Die angeklagte Mutter neben ihrem Verteidiger Jens Tuschhoff kurz vor Prozessbeginn im Landgericht Bochum. © Werner von Braunschweig
Landgericht Bochum

Sechsfache Mutter aus Herne soll Kindern gefährliche Medikamente verabreicht haben

Eine sechsfache Mutter aus Herne soll ihrem Baby ein verschreibungspflichtiges Medikament gespritzt und ihrer 16-jährigen Tochter Ersatzdrogen verabreicht haben. Aber Fall ist kompliziert.

Mit einer vorerst schweigenden Angeklagten hat am Donnerstag am Bochumer Landgericht der Misshandlungs-Prozess gegen eine sechsfache Mutter (43) aus Herne begonnen. Die drogenabhängige Frau soll ihrem jüngsten Kind (elf Monate) verbotenerweise 14-mal selbstständig ein Medikament zur Immunabwehr injiziert haben. Zudem soll sie zur Täuschung ihres eigenen Arztes ihrer ältesten Tochter (16) die Ersatzdroge Methadon verabreicht haben.

Die Anschuldigungen gegen die Mutter waren im Anschluss an einen Termin in der Kinderschutzambulanz Gelsenkirchen im März 2019 ans Licht gelangt. Dabei war laut Anklage bekanntgeworden, dass die 43-Jährige – „obgleich eine medizinische Indikation hierfür nicht bestand“ – ihrem elfmonatigen Kind insgesamt 14 Mal jeweils mit einer Spritze zwei Milliliter des verschreibungspflichtigen Medikamentes „Beriglobin“ (gegen Antikörpermangelerscheinungen) injiziert – und dies auch im Impfpass des Kindes vermerkt hat.

„Die unsachgemäße Medikamentengabe war geeignet, das Leben des Kindes zu gefährden“, so die Anklageschrift. Die dazugehörigen Rezepte soll die Mutter von einer Bochumer Kinderärztin ausgestellt bekommen haben.

Hat die Mutter ihre Tochter überredet, Methadon zu nehmen?

Der zweite Vorwurf tauchte dann offenbar im Rahmen der weiteren Ermittlungen auf. Die älteste Tochter (16) soll bei einer Befragung behauptet haben, dass ihre drogenabhängige Mutter sie überredet habe, „saubere“ Urinproben für sie abzugeben. Hintergrund dafür soll eine geplante Täuschung des Substitutions-Arztes gewesen sein, bei dem die Mutter regelmäßig die Ersatzdroge Methadon erhält und vor dem die 43-Jährige laut Anklage verschleiern wollte, dass sie nebenher heimlich weiter Heroin spritzt.

Die Angeklagte sitzt seit dem 23. Februar 2021 in U-Haft. All ihre Kinder sind zwischenzeitlich vom Jugendamt in Obhut genommen worden. Am Rande des Prozesses wurde am Donnerstag auch bekannt, dass die Frau offenbar zeitweise in Baden-Württemberg auch als Aupairmädchen gearbeitet hat. Angeblich soll sie beim dortigen Jugendamt versucht haben, offiziell als Pflegemutter für die von ihr betreuten Kinder eingesetzt zu werden.

Kinderärztin soll Spritzen verordnet haben

Zum Prozessauftakt ließ die Angeklagte über ihren Verteidiger Jens Tuschhoff (Oer-Erkenschwick) erklären, dass sie sich frühestens am zweiten Prozesstag zu den Anschuldigungen erklären werde. Bislang hat die 43-Jährige unter anderem behauptet, dass die Kinderärztin ihr gesagt haben soll, dass sie das Medikament dem Kind ruhig selbst spritzen könne. „Daran haben wir schon gewisse Zweifel“, mahnte Richter Volker Talarowski.

Die Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung, Misshandlung von Schutzbefohlenen und Verabreichen von Betäubungsmitteln. Mit einem Urteil ist frühestens im September zu rechnen.

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