 19 Jahren in den vergangenen sieben Tagen registriert wurden, in Thüringen. Außerdem weisen drei weitere Kreis in Thüringen in dieser Altersgruppe eine Inzidenz zwischen 500 und 1.000 auf; Hildburghausen, Greiz und das Altenburger Land. In Bayern sind die Landkreise Berchtesgadener Land, Traunstein sowie Straubing-Bogen betroffen. Außerdem zählt der Kreis Prignitz in Brandenburg zu diesem wenig rühmlichen Kreis.

Wo die Ursachen für diese regional und altersspezifisch extrem hohen Werte zu suchen sind, darüber berichtet das RKI nicht. In Nordrhein-Westfalen ist übrigens der Kreis Herford mit einer Inzidenz in dieser Altersgruppe zwischen 250 und 500 der Spitzenreiter.

Livetalk am Montag zum Thema Impfungen

Diese erneute Panne bei den Zahlen zur Wirksamkeit der Impfungen verstärkt die Diskussion um das Impfen noch einmal, nachdem andere Meldungen der vergangenen Tage schon Anlass genug zu Irritationen gaben. Mit Impfdurchbrüchen, Booster-Impfungen, Todesfällen trotz Impfung, der Impfung für Schwangere und anderen Impf-Themen beschäftigt sich daher der Live-Talk unseres Verlages am Montag (18. Oktober).

Dabei beantworten Prof. Dr. Eva Hummers (Mitglied der Ständigen Impfkommission), Dr. Stefanie Schmickler (Augenchirurgin und Vorkämpferin für das Impfen) sowie Prof. Dr. Thomas Schwenzer (Direktor der Frauenklinik Dortmund) Ihre Fragen. Ihre Fragen können Sie schon jetzt mailen an: reden@rnw.press.de. Den Livestream können Sie am Montag (18. Oktober) ab 18 Uhr kostenlos auf den Internetseiten unseres Verlages verfolgen.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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